Schloss Neu-Augustusburg

Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels: Wie die Sicherung des Barockbaus jetzt weitergehen soll

Weißenfels - Das Weißenfelser Schloss Neu-Augustusburg ist seit Jahrzehnten ein Sanierungsfall. Wie die Sicherung des Barockbaus jetzt weitergehen soll.

Von andreas richter 31.01.2017, 06:00

Die Bauarbeiten im Weißenfelser Schloss Neu-Augustusburg sollen in diesem Jahr weiter vorangehen. Rund eine halbe Million Euro will die Stadt investiert werden, um die statische Sicherung des südlichen Teils des Westflügels abzuschließen. Bereits in den vergangenen beiden Jahren waren in dem riesigen Bauwerk tragende Wände stabilisiert und Mauerwerk ausgetauscht worden.

Während eines Rundgangs durch die bis zu sechs Meter hohen Räume nimmt Peter Zimmermann den Weg durch ein Labyrinth aus Holzbalken. Es riecht modrig, daumendick liegt der Staub. „Die Balken fangen die Last des darüber liegenden Gewölbes auf“, erklärt der Mitarbeiter der Stadt. Er steht in jenem Teil des südlichen Westflügels, in dem in diesem Jahr die Bauarbeiten zur Sanierung des gigantischen Barockbaus fortgesetzt werden sollen.

Land stellt Fördermittel für die statische Sicherung von Neu-Augustusburg bereit

Eine entscheidende Weiche dafür war schon Ende letzten Jahres gestellt worden. Da erhielt die Stadt die Bestätigung, dass das Land auch 2017 Fördermittel für die statische Sicherung von Neu-Augustusburg bereitstellt. In diesen Wochen läuft die Ausschreibung für die Arbeiten, die voraussichtlich im Mai beginnen sollen. Dann sollen unter anderem weitere tragende Wände ausgebessert und stabilisiert werden. Peter Zimmermann zeigt auf eine der 1,20 Meter dicken Wände, einen „Flickenteppich“ aus Steinen verschiedener Epochen. „Das Schloss hat im Laufe seiner Geschichte viele Umbauphasen erlebt. Das hat der Stabilität des Bauwerks erheblich geschadet“, schätzt der Fachmann von der Stadt ein.

Im ersten Obergeschoss des Flügels sollen nach Ende dieses Bauabschnitts alle Holzbalkendecken durch Ziegeldecken ersetzt sein. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird der „Holzbalken-Wald“ zur Stabilisierung des Gewölbes wieder zurückgebaut. Und schließlich ist da noch ein Gemälde an der Gewölbedecke, das 2015 entdeckt wurde. Dabei handelt es sich laut Zimmermann um die überarbeitete Fassung einer Deckenbemalung von 1920. In diesem Jahr soll die Bemalung weiter freigelegt werden.

Bauleute sollen zunächst dafür sorgen, dass die Substanz des Barockschlosses in Weißenfels nicht weiter geschädigt wird

„Wir gehen nur den allerersten Schritt auf dem Weg zu einer späteren Nutzung der Räumlichkeiten“, ordnet der Mann von der Stadt die in diesem Jahr geplanten Bauarbeiten ein. Die Bauleute sollen zunächst dafür sorgen, dass die Substanz des Barockschlosses nicht weiter geschädigt wird.

Neu-Augustusburg war von 1680 bis 1746 Residenz des sächsischen Herzogs von Sachsen-Weißenfels. Ab 1815 gehörte es zu Preußen und wurde zur Kaserne umgebaut. Bis 1920 wurde es als Unteroffiziersschule, dann von der Polizei genutzt. 1933 diente das Schloss als Sammellager für politische Häftlinge, nach 1945 zeitweise als Flüchtlingsunterkunft. Nach der Wende 1989/90 hat die Stadt das Bauwerk für den symbolischen Preis von einer Mark übernommen. (ari)

Das in kommunalem Eigentum befindliche Barockschloss ist seit Jahrzehnten ein Schwerpunkt der Stadtsanierung in Weißenfels. Seit dem Jahr 1991 wurden nach Angaben der Kommune bisher rund 9,4 Millionen Euro in das Gebäude gesteckt. In den nächsten Jahren soll weiterhin jeweils mindestens eine halbe Million Euro investiert werden, um den gewaltigen Bau nachhaltig zu sichern. Mittlerweile ist die Fassade der Anlage zur Hälfte saniert. Im Nordflügel ist das städtische Museum untergebracht. Mittelfristig soll eine neu konzipierte Dauerausstellung im westlichen Flügel zu sehen sein. Doch derzeit fehlen für einen Umzug des Museums die baulichen Voraussetzungen. Für andere leerstehende Bereiche der barocken Schlossanlage gibt es derzeit keine konkreten Vorstellungen darüber, wie sie einmal genutzt werden sollen. (mz)