Raubtiersichtungen

Raubtiersichtungen: Ist der Wolf zurück in der Region?

Weissenfels - Der Weißenfelser Stadtjäger Armin Deubel ist sicher, dass es das Raubtier im Burgenlandkreis gibt.

Von Meike Ruppe-Schmidt 04.04.2019, 05:00

In Grimms Märchen kommt er nicht gut weg. Da frisst er kleine Geißlein und macht nicht mal vor Großmüttern halt. Kein Wunder, dass er „böser Wolf“ heißt. Jahrhundertelang wurde er deshalb gejagt, war hierzulande von der Bildfläche verschwunden. Jetzt ist er wieder da. Insgesamt 92 Wölfe zählte das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) in Sachsen-Anhalt für den Zeitraum 2017/2018. „Im Burgenlandkreis konnte bisher kein Tier nachgewiesen werden“, sagt jetzt WZI-Mitarbeiter Andreas Berbig auf MZ-Anfrage.

Wolf oder Hund?

Dass das Raubtier längst im Raum Weißenfels unterwegs ist, dessen ist sich der Weißenfelser Stadtjäger Armin Deubel jedoch sicher. „Im letzten Juni habe ich in der Nähe vom Langendorfer Weißenholz ein großes Tier gesehen, bei dem es sich um einen Hund oder Wolf handelte“, erzählt er. „Als ich mich der Stelle näherte, fand ich einen Rehriss im Feld.“ Deubel ließ daraufhin eine Haarprobe untersuchen. „Mir wurde nur mitgeteilt, dass es sich wahrscheinlich um einen Kaniden handelt, also ein hundeartiges Raubtier.“

Eine Weißenfelserin meldete zudem letzten Sommer in einer Gartenanlage eine Wolfssichtung (MZ berichtete). „Dass es sich bei solchen Sichtungen tatsächlich um Wölfe handelt, lässt sich natürlich schlecht nachweisen“, erklärt Deubel. „Aber ich beobachte seit geraumer Zeit, dass sich das Verhalten des Rotwildes hier geändert hat. Es ist wachsamer geworden, hat seine Fluchttaktik geändert. Ich denke, die Ursache dafür ist der Wolf.“

Tierhalter im Burgenlandkreis sorgen sich

Und das sorgt bei vielen Tierhaltern für Angst und Schrecken. In Dessau riss ein Wolf im Oktober eine ganze Schaffherde. Und erst vor wenigen Tagen hat ein Wolf im thüringischen Ohrdruf ein Fohlen angegriffen. Auch im Burgenlandkreis sorgen sich viele Tierhalter um ihre Nutztiere. Einer von ihnen ist Hobbyzüchter Christian Walther aus Langendorf. „Ich nutze für meine Schafe 1,10 Meter hohe Elektrozäune“, sagt er.

Seine Befürchtung: „Die sind für Wölfe kein Hindernis. Denn die Tiere springen notfalls drüber.“ Die Folgen will er sich kaum ausmalen. „Auch wenn es vielleicht eine finanzielle Entschädigung gibt - den Zuchtschaden, der durch den Verlust der Tiere entsteht, kann mir niemand ersetzen - und erst recht nicht den seelischen Schaden.“ Deshalb sei er nicht begeistert darüber, dass sich Wölfe hierzulande unbegrenzt ausbreiten.

Wolf unter Naturschutz

Laut EU-Richtlinien steht das Tier seit 2000 in Europa unter Naturschutz. Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum: „Von Polen her kommend hat sich der Wolf auch bei uns ausgebreitet. Wir gehen davon aus, dass die Population noch weiter steigt. Deshalb halten wir Tierhalter dazu an, ihre Umzäunungen wolfssicher zu machen.“

Das jedoch gestalte sich in der Praxis schwierig. „Zum einen ist der finanzielle Aufwand nicht zu stemmen“, so Hobbyzüchter Walther. „Zum anderen sind zwei Meter hohe Steckzäune auch viel schlechter zu transportieren.“ Dass die Fördermöglichkeiten diesbezüglich ausbaufähig sind, räumt auch Berbig vom WZI ein. „Uns ist bewusst, dass dies mit Aufwand und Kosten verbunden ist. Trotzdem müssen wir mit dem Wolf hierzulande leben.“

Ruhe bewahren

Stadtjäger Deubel sieht sich deshalb in der Pflicht, die Bürger aufzuklären: „Die Menschen müssen sich darauf einstellen, dass sie im Wald nicht mehr allein sind.“ Momentan fehle den Tieren noch die Deckung. „Aber wenn im Sommer Raps und Mais stehen, dann reicht ihnen das als Schutz aus.“ Sollte es tatsächlich zur Begegnung mit einem Wolf kommen, dann rät Berbig dazu, Ruhe zu bewahren.

„Wird man bedroht, dann hilft es, laut zu schreien, zu klatschen oder eine Trillerpfeife zu benutzen. Dass sich der Wolf auch dauerhaft von Nutztieren fernhalten lässt, das bezweifelt Hobbyzüchter Walther: „Erst vor kurzem habe ich Fotos von Freunden aus dem Erzgebirge gesehen. Darauf tummelt sich ein Wolfsrudel direkt am Ortsrand. Solange sie nicht gejagt werden, haben die Tiere keine Angst vorm Menschen.“ (mz)