Politik

Politik: Risch schickt AfD-Mann weg

Weissenfels - Gedenkveranstaltungen in Weißenfels und die Teilnahme des Weißenfelser AfD-Landtagsabgeordneten Marcus Spiegelberg werden offenbar zu einer unendlichen Geschichte.

Von Birger Zentner 27.01.2017, 19:14

Gedenkveranstaltungen in Weißenfels und die Teilnahme des Weißenfelser AfD-Landtagsabgeordneten Marcus Spiegelberg werden offenbar zu einer unendlichen Geschichte. Nachdem Spiegelberg bereits im November aus einer Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in der Nazidiktatur rausgeworfen wurde, gab es einen ähnlichen Vorfall am Freitag.

Oberbürgermeister Robby Risch verwies Marcus Spiegelberg von Veranstaltung

Bei der Gedenkveranstaltung an die Opfer des Faschismus im Stadtpark am Nachmittag wurde Spiegelberg daran gehindert, einen Kranz niederzulegen. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) verwies ihn dann sogar der Veranstaltung.

Was war geschehen? Risch hatte in seiner Ansprache die Teilnahme von Spiegelberg als eine Art Bekenntnis dafür gewertet, dass er sich von Aussagen seiner Parteifreunde distanziere. Bezogen war das vor allem auf die umstrittenen Worte des Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke, der vom Denkmal für die Holocaust-Opfer in Berlin von einem Denkmal der Schande gesprochen hat und eine erinnerungspolitische Wende von 180 Grad gefordert hatte.

Als er dann selbst einen Kranz niederlegen wollte, wurde er von Teilnehmern der Veranstaltung, die offenbar der linken Szene angehören, daran gehindert und erneut aufgefordert, sich von den Äußerungen Höckes zu distanzieren. Da er das nicht tat, ließ man ihn nicht zum Gedenkstein vor.

Risch versuchte Ruhe in die Angelegenheit zu bringen und hat Spiegelberg gebeten, sich zu erklären, damit sein Auftreten nicht als Provokation bewertet wird. Da Spiegelberg nichts sagte, hat Risch in aufgefordert, die Veranstaltung zu verlassen, was der Landtagsabgeordnete schließlich auch zusammen mit Familienangehörigen tat.

Wie Spiegelberg später der MZ sagte, bewerte er das als einen Angriff auf die Demokratie. Es gebe für ihn nichts zu erklären. Der Holocaust sei eine Schande gewesen, nichts anderes habe Höcke mit seinen Worten gemeint, sagte Spiegelberg.

„Wenn sich der Oberbürgermeister mit Rotfaschisten gemeinmacht, dann ist das nur noch ekelerregend“, schimpfte der AfD-Mann schließlich noch. Mit Rotfaschisten meinte er jene Teilnehmer, die ihn an der Kranzniederlegung gehindert haben. Er rückte sie in die Nähe des Weißenfelser Simon-Rau-Zentrums, das sich unter anderem für die Aufarbeitung der jüdischen Schicksale in Weißenfels einsetzt.

Mit dessen Vereinsvorsitzendem Enrico Kabisch hatte er bekanntlich die Auseinandersetzung im November, als der ihn aufgefordert hatte, die Gedenkveranstaltung für die von den Nazis ermordeten Juden zu verlassen. Seitens des Simon-Rau-Zentrums wird die Verbindung allerdings zurückgewiesen. „Ich konnte die Leute nicht zuordnen, sie waren mir völlig unbekannt“, sagte Kabisch gegenüber der MZ.

(mz)