Polizeieinsatz in Weißenfels war eskaliert

Schlug Angeklagter dem Polizisten die Faust ins Gesicht?

Ein Mann aus Weißenfels muss sich wegen zweier Körperverletzungen vor dem Amtsgericht verantworten. Was er zu den Vorwürfen sagt.

Von Tobias Schlegel
Polizeifahrzeug in der Stadt (Foto: imago images/Kirchner-Media)

Weißenfels - Irgendwann wird es auch dem Verteidiger zu bunt: „Was ist passiert?“, fragt er lautstark seinen Mandanten und haut mit der Hand auf die Anklagebank in Saal 18 des Weißenfelser Amtsgerichtes. Zu oft schweift der Angeklagte vom Thema ab, erzählt viel mehr, was sich vor den Taten abgespielt haben soll, wegen denen er sich an diesem Tag verantworten muss. Dazu kommt, dass das Deutsch des 42-jährigen Weißenfelsers nur schwer zu verstehen ist. Der Mann stammt aus Guinea in Westafrika.

Polizeieinsatz eskaliert

Dafür ist der Hartz-IV-Empfänger in der Vergangenheit schon mehrfach polizeilich aufgefallen, wie ein 36 Jahre alter Beamter dem Gericht sagt. Mehrfach soll er Polizisten schon in der Weißenfelser Neustadt angepöbelt und bei Einsätzen gestört haben. Immer, so berichtet es der Polizist, war der Angeklagte dabei alkoholisiert und fühlte sich ungerecht behandelt. Stets habe er behauptet, nur wegen seiner Hautfarbe Probleme mit der Polizei zu bekommen.

Am 2. April vergangenen Jahres soll eine Situation dann komplett eskaliert sein. Laut Anklage hat der Mann an diesem Tag den 36-jährigen Polizisten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Angeklagte bestreitet das. Er habe nichts gemacht, die Beamten hätten ihn zu Boden gebracht und durchsucht. Dass er in Richtung des Beamten gespuckt und ihn an den Hals gegriffen und ins Gesicht geschlagen haben soll - so wirft es ihm der Staatsanwalt vor - bestreitet er. „Das schwöre ich bei meinen Kindern“, sagt der 42-Jährige.

Vor einem Wohnhaus eskalierte die Situation

Zeugen - darunter der verletzte Polizeibeamte - erzählen etwas anderes. Die Beamten seien an diesem Tag zu einem Einkaufsmarkt in der Merseburger Straße in Weißenfels gerufen worden. Dort soll eine Gruppe von Personen - darunter der Angeklagte - auf dem Parkplatz Alkohol getrunken haben. Als die Beamten eintrafen, entfernte sich der 42-Jährige von dem Parkplatz - beschimpfte dabei aber die Polizisten lautstark. In der umliegenden Weinbergstraße soll es dann zu einer verbalen Auseinandersetzung mehrerer Personen gekommen sein, zu der die beiden Beamten gingen, nachdem sie die Situation auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes geklärt hatten.

Der Angeklagte sei zu dieser zweiten Auseinandersetzung dazugekommen, habe die Beamten weiter angeschrien und sei - trotz mehrfacher Aufforderungen - nicht fortgegangen. Daraufhin schob der 36-jährige Polizist den Angeklagten weg. Vor einem Wohnhaus eskalierte die Situation. Laut dem Beamten drehte sich der Angeklagte um und griff mit der Hand an den Hals des Polizisten. Es entstand ein Handgemenge, der Angeklagte wurde zu Fall gebracht.

Alkohol im Spiel

Auf dem Boden liegend schlug dieser um sich und traf dabei mit der Faust den Beamten am Kinn. Mit Hilfe seiner Kollegin und eines Bürgers schaffte es der Polizist dann, den Angeklagten zu fixieren. Der Bürger, ein 50-jähriger Weißenfelser, kam zufällig vorbei und sah, dass die Beamten Probleme hatten, den Angeklagten ruhigzustellen. „Es schien, als wären sie überfordert und nicht Herr der Lage“, erzählt der Mann dem Gericht. Danach wurde der Angeklagte in eine Psychiatrie eingewiesen. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von 2,5 Promille. Der 42-Jährige selbst gibt vor Gericht an, an dem Tag etwa vier bis fünf Flaschen Bier getrunken zu haben.

Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und die Körperverletzung gegen den Polizisten sind aber nicht die einzigen Delikte, wegen denen sich der Mann vor Gericht verantworten muss. Laut Anklage soll er an Heiligabend 2019 einen Bekannten vor einem Döner-Imbiss in der Weißenfelser Neustadt ebenfalls mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Geschädigte erlitt dabei Verletzungen an der Augenhöhle, zudem wurde seine Brille beschädigt. Auch hier bestreitet der Angeklagte die Tat. Der Bekannte habe ihn zuvor rassistisch beleidigt und gegen ein Fenster gedrückt. „Er hat mich ohne Grund angegriffen“, erzählt der 42-Jährige. Geschlagen habe er seinen Bekannten nicht. „Sonst wäre seine Brille richtig kaputt gegangen“, sagt er in einem fast schon drohenden Ton.

Der Geschädigte, ein Deutscher, streitet die rassistische Beleidigung ab. Es sei der Angeklagte gewesen, der ihn auf der Straße ohne Grund anpöbelte und immer wieder gesagt haben soll: „Ich hau dich.“ Das habe der 42-Jährige dann auch getan - mit der Faust ins Gesicht. „Mein Auge hat geblutet. Ich hätte nie gedacht, dass er das macht, wir haben uns vorher immer gut verstanden“, erzählt der 50-Jährige.

Der Prozess wird am Montag, dem 10. Mai fortgesetzt. (mz)