Museum Weißenfels

Museum Weißenfels: Ein Schatz kehrt zurück

Weißenfels - Das Weißenfelser Museum bereitet eine Sonderschau zum Reformationsjubiläum vor. Warum ein Exponat aus Sachsen besonders wertvoll ist.

Von Andreas Richter 30.08.2017, 05:00

Nur mit weißen Handschuhen berührt Aiko Wulff vorsichtig die Kostbarkeit. Immerhin ist das mit Silberbeschlägen verzierte Buch, das der Leiter des Weißenfelser Museums am Dienstag vorstellt, ein unwiederbringliches Unikat.

Nach mehr als 250 Jahren ist die Großenhainer Kirchenagenda nach Weißenfels zurückgekehrt und wird eines der spektakulären Stücke sein, die ab Ende September in der Sonderausstellung „Dynastiegewitter“ zum Reformationsjubiläum in der Saalestadt zu sehen sein werden. „Das Buch ist eine Art Leitfaden der protestantischen Glaubenslehre, ein Handbuch für Pfarrer“, erklärt Joachim Säckl, der Kurator der Ausstellung.

Nicht nur mit dem Wappen und dem Monogramm des Herzogs

Das Einzigartige an dem Exemplar: Es ist außen nicht nur mit dem Wappen und dem Monogramm des Herzogs, den drei einander umschlingenden „C“, verziert, sondern es beinhaltet sogar einen persönlichen Eintrag des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels (1682-1736). Und mehr noch: Der Herrscher hat sich just am 23. Februar 1713, seinem ersten Geburtstag als Regent des Fürstentums Sachsen-Weißenfels, in dem Buch verewigt mit den Worten: „Cum Deo Salus oder Gott ist es Hertzens Trost und theil Von ihm erwart ich alles“.

Herzog Christian ließ dieses Exemplar des Buches, das zwischen 1668 und 1777 in verschiedenen Auflagen erschienen ist, verzieren und schenkte es der Weißenfelser Hofkirche. Wie das gute Stück schließlich ins sächsische Großenhain gelangte, erklärt der Kurator: „Als das Herzogtum Sachsen-Weißenfels 1746 aufgelöst wurde, gingen viele Ausstattungsstücke des Hofes zurück zum sächsischen Kurfürsten nach Dresden und wurden von dort auf das Land verteilt“. Die Kirchenagenda mit der Widmung des Herzogs sollte in Großenhain landen - und dort mehr als 250 Jahre lang bleiben.

Vorbereitung der Sonderausstellung zum 500. Jahrestag der Reformation

Erst als man jetzt in Vorbereitung der Sonderausstellung zum 500. Jahrestag der Reformation im Dresdner Staatsarchiv alte Akten zur Auflösung des Herzogtums sichtete, stieß man dabei auf die alte Kirchenagenda.

„Wir sind nach Großenhain gefahren und haben das Buch in einer Vitrine in der Kirchenbibliothek entdeckt“, erzählt Joachim Säckl. Das etwa 600 Seiten umfassende Werk sei in einem „zufriedenstellenden Zustand“ gewesen, sagt der Kurator. Eigens für die Ausstellung seien jedoch die Silberbeschläge geputzt und der Buchkörper stabilisiert worden.

Leihgabe der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen

Das einzigartige Buch wird nun auf der Sonderschau als Leihgabe der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen zu sehen sein. Nach dem Ende der Ausstellung wird das Unikat wieder nach Großenhain zurückkehren. Dabei ist das Kirchen-Handbuch nur das erste von weiteren bemerkenswerten Exponaten, die in den nächsten Wochen an den einstigen Sitz des Sekundogenitur-Fürstentums Sachsen-Weißenfels zurückkehren.

So wird ab Ende September auch eine Wildbretwaage zu sehen sein, auf der Herzog Christian, ein leidenschaftlicher Jäger, dereinst seine Beute wiegen ließ. „Wir werden weitere Exponate zeigen, die noch nie in Weißenfels zu sehen waren. Darunter persönliche Gegenstände von Herzog Christian aus den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden“, macht Museumsleiter Aiko Wulff neugierig auf eine Schau, die schon jetzt einiges Aufsehen erregt. (mz)