Rathaus in Frauenhand?

Rathaus in Frauenhand?: Weshalb von Gleichberechtigung keine Rede sein kann

Weißenfels - Knapp zwei Drittel der Angestellten der Stadt Weißenfels sind weiblich. Weshalb von Gleichberechtigung dennoch keine Rede sein kann.

Von Tatina Trakis 06.12.2017, 09:00

An Frauen fehlt es in der Weißenfelser Stadtverwaltung nicht. Doch ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt: Die Führungsetage der Stadt ist männlich dominiert. Die fünf Fachbereiche, die Bürgermeister Robby Risch (parteilos) unterstellt sind, werden alle von Männern geleitet.

Wo sind also all die Frauen abgeblieben? Denn insgesamt arbeiten für die Stadt Weißenfels 573 Angestellte, wovon allein 384 Frauen sind. Einzig der Eigenbetrieb Sport und Freizeit, der zwar auf der einen Seite zur Stadt gehört, auf der anderen Seite aber auch einen selbstständigen Arbeitgeber darstellt, wird mit Viola Schikorr von einer Frau geleitet. Erst in der dritten Hierarchie-Ebene sehen die Zahlen anders aus: Denn 20 von den insgesamt 28 Abteilungen oder Ämtern in der Verwaltung würden von Frauen geleitet werden, so Katharina Vokoun, Pressesprecherin der Stadt Weißenfels.

Von 257 Teilzeitstellen bei der Stadt sind 216 mit Frauen besetzt

Auffällig ist: Von 257 Teilzeitstellen bei der Stadt und dem Eigenbetrieb sind 216 mit Frauen besetzt. Im Vergleich arbeiten nur 41 Männer in Teilzeit.

Schaut man auf die Kreisstadt Naumburg, sieht das ähnlich aus. Auch hier liegt die Teilzeitarbeit zu einem großen Teil in den Händen der Frauen. Dort arbeiten 28 Prozent der Beschäftigten in einem Teilzeitverhältnis. Nur fünf Prozent der Teilzeitstellen sind mit Männern besetzt. Martin Jähn, zuständig für das Personal bei der Stadt Naumburg, schreibt: „Dies liegt daran, dass die Stellen der Erzieherinnen und Erzieher überwiegend Teilzeitstellen sind.“

Teilzeitarbeit wird oft als Karrierebremse betrachtet

Das Modell von verkürzten Arbeitszeiten wird immer wieder als Möglichkeit präsentiert, die Familie und den Beruf besser vereinbar zu machen. Das Problem: Teilzeitarbeit wird oft als Karrierebremse betrachtet, so auch das Fazit von Yvonne Lott in einem Forschungsreport für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung aus dem Januar dieses Jahres. Teilzeitkräfte würden seltener in Führungspositionen arbeiten und hätten weniger Fortentwicklungsmöglichkeiten, so der Bericht.

Dennoch seien in Naumburg 72 Prozent des Leitungspersonals weiblich, schreibt Jähn. Zum Vergleich: In der Domstadt werden zwei von drei Fachbereichen - das ist die zweite Führungsebene - von Frauen geleitet. In Zeitz verfüge man in allen Bereichen über einen hohen bis sehr hohen Frauenanteil, so Stadtsprecherin Susanne Janicke. Von 32 Mitarbeitern in Leitungsfunktionen seien 21 weiblich. „Eine explizite Frauenquote wie in anderen Unternehmen, in denen Frauen besonders unterrepräsentiert sind, ist hier also nicht erforderlich“, schreibt Janicke.

Führungspositionen in Weißenfels in Männerhand

Und in Weißenfels? Denn immerhin sind hier die Führungspositionen in Männerhand. Braucht es die Frauenquote für die Stadtverwaltung? Katharina Vokoun , Pressesprecherin der Stadt , sagt: „Die Frauenquote ist bei der Besetzung von Stellen immer wieder ein Thema. Letztendlich entscheidet aber die Qualifikation über die Einstellung.“

Im Weißenfelser Stadtrat sitzen inklusive Oberbürgermeister Risch 41 Mitglieder. Nur ein Viertel davon sind aber Frauen. Unter den 16 sachkundigen Einwohnern, die in den Ausschüssen mitarbeiten, sind laut Stadtratsbüro drei Frauen. (mz)