Museum Weißenfels zeigt seltene Exponate

Museum Weißenfels zeigt seltene Exponate : Mit dieser Waffe schoss einst ein Herzog

Weißenfels - Im Weißenfelser Museum wird eine Sonderschau zum Jubiläum der Reformation eröffnet. Exponate kommen auch aus Dresden und Sangerhausen.

Von Andreas Richter 29.09.2017, 11:28

Fast 300 Jahre lang hat sie irgendwo im Depot gelegen. Am Freitag taucht sie zum ersten Mal wieder im Lichte der Öffentlichkeit auf: eine original Jagdbüchse des Weißenfelser Herzogs Christian. Die Flinte und eine Armbrust gehören zu jenen spektakulären Exponaten der Sonderausstellung „Dynastiegewitter“, die am Abend im Weißenfelser Museum auf dem Schloss eröffnet wird.

„Diese Schau ist unser Beitrag zum Jubiläum der Reformation“, sagte Museumsleiter Aiko Wulff am Donnerstag am Rande der letzten Vorbereitungen für die Ausstellung. In deren Mittelpunkt steht der Streit um Kirche und Glauben zwischen dem protestantischen Weißenfelser Herzog Christian (1682-1736) und dem sächsischen Kurfürsten Friedrich August dem Starken (1670-1733), der 1697 zum katholischen Glauben konvertierte.

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Um den Geist jener Zeit anschaulich zu machen, hat sich Weißenfels erfolgreich um originale Stücke bemüht, die mit dem Zerfall des Herzogtums Sachsen-Weißenfels 1746 wieder an den Dresdner Hof zurückfielen.

So eben auch eine Jagdflinte des Herzogs mit besonderem Zubehör: Weil der Herrscher im Laufe seines Lebens nahezu erblindet ist, gehörte zum Gewehr ein zweiter Kolben, mit dem eine Jagdpage des Herzogs einst anstelle seines Herren zielte.

In Seidenpapier eingewickelt und in Kisten stoßsicher verpackt, wurde die Leihgabe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nun von einer Kunstspedition mit geschultem Personal von der sächsischen Metropole nach Weißenfels gebracht. „Das ist auch für uns etwas Besonderes, wenn historische Stücke an originale Schauplätze zurückkehren“, sagte Gernot Klatte, der als wissenschaftlicher Assistent in der Rüstkammer der Kunstsammlungen in Dresden arbeitet.

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Eigens für die Präsentation in der Weißenfelser Sonderausstellung wurden zahlreiche Exponate aufbereitet und restauriert. Neben Flinten, Armbrust und einer original Wildbretwaage aus der Herzogszeit gehören dazu vom Herzog gestiftete Kirchenschätze.

Zu sehen sind diese in einem Raum des Schlosses, der seit Beginn dieses Jahres eine bemerkenswerte Wandlung genommen hat: die ehemalige Fürstenloge. Seit 1682 haben an dieser Stelle die Weißenfelser Herzöge auf die Schlosskirche geblickt.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten war die Nutzung des Raumes allerdings weniger fürstlich: Seitdem das städtische Museum 1964 seinen Platz im Schloss gefunden hat, war die ehemalige Fürstenloge Magazinraum. Nun wurden die vier Wände von einer „Rumpelkammer“ in einen repräsentativen Ausstellungsraum umgewandelt.

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Zu sehen ist dort unter anderem die Großenhainer Kirchenagenda. Ein mit Silberschlägen verzierter Leitfaden des protestantischen Glaubens, der sogar einen persönlichen Eintrag des Herzogs beinhaltet. Am 23. Februar 1713, seinem ersten Geburtstag als Regent des Fürstentums Sachsen-Weißenfels, hatte sich der Herrscher in dem Buch verewigt mit den Worten: „Cum Deo Salus oder Gott ist es Hertzens Trost und theil von ihm erwart ich alles“.

Doch damit nicht genug der Raritäten. In der einstigen Fürstenloge können die Besucher nun auch den Sangerhäuser Kirchenschatz bewundern, den Herzog Christian der protestantischen Kirche in Sangerhausen zu seinem Dienstantritt im Jahre 1712 stiftete. Zum Kirchenschatz gehören unter anderem eine Taufschale samt Kanne, Vasen, Leuchter und ein Schild mit den Initialen Christians. (mz)