Nitrat im Wasser

Nitrat im Wasser: Ist die Saale zu stark belastet?

Weißenfels - Naturschützer beklagen nach Wassermessungen eine zu hohe Konzentration an Nitraten. Die zulässigen Grenzwerte werden aber unterschritten.

Von Alexander Kempf
Saale bei Burgwerben

Umweltschützer schlagen Alarm. Der Nitratgehalt in der Saale weist eine „viel zu hohe“ Belastung auf, informiert der VSR Gewässerschutz vor einigen Tagen und beruft sich dabei auf Wasserproben, die vom Verein bereits im Frühjahr 2017 entlang der Saale gesammelt worden sind. Im Raum Naumburg etwa sind 21,8 Milligramm pro Liter festgestellt worden. Besonders hoch sei die Belastung mit 26 Milligramm pro Liter in Saalfeld, dem Startpunkt der Messung gewesen.

Die kritische Bewertung der Messergebnisse seitens des Vereins verspricht Aufmerksamkeit. Zahlreiche Medien haben in den vergangenen Jahren immer wieder über ihn berichtet. Doch wie dramatisch sind die nun mit fast einem Jahr Verspätung veröffentlichten Ergebnisse wirklich? Gemäß Ariane Körner, die das Umweltamt des Burgenlandkreises leitet, müssen erst ab einer Belastung von 50 Milligramm pro Liter Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um die Nitratbelastung zu senken.

Umweltamt spricht von gutem Zustand der Saale

Ergo kommentiert sie die Ergebnisse der Umweltschützer gelassen. „Da die dargestellten Nitratwerte im Bereich des Burgenlandkreises unterhalb des Aktionswertes von 50 Milligramm pro Liter liegen, kann gemäß den Vorgaben des Umweltbundesamtes von einem guten Zustand der Saale gesprochen werden“, teilt sie auf Nachfrage mit.

Allein in Sachsen-Anhalt betreibe der Gewässerkundliche Landesdienst ein Messnetz mit 1.300 Grundwassermessstellen und 1.500 Oberflächenwassermessstellen. Die Saale wird im Bereich des Burgenlandkreises an vier Stellen regelmäßig kontrolliert. In Naumburg-Grochlitz und Bad Dürrenberg lag die Nitratbelastung im Jahr 2016 durchschnittlich bei 18,6 Milligramm pro Liter. In Bad Kösen mit 19,7 und in Schulpforte mit 19,8 Milligramm pro Liter leicht darüber. Besorgniserregende Zahlen sind das gemessen am benannten Aktionswert nicht.

Umweltschützern sind Nitratwerte der Saale dennoch zu hoch

Unabhängig davon sind den Umweltschützern des VSR Gewässerschutz die Nitratwerte dennoch zu hoch. „Besonders Ackerflächen mit einer hohen Düngeraufbringung führen zu einer Erhöhung der Nährstoffbelastung in der Saale. Unsere Messwerte belegen, dass Naturschutzflächen zu einer Verbesserung der Wasserqualität führen“, so die Vorsitzende Susanne Bareiß-Gülzow. Ihr Verein fordert daher weitere Renaturierungsmaßnahmen entlang des Flusses.

Die Politik versucht seit vergangenem Frühjahr mit einer überarbeiteten Düngeverordnung, die Nitratbelastungen in der Saale und anderen Flüssen zu senken. Auf diese „Verschärfungen“ verweist auch die Leiterin des Umweltamtes des Burgenlandkreises. „Nur durch strikte Einhaltung der Düngeverordnung wird es möglich sein, die Nitratwerte im Grundwasser und in Oberflächengewässern senken zu können“, stellt Ariane Körner fest. Die Einhaltung der Düngeverordnung werde durch die untere Düngebehörde des Burgenlandkreises im Umweltamt überwacht.

Unweltschützer: Es fehlen Auen an der Saale

Den Umweltschützern des VSR Gewässerschutz geht das noch nicht weit genug. „Damit in Zukunft die Nitratbelastungen in der Saale abnimmt, bedarf es eines Umdenkens bei den Landwirten und landwirtschaftlichen Verbänden“, fordert der Verein. Die intensive Landwirtschaft entlang der Saale führe dazu, dass der Fluss in vielen Bereichen von Ackerflächen umgeben ist. „Es fehlen Auen, welche die Nährstoffe aus dem Saalewasser herausfiltern können“, lautet eine Forderung der Umweltschützer.

Dass eine zu starke Düngung zum Problem werden kann, räumt auch die Umweltbehörde des Burgenlandkreises ein. Eben deswegen würde die Einhaltung der Düngeverordnung im Burgenlandkreis auch regelmäßig überwacht. (mz)