Pogromgedenken in Weißenfels

Pogromgedenken in Weißenfels: Risch entschuldigt sich nicht bei AfD-Politiker

Weissenfels - Der Rauswurf des Weißenfelser AfD-Landtagsabgeordneten Marcus Spiegelberg bei der Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht in der Nazizeit 1938 hatte in dieser Woche noch ein Nachspiel. Der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) hatte Spiegelberg sowie André Poggenburg, AfD-Landeschef und Landtagsfraktionschef, zu einem Gespräch ...

24.11.2016, 13:34

Der Rauswurf des Weißenfelser AfD-Landtagsabgeordneten Marcus Spiegelberg bei der Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht in der Nazizeit 1938 hatte in dieser Woche noch ein Nachspiel. Der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) hatte Spiegelberg sowie André Poggenburg, AfD-Landeschef und Landtagsfraktionschef, zu einem Gespräch eingeladen.

Spiegelberg habe in dem Gespräch deutlich gemacht, dass er keinen Anlass für eine Entschuldigung sehe, sagte Risch auf Nachfrage der MZ. Vor allem nicht, wie sich Spiegelberg nicht von diversen Aussagen in seinem familiären Umfeld distanziere. Poggenburg äußerte sich zu dem Gespräch nicht, obwohl er in einer E-Mail von der MZ darum gebeten wurde.

Rauswurf samt Familie

Spiegelberg war bei der Veranstaltung von Enrico Kabisch vom Simon-Rau-Zentrum als Mitveranstalter aufgefordert worden, samt seiner Familie die Feierstunde zu verlassen. Risch selbst war wegen einer anderen Verpflichtung nicht anwesend gewesen. Poggenburg hatte sich in einer Pressemitteilung über den Rauswurf beklagt. Die AfD sei eine rechtspopulistische Partei, deren Vertreter auf einer solchen Veranstaltung nichts zu suchen hätten, begründete Kabisch sein Vorgehen.

Gleichwohl, so Risch, werde er Spiegelberg auch weiterhin zu gesellschaftlichen Höhepunkten in der Stadt einladen. „Das hat seinen Grund darin, dass ich einerseits das Wahlergebnis respektiere“, sagte der OB. Was nicht gleichzusetzen sei mit dem Gewählten. Andererseits solle auch jeder sehen und begreifen,„wer uns in Magdeburg vertritt“. Insofern hätte er Spiegelberg auch an der Gedenkveranstaltung teilnehmen lassen.

"Der tut doch nichts"

Der Vorgang hatte schon am Rande der Feierstunde verschiedene Reaktionen und Diskussionen ausgelöst. Aber auch danach habe es Anrufe und E-Mails dazu gegeben, sagte Risch. Unter anderem sei in der vorigen Woche eine ältere Dame bei ihm im Büro gewesen und habe gesagt: „Der hätte doch dableiben können, der tut doch nichts.“ Nach den Worten habe die Frau gestutzt und angesichts der Doppeldeutigkeit dieser Aussage lachend das Haus wieder verlassen, berichtete Risch. (mz/ze)