Politikum kostenpflichtiger Parkplatz

Politikum kostenpflichtiger Parkplatz: Ist Landratsamt in „Weißenfels nicht gewollt“?

Weißenfels - Mitarbeiter des Landratsamtes wehren sich gegen kostenpflichtige Stellflächen in Weißenfels. Landrat und Stadt suchen nun nach einem Kompromiss.

Von Alexander Kempf 20.06.2019, 05:00

In der Weißenfelser Außenstelle des Landratsamtes scheint die Stimmung dieser Tage angespannt. Landrat Götz Ulrich spricht selbst von „erheblichem Unmut“. Zuletzt sollen ihn Mitarbeiter in Weißenfels sogar aufgefordert haben, den Standort aufzugeben, weil man in „Weißenfels nicht gewollt sei“. Stein des Anstoßes ist, dass die Stadt Weißenfels plant, an der Außenstelle des Landratsamtes gebührenpflichtige Parkflächen einzuführen.

So sieht es ein bereits beschlossenes Parkraumbewirtschaftungskonzept der Stadt vor. Das empfinden mehrere Angestellte des Landkreises offenbar als Schikane. Die Stadt argumentiert hingegen, dass es vor Ort aus verschiedenen Gründen eine Änderung braucht. So werde etwa der Parkplatz am Friedhof derzeit von vielen Berufspendlern blockiert. Dort darf derzeit noch mit Parkscheibe drei Stunden gebührenfrei geparkt werden.

Bewohnerparkzone in Weißenfels: Anwohner sollen von den Veränderungen profitieren

Durch die Berufspendler sei in der Vergangenheit Trauergesellschaften die Chance genommen worden, Autos in Friedhofsnähe abzustellen, berichtet Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Auch hätten die Stadt Beschwerden von Anwohnern erreicht, die am Vormittag und Nachmittag im angrenzenden Wohngebiet keinen Parkplatz fanden.

Die Anwohner sollen von den Veränderungen profitieren. Denn sie würden durch das Einführen einer Bewohnerparkzone von Parkticket oder Parkuhr befreit, kündigt die Stadtsprecherin an. Trotzdem richte sich die Veränderung nicht gegen die Angestellten des Landratsamtes, betont Katharina Vokoun. „Der Behauptung, die Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes seien in Weißenfels nicht willkommen, widersprechen wir vehement“, sagt sie.

Bis September will Weißenfels die Änderungen noch aussetzen

Richtig sei vielmehr, dass die Stadt die Parkgebühren als „Lenkungsinstrument“ begreift. Sie hofft so, mehr Fahrgemeinschaften zu fördern und will auch erreichen, dass mehr Berufspendler auf Bus und Bahn umsteigen. Klares Ziel sei es zudem, die Auslastung des Parkhauses am Georgenberg weiter zu erhöhen, das sich in der Nähe der Außenstelle des Landratsamtes befindet. Rückendeckung gab es dafür auch aus dem Stadtrat. „Die Stadträte unterstützen mit ihrem Beschluss mehrheitlich diese Zielsetzung“, so die Stadtsprecherin.

Bis September will Weißenfels die Änderungen noch aussetzen. Dann entstehen im Gebiet 37 gebührenpflichtige Parkplätze. Weiterhin sollen 28 gebührenfreie Stellflächen auf eine Höchstparkdauer von einer Stunde und 104 gebührenfreie Stellflächen auf eine Höchstparkdauer von zwei Stunden begrenzt werden. Das beunruhigt die zahlreichen Berufspendler. Laut Götz Ulrich arbeiten in Weißenfels 120 Mitarbeiter des Landratsamtes. Ihnen wird er Mittwoch in der Sache erneut Rede und Antwort stehen müssen.

„Es bedarf jedoch erheblicher Anstrengungen, die Situation nicht eskalieren zu lassen“

Der Landrat teilt die Einschätzung nicht, wonach Mitarbeiter in Weißenfels nicht gewollt seien. „Es bedarf jedoch erheblicher Anstrengungen, die Situation nicht eskalieren zu lassen“, sagt er. Immerhin gibt es Lösungsansätze. Die beiden Weißenfelser Großvermieter haben dem Landratsamt schon 27 Parkflächen in Laufnähe gegen Gebühr zur Verfügung gestellt. Außerdem befindet sich der Landkreis in Verhandlungen mit einem privaten Grundstücksbesitzer, um zehn Minuten fußläufig, Stellplätze für alle Mitarbeiter bereitzustellen. (mz)