Neue Brücke in Großkorbetha

Neue Brücke in Großkorbetha: 17 Kilometer Umweg für wenige Meter?

Großkorbetha - Durch den Brückenneubau in Großkorbetha wird eine Vollsperrung und eine kilometerlange Umleitung nötig. Nun sucht der Ortschaftsrat nach einem Kompromiss.

Von Jan Iven 01.03.2018, 06:00

Eigentlich sollten die Pläne für den Brückenneubau an der L182 über den Graben bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Großkorbetha vorgestellt werden. Doch daraus wurde nichts.

Denn das zuständige Landestraßenbauamt sagte den öffentlichen Termin wenige Tage vorher ohne Begründung ab. Sehr zum Ärger der Ortschaftsräte, die bereits ihre demokratischen Mitbestimmungsrechte beschnitten sahen. „Das hat mit Demokratie nicht mehr viel zu tun“, sagte selbst der eigentliche um Ausgleich bemühte stellvertretende Ortsbürgermeister von Großkorbetha, Uwe Horn.

Neue Brücke in Großkorbetha: 17 Kilometer lange Umleitung sorgt für Ärger

Er und einige Ortschaftsräte haben nun am Donnerstag einen Termin bei der Behörde in Halle, die hinter verschlossenen Türen über das Projekt informieren will. Umstritten ist das Vorhaben unter anderem wegen der angekündigten monatelangen Sperrung der maroden Brücke, die sich mitten in Großkorbetha befindet und komplett neu gebaut werden soll.

Durch die Vollsperrung würde Großkorbetha in zwei Teile getrennt, so die Befürchtung. Für besonderen Ärger sorgt zudem die offizielle Umleitung, die das Land einrichten will. Die Strecke soll nämlich von Großkorbetha über Bäumchen, Weißenfels, Burgwerben und dann zurück nach Großkorbetha führen. Insgesamt müsste also ein Umweg von mehr als 17 Kilometern in Kauf genommen werden, um eine Baustelle von wenigen Metern zu überbrücken. Vor Ort in Großkorbetha ernten diese Pläne nur noch Kopfschütteln.

Sperrung in Großkorbetha: Kann Brücke halbseitig offen bleiben?

Der stellervertretende Ortsbürgermeister Uwe Horn und der Ortschaftsrat wollen daher versuchen, einen Kompromiss mit der Landesbehörde auszuhandeln. „Uns wäre es am liebsten, wenn die Brücke die meiste Zeit über zumindest halbseitig offen bleibt“, sagt er.

Ob das möglich ist, wisse Uwe Horn allerdings nicht. „Solange wir die Pläne nicht kennen, können wir das nicht beurteilen.“ Deswegen soll beim Termin in Halle nach einem Kompromiss gesucht werden.

Doch selbst wenn sich eine mehrmonatige Vollsperrung der Brücke nicht mehr verhindern lassen sollte, will der Ortschaftsrat Alternativen vorschlagen. Denn eine 17 Kilometer lange Umleitung über Weißenfelser wäre für die Großkorbethaer erst recht keine Lösung. „Wir brauche eine innerörtliche Umfahrung“, sagte Horn. Nicht zuletzt die Unternehmen in Großkorbetha seien auf eine schnelle Verbindung in dem Ortsteil angewiesen.

Neue Brücke in Großkorbetha: Umleitung über Schkortlebener Straße vom Tisch

Eine mögliche Streckenführung über die Schkortlebener Straße und den Ellern war im Gespräch mit dem Landestraßenbauamt schnell wieder verworfen worden. Zum einen wäre die sanierte und teilweise gepflasterte Straße dem Lkw-Verkehr nicht gewachsen gewesen.

Zum anderen wird dort derzeit der Kitaneubau und ein Privathaus errichtet. Baufahrzeuge und Materialanlieferungen werden die schmale Straße daher vermutlich immer wieder verstopfen.

Brückenbau in Großkorbetha: Wird Schotterweg als Umleitung genutzt?

Alternativ werden zumindest die öffentlichen Busse nach derzeitigen Plänen über landwirtschaftliche Wege umgeleitet. Diese sind jedoch so schmal, dass dies keine Lösung für den allgemeinen Straßenverkehr wäre. Der Ortschaftsrat greift daher auf eine alte Forderung zurück: Die Aufbereitung des Schotterweges von der Kirschbergstraße über die Schkortlebener Straße. „Es würde reichen, wenn die Löcher aufgefüllt und der Weg wieder befahrbar wäre“, so Horn. Die Strecke wäre nur etwa zwei Kilometer lang.

Eine Verbesserung des Wege wäre in jedem Fall sinnvoll, so die Meinung in Großkorbetha. Denn die Einheimischen würden die Strecke vermutlich so oder so als Schleichweg nutzen. Egal, ob sie als Umleitung ausgeschildert wird oder nicht. (mz)