Ohne Barrieren in den Bus

Ohne Barrieren in den Bus: Warum das für Weißenfels eine „Herkulesaufgabe“ wird

Weißenfels - it dem Ausbau von Haltestellen begonnen. Warum sie dafür auch auf klare Signale vom Land hofft.

Von Andreas Richter 23.10.2018, 10:32

Die Stadt Weißenfels steht vor einer großen Herausforderung: Bis Ende 2021 müssen alle Bushaltestellen auf ihrem Gebiet barrierefrei ausgebaut sein. So jedenfalls schreibt es das Personenbeförderungsgesetz den Kommunen vor.

„Das wird für uns eine Herkulesaufgabe“, weiß Mike Arning von der örtlichen Straßenverkehrsbehörde der Stadt. Immerhin geht es um eine Größenordnung von knapp 120 Haltestellen in der Kernstadt und den Ortsteilen und geschätzte Gesamtkosten in Höhe von knapp 1,3 Millionen Euro.

Barrierefreie Bushaltestellen: Hier wird in Weißenfels jetzt schon gebaut

Weil das Ganze nur schrittweise geht, hat sich die Stadt die ersten Haltestellen schon mal vorgenommen. „Spielt das Wetter mit, dann wollen wir die ersten zehn Haltestellen bis zum Jahresende schaffen“, sagt Arning. Ein Beispiel sind die beiden Haltepunkte im Lassalleweg. Abgesenkte Bordsteine, rutschfeste Oberfläche, Leitsystem für Sehgeschädigte - all das gehört dazu.

Gebaut wurde dieser Tage auch in der Markwerbener und der Zeitzer Straße. 240.000 Euro hat die Stadt im Haushalt dieses Jahres für den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen eingeplant.

Barrierefreie Bushaltestellen: Jede Menge ungeklärte Fragen zu den Fördermitteln

Doch trotz eines hoffnungsvollen Anfangs schaut Arning eher sorgenvoll in die nächsten Jahre. Denn noch immer fehlt das in Aussicht gestellte Förderprogramm des Landes. Wer verteilt die Fördermittel? Welche Anforderungen gibt es für die Zahlung? Jede Menge ungeklärter Fragen. Klar ist für Arning: „Ohne Förderung schaffen wir das nicht.“

Dabei ist die Stadt Weißenfels Vorreiter im Landkreis, was die Bereitstellung von Geld für den Ausbau der Haltestellen betrifft. Erst kürzlich hatte Arning im Nahverkehrsbeirat des Burgenlandkreises über den aktuellen Stand in der Saalestadt berichtet. Jeweils 220.000 Euro will die Stadt in den kommenden beiden Jahren aus ihrem Haushalt bereitstellen. Geht man von einer ähnlichen Summe im Jahr 2021 aus, so werden es nach vier Jahren rund 900.000 Euro von der Stadt sein. Bleibt eine Differenz zur geschätzten Gesamtsumme von knapp 400.000 Euro.

Fördermittel für barrierefreie Bushaltestellen: Richtlinie in der finalen Phase

Doch jetzt macht der Weißenfelser Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben (SPD) Mut. Die Förderrichtlinie zum barrierefreien Ausbau von Haltestellen befinde sich in der „finalen Phase“, teilte er auf MZ-Anfrage mit. Mit einer Veröffentlichung sei in Kürze zu rechnen. Die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH habe zudem eine Präsentation zum Förderprogramm und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen erstellt.

Ein wenig Hoffnung also auch für die Stadt Weißenfels, dass es mit der finanziellen Unterstützung bald konkret wird. Dass eben auch klar wird, in welchem Umfang mit einer Förderung zu rechnen ist. Eine Liste der Stadt, in der die Weißenfelser Haltestellen in vier verschiedene Prioritäten eingestuft sind, gibt es jedenfalls bereits.

Welche Haltestellen in Weißenfels Priorität haben

An erster Stelle stehen dabei Haltestellen an medizinischen, Bildungs- und sozialen Einrichtungen. Beispiel dafür ist die Haltestelle am Weißenfelser Krankenhaus in der Naumburger Straße. Hohe Priorität haben weiterhin unter anderem die Haltestellen am Friedhof, vor dem Radiologischen Zentrum in der Selauer Straße und am Sitz des Kreisverbandes des DRK in der Leopold-Kell-Straße. Bislang hat sich die Kommune Haltepunkte von eher geringerer Priorität vorgenommen, weil sie auf die konkreten Förderkriterien des Landes wartet. (mz)