Sanierung Rathaus

Sanierung Rathaus: Wie es auf der Baustelle weitergeht

Weißenfels - Das barocke Rathaus am Weißenfelser Markt wird bis Mitte nächsten Jahres mit Fördermitteln saniert. Wie die Bauarbeiten voranschreiten.

Von Andreas Richter 12.03.2018, 09:21

Die bunten Füllhörner über der Tür sind noch gut zu erkennen. Ein wenig drängt sich beim Blick auf den Eingang zum Ratssaal im Weißenfelser Rathaus der Bezug zur Gegenwart auf. Zum Hier und Heute, in dem die Stadt gerade darum kämpft ihr Haushaltsloch zu schließen.

Die gute Nachricht: Im ehrwürdigen Gebäude am Markt geht in diesen Tagen die Sanierung voran. Der historische Ratssaal in der ersten Etage mit seiner Kunst über dem Eingang ist ebenso Teil einer großen Baustelle wie jene Räume, in denen früher der Oberbürgermeister und sein Sekretariat zu finden waren. Wo einst die Räte Weichen für ihre Stadt stellten, liegt jetzt noch der Staub daumendick auf den historischen Details.

Rathaus Weißenfels: Historischer Saal soll das Aussehen des Jahres 1895 erhalten

Nach einem speziellen Gestaltungskonzept soll der historische Saal, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, am Ende im Wesentlichen wieder das Aussehen des Jahres 1895 erhalten. Jana Kronshage-Ludwig, bei der Stadt verantwortlich für das Millionenprojekt Rathaus, verweist auf die Stuckdecke im kleinen Ratssaal. Als die Räte hier tagten, war sie abgehangen, wurde später freigelegt und soll nun im Zuge der aktuellen Bauarbeiten erhalten werden.

Überall hat der Zahn der Zeit an dem Haus genagt, das seit mittlerweile fünf Jahren leer steht. Fachleute hatten damals erhebliche Schäden an der Bausubstanz festgestellt. Schädlinge hatten über lange Zeit hinweg dem Holz zugesetzt. Bis Herbst 2015 hatte man zunächst Dach und Dachgeschoss saniert. Zwischenzeitlich musste sogar der Turm abgetragen werden, weil auch dessen Tragwerk betroffen war.

Sanierung Rathaus Weißenfels: Zwei Millionen Euro aus dem Investitionsförderprogramm Stark V

Nun geht es in der ersten und zweiten Etage weiter. Schon im April vergangenen Jahres hatte die Stadt knapp zwei Millionen Euro aus dem Investitionsförderprogramm Stark V für die Rathaussanierung erhalten, 90 Prozent davon kommen vom Bund. Den Rest zahlt das Land. Zwischen den Etagen liegen an vielen Stellen marode hölzerne Deckenbalken frei. Nachdem Holzschutzgutachter deren Zustand bewertet haben, werden die Balken nun von den Zimmerleuten saniert, mit Metall stabilisiert, zu großen Teilen ausgetauscht. Wände werden neu verputzt, später kommt neuer Fußboden rein. Eine komplette Innensanierung eben, einschließlich Erneuerung der technischen Anlagen.

Während die Fördermittel in die oberen Etagen fließen, steckt die Stadt selbst Geld in das Erdgeschoss. Schon vor knapp einem Jahr hat hier die Entkernung begonnen. Ehe ein neuer Fußboden eingezogen wird, waren die Archäologen vor Ort, um neue Aufschlüsse über die Geschichte des Barockbaus zu erhalten. Nun gräbt in diesen Tagen dort, wo einst die Poststelle des Rathauses zu finden war, ein kleiner Bagger auf engstem Raum die Erde auf. Mit solider Handarbeit, mittels Schubkarre, wird ein Teil davon abgefahren. „Wir bringen den Boden auf ein bestimmtes Niveau, später kommt ein neuer Fußboden einschließlich Dämmung und Heizung rein“, erklärt Jana Kronshage-Ludwig.

Sanierung Rathaus Weißenfels: Planer, Handwerker, Restauratoren

An der Treppe zu den oberen Etagen gibt ein Ausschnitt in der Wand den Blick auf historisches Mauerwerk frei. Neben den verschiedenen Gewerken finden im Rathaus auch Restauratoren und Bauhistoriker ihr Betätigungsfeld. Sie untersuchen die unterschiedlichen Bauschichten und dokumentieren die Ergebnisse für die Nachwelt.

Planer, Handwerker, Restauratoren - alle haben sie in den nächsten Monaten noch jede Menge zu tun in den ehrwürdigen Mauern am Weißenfelser Markt. Mitte nächsten Jahres, so hofft Kronshage-Ludwig, sollen die umfangreichen Bauarbeiten im Rathaus abgeschlossen sein.

Dann könnten bis zum Jahresende nach und nach jene Bereiche der Stadtverwaltung, die zurzeit im Fürstenhaus in der Leipziger Straße zu finden sind, wieder in den sanierten Barockbau umziehen. Darunter auch Oberbürgermeister Robby Risch, der fast auf den Tag genau vor fünf Jahren seinen „Stammsitz“ verlassen musste, weil der Zahn der Zeit allzu sehr daran genagt hatte. Bis zum Jahr 2022 ist Risch gewählt. Da stehen die Chancen so schlecht nicht, dass er das Ende seiner Amtsperiode dort erlebt, wo er seine Zeit als OB einst begonnen hat. (mz)