Projekt Trommelfabrik

Projekt Trommelfabrik: Seit Monaten Stillstand auf der Großbaustelle an der Saale

Weißenfels - Auf der Großbaustelle an der Saale hat sich seit Herbst nicht mehr viel getan. Der Generalunternehmer tut sich offenbar mit den Formalien schwer.

Von Alexander Kempf 02.07.2018, 10:00

Jalal Doghaim hört und schaut nicht gerne Nachrichten. Dem libyschen Bauunternehmer ist oft zu negativ, was Radio und Fernsehen senden. Er vermisst, so sagt er, positive Botschaften. Die Menschen bräuchten Dinge, an denen sie sich erfreuen können. Gute Nachrichten. Gerade in Weißenfels.

In der Saalestadt haben Jalal Doghaim und der libysche Investor Refat Hadaga, der in Kanada lebt, vor zwei Jahren vielen Menschen Hoffnungen gemacht. Damals kündigen sie an, die ehemalige Badanlage an der Saale zu sanieren. Ein Kulturzentrum soll entstehen mit Wellnessbereich. Eine kleine Oase. Es ist eine gute Nachricht, ganz nach dem Geschmack von Jalal Doghaim also.

Tatsächlich könnte das gewaltige Gebäude am Saaleufer eines der schönsten in Weißenfels sein. Wenn denn die ambitionierten Pläne von Refat Hadaga Wirklichkeit werden. Zuletzt aber gab es keine guten Nachrichten von der Baustelle. Seit Monaten herrscht dort Stillstand. Und die Weißenfelser Stadtverwaltung erklärte jüngst warum. Das Bauamt hat dem Projekt einen Riegel vorgeschoben, da verlangte Unterlagen nicht eingereicht worden sind. Ein Baustopp ist die Konsequenz und plötzlich die Rede von einem „Schwarzbau“.

Dass sich Jalal Doghaim über diese Schlagzeile nicht gefreut hat, kann kaum überraschen. Er verwahrt sich gegen die Darstellung, dass auf der Baustelle ohne Genehmigung weiter gebaut wurde. Für jeden Abriss, so sagt er, habe er auch eine entsprechende Genehmigung eingeholt. Aktuell fehle ihm noch eine, um das Thema Abbruch endlich zu den Akten legen zu können. Bis Ende vergangener Woche wollte er die geforderten Unterlagen eigentlich bei den Behörden einreichen. Gibt es also schon bald wieder gute Nachrichten?

Der Generalunternehmer macht kein Geheimnis daraus, dass er mit dem Fortschritt auf seiner Baustelle bisher nicht zufrieden ist. Schon die Suche nach einem Restaurator habe acht Monate und damit viel länger als erwartet gedauert. Auch gebe es zu wenige historische Fotos, die den ursprünglichen Saal des Gebäudes zeigen, den Investor und Generalunternehmer so gerne wiederaufleben lassen möchten.

Das Gebäude nahe der Saale ist im Jahr 1824 als barocke Badeanlage eröffnet worden. Das Ziel war es, Weißenfels als einen Kurort zu etablieren. Die dafür notwendigen Kurgäste blieben aber weitgehend aus.

Darum baute der Weißenfelser Brauereiunternehmer Gürth das Haus 1890 zu einer Gaststätte mit stattlichem Saal um. Im ersten Weltkrieg wurde sie als Lazarett genutzt. Ab 1920 fertigte schließlich Sonor Trommeln in dem Gebäude an, nachdem es in der eigentlichen Trommelfabrik in der Leipziger Straße gebrannt hatte.

Mittlerweile will Jalal Doghaim alle Unterlagen für den Denkmalschutz beisammen haben. Die Dokumentation füllt mehrere Ordner. Er zeigt stolz Muster für Farben, Ornamente, Stuck und Fenster.

Investor Refat Hadaga selbst habe viel Zeit in Recherchen zu dem Gebäude gesteckt. „Der Eigentümer ist verliebt in das Haus“, sagt sein Generalunternehmer. Trotzdem könnten sich die Pläne noch mal ändern. Erstmals ist die Rede von einem möglichen betreuten Wohnen in den Badanlagen. Das Vorhaben, sagt Jalal Doghaim, müsse sich schließlich auch finanziell rentieren. Der Eigentümer lasse sich diesbezüglich gerade beraten.

Bisher nur Abriss von zwei Stahlbetondecken genehmigt

Es ist anzunehmen, dass die geplante Nutzung des Gebäudes sich auch in den Bauplänen niederschlagen wird. Auf die wartet das Baumamt aber noch. Bis Ende vergangener Woche lagen sie nicht vor. Konkret fehlen ein Antrag auf Baugenehmigung und eine denkmalrechtliche Genehmigung, erklärt Stadtsprecherin Katharina Vokoun: „Das heißt er muss schriftlich das Bauvorhaben konkret bezeichnen und alle geplanten baulichen Maßnahmen auflisten.“

Bisher wurde nur der Abriss von zwei Stahlbetondecken genehmigt. Der sei auch erfolgt. Das Weißenfelser Bauamt versteht sich selbst nicht als Verhinderer des Projekts. Sollten die verlangten Anträge eingehen, hätte deren Bearbeitung sogar eine recht hohe Priorität, versichert die Stadtsprecherin. Aber ohne Anträge könne eben nicht weitergebaut werden.

Antrag für Fällung Bäumen war unvollständig

Dass sich der libysche Generalunternehmer mit den deutschen Formalien schon mal schwer tut, belegt ein gegen ihn verhängtes Bußgeld, nachdem auf dem Grundstück unrechtmäßig Gehölze entfernt wurden. Einen dreistelligen Betrag soll ihn das laut der Unteren Naturschutzbehörde gekostet haben. Er selbst sprach gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung noch von einem fünfstelligen Betrag.

Außerdem würde Jalal Doghaim gerne drei weitere Bäume auf dem Gelände fällen lassen, erzählt er. Nicht ohne Ausgleichsmaßnahme, wie er anbietet. „Wir haben kein Problem, dafür woanders hundert Bäume in Weißenfels zu pflanzen. Aber ich komme nicht weiter“, sagt er.

Offiziell hat er bereits am 8. November 2017 die Fällung von acht Bäumen beantragt. Laut der Unteren Naturschutzbehörde sei der Antrag aber unvollständig gewesen. Offen blieb etwa, warum die Fällungen unausweichlich sein sollen. Auch zu geplanten Ausgleichspflanzungen seien keine Aussagen getroffen worden.

Der Antrag wurde schließlich im Januar abgelehnt. Seither habe es keine Kontaktaufnahme mehr gegeben, heißt es. Das sind keine guten Nachrichten. (mz)