Riesenschuh auf dem Kreisel?

Riesenschuh auf dem Kreisel?: Neue Ideen fürs Weißenfelser Museum

Weißenfels - Wer mehr Leute ins Museum locken will, der muss auch mal raus aus dem Museum. Was auf den ersten Blick paradox klingen mag, ist Kerngedanke eines Projekts, mit dem sich die Stadt Weißenfels um Geld aus dem Programm „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes ...

Von Andreas Richter 29.04.2016, 08:54

Wer mehr Leute ins Museum locken will, der muss auch mal raus aus dem Museum. Was auf den ersten Blick paradox klingen mag, ist Kerngedanke eines Projekts, mit dem sich die Stadt Weißenfels um Geld aus dem Programm „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes bewirbt.

Unter dem Motto „Ohne Schuhe läuft nichts“ hat sich Weißenfels auf die Suche nach Ideen gemacht, um das Museum mit seinen Dauerausstellungen zur Herzogszeit und zur Geschichte der Schuhe und der Schuhindustrie stärker in das Blickfeld der Bürger zu rücken. „Wir arbeiten seit einem halben Jahr an einem Konzept. Jetzt sind wir guter Dinge, dass wir bei der Förderung berücksichtigt werden“, sagt Kulturamtsleiter Robert Brückner. Immerhin können bis zu 150 000 Euro fließen. Im Mai soll die Entscheidung über die Vergabe der Fördermittel fallen.

An Zeit der Schuhstadt Weißenfels erinnern

Ideen haben die Weißenfelser jedenfalls einige. „Wir denken zum Beispiel an eine Symbolspur entlang historischer Orte der ehemaligen Schuhindustrie“, erzählt Antje Riewe-Bez, die das Projekt beim städtischen Kulturamt betreut. Immerhin gebe es in der Stadt eine Vielzahl solcher, heute teils verlassener Stätten, die an die Zeit der Schuhstadt Weißenfels erinnern. Gut vorstellen kann sich Riewe-Bez eine Modenschau mit originalen Sporttrikotagen ehemaliger Weißenfelser Sportler.

Doch damit nicht genug: Geocaching, jene immer mehr in Mode kommende elektronische Schatzsuche, gehört ebenso zum Ideenpool, mit dem die Weißenfelser die Fördermittelgeber bei der Kulturstiftung überzeugen wollen. Oder scheinbar recht einfache Dinge: Warum zum Beispiel nicht mit einem überdimensionalen Schuh in der Mitte einer der Kreisel auf die Tradition der Stadt aufmerksam machen? Oder mit einem gestalteten Schaufenster auf dem Fußgängerboulevard?

Die Kulturstiftung des Bundes hat einen Fonds in Höhe von bis zu 3,85 Millionen Euro für die Jahre 2015 bis 2018 eingerichtet. Er richtet sich an Museen in Kommunen mit bis zu 250 000 Einwohnern. Gefördert werden kulturelle Vorhaben, die auf eine Öffnung des Museums nach außen gerichtet sind. Das grundlegende Ziel besteht darin, die Identifikation der Einwohner mit ihrem Museum zu stärken. Die Fördersumme kann bis zu 150 000 Euro betragen. Der Eigenanteil der Kommune beläuft sich auf zehn Prozent. Die Förderung ist unter anderem daran gebunden, dass die Initiatoren neue Partner einbeziehen, die bislang noch nicht über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Museum zusammengearbeitet haben.  (ari)

Kern des Weißenfelser Projekts ist eine Sonderausstellung zum Thema Schuhe und Stadtgeschichte mit den Schwerpunkten Sport und Integration, die im Frühjahr 2018 eröffnet werden soll. „Das Förderprogramm ist auch deshalb sehr reizvoll, weil es über zwei Jahre läuft und die Übernahme von Personalkosten für die Projektleitung beinhaltet“, sagt Museumsleiter Martin Schmager. Kommt Weißenfels in den Genuss der Förderung, so könnte die aufwendige Vorbereitung der Sonderausstellung personell abgesichert werden.

Eine wichtige Voraussetzung für den Empfang von Fördergeld haben die Weißenfelser schon mal erfüllt. Um das Projekt auf eine breite Grundlage zu stellen, haben sich die Initiatoren zudem als Netzwerker betätigt. Zu den neuen Partnern, die für eine Unterstützung des Projekts „Ohne Schuhe läuft nichts“ gewonnen werden konnten, gehören der Mitteldeutsche Basketball Club ebenso wie der Unihockeyclub Sparkasse, der Stadtmarketingverein, der Gästeführerverein und andere. „Wichtig war, dass wir neue Partner gefunden haben“, betont Robert Brückner. Gemeinsam hoffen sie nun auf positive Signale von der Kulturstiftung. (mz)