MZ-Aktion "Lesewert"

MZ-Aktion "Lesewert": Diese Lobitzscherin lässt sich beim Zeitunglesen auf die Finger schauen

Lobitzsch - Die Mitteldeutsche Zeitung gehört morgens mit auf den Frühstückstisch. Besonders der MZ-Lokalteil ist Angela Simon wichtig. „Den lese ich immer zuerst“, sagt sie. Seit Beginn dieser Woche aber ist etwas anders. Denn die Frau aus dem Weißenfelser Ortsteil Lobitzsch hat beim Lesen ein Smartphone und einen Markierungsstift auf dem Tisch liegen. Der kleine Handy-Bildschirm leuchtet grün und zeigt einen Schlüssel als Abbildung. Streift die 57-Jährige mit dem Stift über eine gelesene Textzeile, färbt sich der Hintergrund des Smartphone-Bildschirms für einen Moment rot, dann wieder grün und so ...

Von bärbel schmuck 06.03.2015, 16:55

Die Mitteldeutsche Zeitung gehört morgens mit auf den Frühstückstisch. Besonders der MZ-Lokalteil ist Angela Simon wichtig. „Den lese ich immer zuerst“, sagt sie. Seit Beginn dieser Woche aber ist etwas anders. Denn die Frau aus dem Weißenfelser Ortsteil Lobitzsch hat beim Lesen ein Smartphone und einen Markierungsstift auf dem Tisch liegen. Der kleine Handy-Bildschirm leuchtet grün und zeigt einen Schlüssel als Abbildung. Streift die 57-Jährige mit dem Stift über eine gelesene Textzeile, färbt sich der Hintergrund des Smartphone-Bildschirms für einen Moment rot, dann wieder grün und so weiter.

Wo steigt der Leser aus?

„Das Prozedere ist reine Übungssache und funktioniert aber kinderleicht, wenn man es ein paarmal gemacht hat“, erklärt die gelernte Chemiefacharbeiterin. Sie nimmt am MZ-Projekt „Lesewert“ teil, das nach einer im Februar im Kulturhaus stattgefundenen Schulung für sie und weitere etwa 100 Teilnehmer aus dem Raum Weißenfels, Hohenmölsen, Lützen und Teuchern nun über zwei Monate läuft.

Die Mitteldeutsche Zeitung will von ihren Lesern wissen, was sie an Themen im Lokalteil, aber auch im überregionalen Teil interessiert. Deshalb gibt es das Projekt „Lesewert“, mit dem die MZ näher an die Leser heranrücken will. Die Aktion läuft den gesamten März und April mit etwa 300 Teilnehmern in Weißenfels, Halle und Aschersleben. Wie attraktiv ist die MZ für ihre Kunden? Bereiten Journalisten und Redakteure Themen verständlich und spannend auf? Welche Themen sind von besonderem Interesse, welche Artikel sind gut gelungen, welche weniger.

Die Redaktion will eine ansprechendere Zeitung gestalten und damit die Leser-Blatt-Bindung sowie Zufriedenheit der Kunden steigern. Alle mit Hilfe der Aktion „Lesewert“ ermittelten Daten kommen zur Auswertung. Die Redaktion erhält Ergebnisse tagesaktuell.

Mit ihrer Teilnahme zeigt die Lobitzscherin den Redakteuren und Journalisten, welche Themen sie interessant und lesenswert findet und welche nicht unbedingt ihren Nerv treffen. „Ich ändere meine bisherigen Lesegewohnheiten nicht, aber markiere mit dem Leuchtstift, wo ich anfange zu lesen, aber auch, wo ich aufhöre - das sind die sogenannten Ausstiegsstellen“, erklärt Angela Simon. „Wenn ich einen Artikel für spannend erachte und mich auch das Thema interessiert, lese ich den Beitrag bis zum Ende - also streife ich mit dem Stift über die letzte Zeile“, sagt die Lesewert-Teilnehmerin. Klappt der Wechsel von grün auf rot, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass Angela Simons Tun registriert wird, das heißt, sie ist mit dem zentralen Rechner verbunden. Themen, die mit Polizei, Feuerwehr und Gericht zu tun haben, aber auch Beiträge über Tourismus und Kulturveranstaltungen liest sie. „Mich interessieren dabei nicht allein Ereignisse aus dem Raum Weißenfels, sondern ebenso, was in Naumburg im Theater los ist, im Dom, auf der Neuenburg in Freyburg oder bei der Winzervereinigung und was rund um die Himmelsscheibe Nebra passiert. Schließlich spielt da das Welterbe-Thema Hochmittelalter eine wichtige Rolle - in unser aller Burgenlandkreis“, sagt Angela Simon.

Tägliches Morgenritual

Mit großem Interesse verfolgt die Lobitzscherin zudem Informationen aus dem Weißenfelser Stadtrat und seinen Ausschüssen, ebenso Geschichten über Menschen, die sich auf sozialem und kulturellem Gebiet engagieren“, zählt die Leserin auf. Manchmal seien ihr die Artikel im Lokalteil zu umfangreich, „aber wenn sie gut geschrieben sind, lese ich sie bis zum Ende“, so Simon. Das betreffe auch Heimatgeschichte. Wichtig sei ihr darüber hinaus der überregionale Teil. „Wenn ich mit dem Inhalt der Weißenfelser Zeitung durch bin, lese ich den vorderen Teil, danach schaue ich in die Beilagen“, beschreibt Simon ihre Gewohnheiten. Ratgeber und Blick nennt sie zuerst. Der Sportteil sei das Ressort, das sie nicht so interessiere - „außer Basketball und Biathlon“, schränkt sie ein.

Etwa eine gute halbe Stunde liest sie Zeitung - nur morgens. Vorher schaue ihre Tochter rein, bevor die 27-jährige Pädagogin zum Dienst ins Gymnasium nach Laucha fährt. Der Schwiegersohn greife allerdings erst abends zur Tageszeitung - nach der Arbeit in einem Bauunternehmen in Sachsen.

„Seit ich am Lesewert-Projekt teilnehme, fragt mich meine Tochter immer, wenn sie von der Schule nach Hause kommt, ob ich denn meine Hausaufgaben schon gemacht hätte. Das ist typisch Lehrerin“, meint die Mutter, die einen Minijob in Weißenfels hat, mit einem Lächeln. (mz)