Neue Jobs nach Kohleausstieg

Neue Jobs nach Kohleausstieg: Braucht Weißenfels ein neues Industriegebiet?

Weißenfels - Braucht es im Zuge des Strukturwandels ein neues Industriegebiet in Weißenfels? Aus Sicht des Kreises nicht. Ein Gewerbegebiet aber unterstützt er.

Von Alexander Kempf 19.01.2019, 07:00

Wenn im Zuge des Strukturwandels neue Industriearbeitsplätze im Burgenlandkreis angesiedelt werden sollen, dann braucht es dafür einen zentralen Standort. Dieser Ansicht ist zumindest der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) und hat zuletzt in seiner Neujahrsansprache für die Erschließung eines neuen Industriegebiets in Weißenfels geworben. Denn die Saalestadt bietet aus seiner Sicht ideale Voraussetzungen für Neuansiedlungen im großen Stil.

Bringt nur Weißenfels mit einem Flächenpotenzial von bis zu 400 Hektar an der Autobahn 9 die Voraussetzung für einen großen Wurf mit? Im Wirtschaftsamt des Burgenlandkreises teilt man diese Auffassung nicht. „Die qualitative Verbesserung und flächenmäßige Erweiterung der vorhandenen Industriestandorte im Kernrevier hat grundsätzlich Vorrang, weil Arbeitsplätze zunächst dort ersetzt werden sollen, wo sie im Rahmen des Strukturwandels wegfallen“, heißt es dort.

Zum Kernrevier zählt man die Städte Zeitz, Hohenmölsen und Teuchern sowie die Gemeinde Elsteraue. Dort seien auch geeignete Flächen für Industrieansiedlungen vorhanden oder könnten noch ergänzend entwickelt werden.

Weißenfels hat gute Voraussetzungen für die Entwicklung eines neuen Gewerbegebietes

Trotzdem will der Burgenlandkreis Weißenfels bei der Entwicklung eines neuen Gewerbegebietes keine Steine in den Weg legen. Aus gutem Grund. Denn die Möglichkeiten in Autobahnnähe Gewerbe anzusiedeln sei schon jetzt sehr begrenzt. So liege die Auslastung des Gewerbegebiets Zorbau gegenwärtig bei 91 Prozent, die von Heidegrund Süd sogar bei 94 Prozent. Ähnlich sei die Situation im Gewerbegebiet Sachsen-Anhalt Süd in Wethautal.

Diese Zahlen zeigen, so das Wirtschaftsamt des Burgenlandkreises, dass Weißenfels gute Voraussetzungen für die Entwicklung eines neuen Gewerbegebietes habe. „Für die Ansiedlung von Produktions- und Logistikunternehmen, die aufgrund ihrer Ausrichtung kurze Wege zur Autobahn favorisieren, ist ein Standort an der A9/ A38 sinnvoll“, heißt es auf Nachfrage.

Ein Gewerbegebiet ist kein Industriegebiet

Jedoch legt man in Naumburg eben Wert darauf, dass ein Gewerbegebiet kein Industriegebiet ist. „Da sich die Altstandorte vor allem durch Industrienähe und Industriefreundlichkeit auszeichnen, sollte ein neues Gebiet in Weißenfels an der A 9 ausdrücklich auf den Status Gewerbegebiet festgesetzt werden“, betont das Wirtschaftsamt des Kreises. So solle verhindert werden, dass es in der Region zu einer möglichen Konkurrenz bei der thematischen Ausrichtung der Standorte kommt.

Auch Landrat Götz Ulrich (CDU) macht sich dafür stark, im Rahmen des Strukturwandels bestehende Standorte zu fördern: „Wir sollten dabei zuerst an das Naheliegende denken, nämlich die Mibrag mit ihren Flächen und Potenzialen einzubinden. Denn nichts wäre doch für die Kumpel und ihre Familien besser als dass wir zusammen mit der Mibrag einen Strukturwandel vollziehen.“

Doch sind die vorhandenen Industrieflächen im Kreis nicht zu kleinteilig? Keineswegs, antwortet das Wirtschaftsamt. Dort verfolgt man das Ziel, „auch außerhalb der Großstädte und Mittelzentren eine wirtschaftliche Entwicklung der ländlicher geprägten Räume zu ermöglichen.“ (mz)