Neues Wohn- und Geschäftshaus

Neues Wohn- und Geschäftshaus in Weißenfels: Darum sind die Bauleute unter Zeitdruck

Halle (Saale) - Warum ein Wohn- und Geschäftshaus in der Nähe zur Saale später fertig wird als geplant.

Von Andreas Richter 11.01.2017, 06:00

Die Weißenfelser Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) ist unter Zeitdruck geraten: Das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Saalstraße/Jüdenstraße im Weißenfelser Zentrum wird erst im Frühjahr und damit mehrere Monate später als geplant im Rohbau fertig sein. Darüber hat WBG-Vorstand Martin Neumann auf MZ-Anfrage informiert. Geplant sind drei Wohnetagen, derzeit stehen nur Fundament und Erdgeschoss. Das Problem: Ende März sollen in der Saalstraße umfangreiche Straßenbauarbeiten beginnen. Neumann räumte ein, dass es zu Problemen kommen kann, wenn der Rohbau zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig ist. „Wir sind mit der Stadt im Gespräch, haben aber noch keine endgültige Lösung“, sagte Neumann.

Ursprünglich sollte das Wohn- und Geschäftshaus, in das mehr als zwei Millionen Euro investiert werden, im Frühjahr dieses Jahres komplett fertig sein. Doch das Neubauvorhaben hat sich als technologisch außerordentlich schwierig erwiesen - schwieriger noch als ursprünglich ohnehin vorhergesehen. Nun rechnet Neumann damit, dass das Bauvorhaben im Spätsommer abgeschlossen sein könnte. Für die nächsten Wochen hofft er, dass der Winter nicht erneut hart zuschlägt und der Zeitplan damit noch mehr durcheinander kommt.

Fundamentplatte musste in mehreren Schritten gegossen werden

Allein die Bohrpfahl-Gründung des Fundaments für das Gebäude in Saale-Nähe sei kompliziert gewesen, erinnert Neumann. „Die Fundamentplatte musste in mehreren Schritten gegossen werden. Beengte Platzverhältnisse und ein sensibler Baugrund waren eine echte Herausforderung“, so der WBG-Vorstand. Nun aber bleibt er trotz aller Probleme optimistisch: „Wir brauchen einen langen Atem, doch wir werden das schaffen“.  Interessenten für die acht Wohnungen gebe es bereits, noch seien jedoch keine festen Verträge abgeschlossen worden.

Die Fertigstellung des anspruchsvollen Lückenbau-Projekts im Zentrum ist ein Schwerpunktvorhaben der Genossenschaft in diesem Jahr. Weitgehend im Plan liegt man  mit einem zweiten Bauvorhaben. Im Frühjahr soll der sogenannte Nordstern, ein dreiflügeliges Wohnhaus in der Neustadt, fertiggestellt sein. In der Kükenthalstraße entstehen 16 Wohnungen. In das Projekt investiert die WBG mehr als zwei Millionen Euro.

Hälfte der Wohnungen ist an Mitglieder der Genossenschaft vermietet

„Die Hälfte der Wohnungen ist an Mitglieder der Genossenschaft vermietet. Am 1. April werden die ersten einziehen“, so Neumann zum Zeitplan der nächsten Monate. Neben der Errichtung von neuem Wohnraum will die Weißenfelser Genossenschaft die Sanierung ihres Bestandes - dieser umfasst insgesamt rund 2.400 Wohnungen - in diesem Jahr weiter vorantreiben. So sollen in der Max-Lingner- und der Erich-Weinert-Straße im Stadtteil West die Fassaden erneuert werden. Im Brahmsweg ist der Anbau von Balkonen geplant.

Mut zur LückeDer symbolische erste Spatenstich für das neue Wohn- und Geschäftshaus im Weißenfelser Zentrum fand am 15. Februar 2016 statt. Ursprünglich war der Baubeginn bereits im Herbst 2014 geplant. Doch die Klärung aller Fördermittel-Fragen hatte sich länger  hingezogen. Die WBG erhält mehr als eine halbe Million Euro Fördermittel, mit denen die höheren Aufwendungen für die schwierige Bohrpfahl-Gründung  des Gebäudes in  der Nähe zur Saale aufgefangen werden.

Dem Bau  war ein Wettbewerb der Architektenkammer Sachsen-Anhalt unter dem Motto „Mut  zur Lücke“ vorausgegangen. Verwirklicht wird jetzt der Entwurf der halleschen Architekten Thomas Dietzsch und Andreas Weber. (ari)

Schließlich hat die Genossenschaft im Südring 121 ein besonderes Projekt im Blick. Entstehen soll dort eine Wohngemeinschaft für zwölf Senioren mit angeschlossener Tagespflege.

Jede zehnte Genossenschaftswohnung steht leer

Wie der WBG-Chef weiter informierte, steht gegenwärtig jede zehnte Genossenschaftswohnung leer. Der Leerstand konzentriere sich jedoch nicht auf bestimmte Wohngebiete. Es sei vielmehr zu beobachten, dass zunehmend  Wohnungen in höheren Etagen weniger Anklang bei Mietern finden. Die Genossenschaft habe auf diese Entwicklung bereits reagiert, indem sie für höher gelegenen Wohnraum eine geringere Miete nimmt. Ein Herangehen, das laut Neumann bereits erste Erfolge, besonders bei jungen Wohnungsinteressenten, gezeigt habe.

Wenig Erfolg versprechend ist für die WBG hingegen die Nachrüstung von vier- oder fünfstöckigen Wohnblöcken mit Aufzügen. Die Betriebskosten für einen Aufzug seien so hoch, dass die betriebswirtschaftliche Grenze bei mindestens 15 Wohnungen liege, so der WBG-Vorstand. (mz)