„Schütz macht Schule“

„Schütz macht Schule“: Weißenfelser Viertklässer komponieren mit App wie Altmeister

Weissenfels - „Du bist Schütz schon ganz nah auf der Spur“, lobt Maik Richter eine Schülerin und ruft gleich die nächsten Kinder auf. Mit ihrem Tablet kommen sie nach vorn und stellen ihre ersten kleinen Kompositionen vor, mit denen sie Altmeister Heinrich Schütz (1585-1672) in die Neuzeit ...

Von Andreas Richter 20.04.2019, 11:00

„Du bist Schütz schon ganz nah auf der Spur“, lobt Maik Richter eine Schülerin und ruft gleich die nächsten Kinder auf. Mit ihrem Tablet kommen sie nach vorn und stellen ihre ersten kleinen Kompositionen vor, mit denen sie Altmeister Heinrich Schütz (1585-1672) in die Neuzeit holen.

Weißenfelser Schüler komponieren mit App wie Altmeister

Im Konzertsaal des Heinrich-Schütz-Hauses haben sich Viertklässler der Weißenfelser Berg-Grundschule zu einer besonderen Unterrichtsstunde getroffen. Sie dürfen als erste eine neu entwickelte Musizier-App testen, mit der sie - ganz ohne Notenkenntnisse - zu kleinen Komponisten werden können. „Die Kinder können Rhythmen und Melodien frei wählen, spielen praktisch mit Klangbausteinen, die auf Werken von Heinrich Schütz basieren“, erklärt Maik Richter, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Musikergedenkstätte in der Nikolaistraße.

Im „Musiklabor“, wie Richter die Arbeit mit der App nennt, sind an diesem Vormittag auch Maya Schmeißer und Nele Leonie Pullner. „Das hat viel Spaß gemacht“, meint Maya. 30 Minuten lang konnten sie die neue Schütz-App mit ihren verschiedenen Ton-Sequenzen ausprobieren. Am Ende konnten die Mädchen locker verschmerzen, dass zwischendurch ein Teil ihrer Komposition irgendwie wieder gelöscht wurde. Aller Anfang ist eben schwer. Für Nele war es zudem noch ein besonderes Datum - ihr zehnter Geburtstag.

Kinder waren mit Eifer bei der Sache

„Wir waren alle ganz neugierig auf das Projekt“, erzählt Musiklehrerin Anke Lerz. Am Ende ist sie froh darüber, dass alle Kinder mit Eifer bei der Sache waren. Am nächsten Mittwoch kommen sie noch einmal ins Schütz-Haus, um das Ganze weiter zu vertiefen. Dabei war die Stunde für Maik Richter erst der Anfang von „Schütz macht Schule“ - einem Gemeinschaftsprojekt der Musikergedenkstätte und des Weißenfelser Musikvereins „Heinrich Schütz“.

„Wir wollen Schülern verschiedener Altersklassen die Möglichkeit bieten, sich kreativ mit alter Musik zu beschäftigen“, sagt Richter. So werden im Mai Mädchen und Jungen der Neustadtschule im Heinrich-Schütz-Haus erwartet, einen Monat später Schüler aus dem Goethegymnasium.

Ende des Schuljahres soll App verschiedenen Schwierigkeitsstufen haben

Aus rund 50 Klangbausteinen besteht die von Richter erarbeitete vorläufige Version der App. In den nächsten Monaten werden Musikstudenten der Martin-Luther-Universität in Halle weitere Bausteine für die endgültige Version zusammenstellen. Streichinstrumente, Holz- und Blechbläser werden eine noch viel größere Klangvielfalt erzeugen als bislang Oboe und Klavier. „Die Studenten werden die Bausteine aus zehn bis zwölf Werken von Schütz zusammenstellen“, erklärt Richter. Bis Ende des Schuljahres soll die App mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen komplett fertig sein.

Dann soll sie auf hauseigenen Tablets von allen Besuchern der Musikergedenkstätte genutzt werden können. Möglich wurde „Schütz macht Schule“ dank der Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes mit Sitz in Halle. Mit 44.000 Euro trägt sie den Großteil der Kosten. Die Kompositionen der Kinder und Jugendlichen sollen im Herbst im Rahmen einer Sonderausstellung mit verschiedenen Klangstationen zu hören sein. (mz)