Neue Fussgängerbrücke

Neue Fussgängerbrücke: „Golden Gate Bridge“ im Saaletal

Leißling - Der Name Golden Gate fällt mehrfach an diesem Vormittag. Weht ein Hauch von San Francisco durchs Saaletal? Die Entwurfsskizze auf der Bautafel wirkt jedenfalls täuschend ähnlich. Zwei Pylone, Pfeiler, die die eigentliche Hängebrücke an Stahlseilen tragen. Doch sonst? Die Fußgängerbrücke zwischen Leißling und Lobitzsch ist mit 115 Metern Länge rund 24 Mal kleiner als die große amerikanische Schwester. Ein goldenes Tor für die Touristen dürfte  sie aber allemal ...

Von Holger Zimmer 15.05.2016, 06:00

Der Name Golden Gate fällt mehrfach an diesem Vormittag. Weht ein Hauch von San Francisco durchs Saaletal? Die Entwurfsskizze auf der Bautafel wirkt jedenfalls täuschend ähnlich. Zwei Pylone, Pfeiler, die die eigentliche Hängebrücke an Stahlseilen tragen. Doch sonst? Die Fußgängerbrücke zwischen Leißling und Lobitzsch ist mit 115 Metern Länge rund 24 Mal kleiner als die große amerikanische Schwester. Ein goldenes Tor für die Touristen dürfte  sie aber allemal werden.

Am Rande der Begehung kann Jürgen Kuspick ein Ehepaar beruhigen: „Ja, natürlich. Aus jetziger Sicht steht der 30. November als Fertigstellungstermin.“ Der städtische Angestellte ist verantwortlich für den Brückenbau bei der Weißenfelser Stadtverwaltung und gibt sich vorsichtig optimistisch. Schließlich sei der Zeitplan straff und Unwägbarkeiten gibt es auf dem Bau immer.

Baulärm

Aus einer Grube tönt Baulärm. Hier ragen die Köpfe mehrerer der acht Meter langen Bohrpfähle aus der Erde. In dessen Mitte bringen Sebastian Barthel und Tim Clinton von der Firma Bau- und Haustechnik Bad Düben eine Bohrung ein. Es ist Knochenarbeit und Kuspick sagt: „Die Männer wissen abends, was sie getan haben.“ Ein Spreizer wird in die Bohrung eingeführt und sprengt den Beton. Die Restarbeiten über der Fundamentsohle werden mit dem Presslufthammer erledigt. Am Ende ragt nur noch der Bewehrungsstahl in die Höhe, wird hier Ende Mai das Widerlager für die Klostergrabenbrücke gegossen.

Sie ist breiter als die Saalequerung, weil mit einem seitlichen Abzweig auch die Zufahrt zu den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen gewährleistet werden muss. Die Betonarbeiten werden übrigens laut Kuspick in sechs Wochen abgeschlossen sein. Während sich Mitte Februar auf der Lobitzscher Seite noch nichts getan hatte, wird dort bereits in der kommenden Woche das Widerlager gegossen. Das auf der Leißlinger Seite folgt kurz darauf.

A-förmige Pylone

Längst fertig sind die Fundamente für die fast A-förmigen Pylone. Die Bolzen, auf denen sie verankert werden, ragen aus dem Beton. Und Jürgen Kuspick nennt die Montage die nächste große Herausforderung, vor der die Bauleute stehen. Die Stahlteile liegen bereits auf dem Gelände der Bad Lauchstädter Metallbaufirma Temme. Dort hat sich der Brückenverantwortliche Jürgen Kuspick schon mal mit dem Uichteritzer Ortsbürgermeister Wolfgang Kurtze umgesehen. Letzterer sagt: „Ich habe einen guten Eindruck und bin zuversichtlich, was das Bauende angeht.“

In der zweiten Juni-Hälfte sollen die gut 20 Meter hohen Teile gestellt werden. Dann werden auch die Spundwände um die Fundamente gekürzt sein, die die Baugrube unter anderem gegen Hochwasser geschützt haben. Während hier auf der Landseite gepflastert wird, dienen auf der Flussseite Wasserbausteine als Schutz.

Drei Meter Breite

Der Stahlbau für die eigentliche Gehwegquerung folgt ab Juli. Die insgesamt fünf Teile sollen laut Planungen aufgrund ihrer Länge den Leißlinger Kirchberg heruntertransportiert werden.

Den Nutzern der Brücke steht zwischen den Geländern ein Platz von drei Metern zur Verfügung, so dass Wanderer und das Fahrrad schiebende Touristen locker aneinander vorbeikommen. Alles ist barrierefrei und auch der Behindertenbeirat der Stadt hat zugestimmt, obwohl über die Zugänge ein teilweise achtprozentiger Anstieg zu bewältigen ist. (mz)