Schlossfest in Weißenfels

Schlossfest in Weißenfels: Warum beim Festumzug eine wichtige Person fehlen könnte

Weißenfels - Weißenfels bereitet den traditionellen Umzug im August vor.

Von Andreas Richter 13.07.2018, 05:00

Eine Frage treibt in diesen Sommertagen die Stadt um: Wer gibt beim Weißenfelser Schlossfestumzug im August den Heinrich Schütz? Viele Jahre lang war das überhaupt kein Problem. Johannes Kreis, der ehemalige Weißenfelser Landrat, und der Barockkomponist, der einst seinen Alterssitz in Weißenfels hatte, waren 15 Jahre lang praktisch zu einer Figur verschmolzen.

Ob beim alljährlichen Wandelkonzert zum Schütz-Musikfest im Herbst oder beim Festumzug im Sommer. Doch im vergangenen Jahr die Ernüchterung: Johannes Kreis, heute mittlerweile 79 Jahre alt, gab seinen Abschied von Schütz bekannt.

Seitdem ist guter Rat teuer. Muss Weißenfels beim historischen Festumzug zum Schloss am 26. August jetzt sogar ohne seinen großen Sohn auskommen? Fast sieht es so aus. Denn bis jetzt hat Gudrun Schulze, seit Jahren rührige Organisatorin des Fest-umzuges, noch niemanden gefunden, der in die großen Fußstapfen von Johannes Kreis treten will.

„Heinrich Schütz und Johannes Kreis - das war doch praktisch eins“

„Ich hab’ die Hoffnung noch nicht aufgegeben, bin weiter auf der Suche“, sagt die Weißenfelserin, die über Jahre hinweg ein enges Netzwerk an Partnern gesponnen hat. Vielleicht findet sich ja jemand im Goethegymnasium, an dem die Schule am 9. August wieder beginnt?

Für Maik Richter, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Heinrich-Schütz-Haus, ist eine Umzugs-Pause für den guten alten Schütz jedoch kein allzu großes Problem. „Heinrich Schütz und Johannes Kreis - das war doch praktisch eins“, sagt Richter, der seit April dieses Jahres den Hut in der Musikergedenkstätte auf hat.

Deshalb sollte man dem Schütz jetzt ruhig mal zwei, drei Jahre lang eine Pause gönnen. Allzu lang soll diese dann aber doch nicht werden. Immerhin jährt sich im Jahr 2022 der Todestag des Komponisten zum 350. Mal. „Spätestens dann soll Schütz wieder zum Anfassen sein“, verspricht Richter. Und bis dahin gebe es ja noch die Gedenkstätte für den Musiker in der Nikolaistraße. „Bei uns ist Schütz omnipräsent“, macht Richter neugierig auf das Haus mit seinem besonderen Ort, dem Komponierstübchen unterm Dach.

800 Teilnehmer beim Umzug zum Schlossfest

Doch nun steht erst mal der Umzug vor der Tür, bei dem mehr als 800 Teilnehmer die mehr als 825-jährige Geschichte Stadt darstellen werden. Vielleicht schlüpft Maik Richter ja im August selbst in die Schütz-Rolle? Nein, da schüttelt der promovierte Musikwissenschaftler aus Halle energisch den Kopf.

„Für mich ist das wirklich nichts“, gibt er unumwunden zu. Für das traditionelle Wandelkonzert bei den Heinrich-Schütz-Musiktagen im Oktober hat er allerdings schon eine Idee. „Ich werde als wandelndes Programmbuch auftreten“, kündigt er schon mal an.

Aufmerksam verfolgt indes Rentner Johannes Kreis die eher schwierige Suche nach seinem Nachfolger. „Den Spitzbart hab’ ich bei mir zu Hause“, verrät der ehemalige Vorsitzende des Weißenfelser Musikvereins „Heinrich Schütz“. Und nicht nur das. Ein Vereinsmitglied hatte ihm vor 15 Jahren das Schütz-Gewand auf den Leib geschneidert. Schwarze Strümpfe, Schnallen für die Schuhe - alles liegt griffbereit für seinen Nachfolger.

Wer Interesse an der Schütz-Rolle hat, kann sich bei der MZ melden unter redaktion.weissenfels@dumont.de. (mz)