Fremdstoffe in der Biotonne

Müllabfuhr Weißenfels: Für Biotonnen-Sünder wird es jetzt ernst

Weißenfels - Biotonnen in Weißenfels enthalten noch immer zu viele Fremdstoffe. Nun will die Abfallwirtschaft rote Karten verteilen.

Von Andreas Richter 10.01.2018, 10:29

Spätestens ab Ende Januar wird es ernst: Wer dann seine Biotonne mit Fremdstoffen vor die Tür stellt, der muss damit rechnen, dass die Müllabfuhr die Tonne links liegen lässt. „Wir läuten die rote Phase unserer Aktion Biotonne ein“, kündigt Henrik Otto, Vorstandsvorsitzender der Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd, an.

Fremdstoffe in Biotonnen: Müllabfuhr startete Offensive gegen Müllsünder

Begonnen hatte die Offensive für eine reine Biotonne im Herbst vergangenen Jahres. Der Hintergrund: Bis dahin enthielten die Biotonnen im Burgenlandkreis, deren Inhalt im Weißenfelser Kompostwerk ankommt, rund zehn Prozent Fremdstoffe. Plastik, Glas, Metall oder anderes, das eben nicht in einen Müllbehälter gehört, deren Inhalt zu Kompost verarbeitet werden soll.

Durchschnittlich waren das bisher im Jahr bis zu 3.200 Tonnen Fremdstoffe. Ein Zustand, den die Abfallwirtschaft bis spätestens Mitte dieses Jahres ändern muss. Denn dann treten verschärfte gesetzliche Regelungen für die Qualität des aus den Bioabfällen gewonnenen Kompost in Kraft. Bis Mitte des Jahres soll deshalb der Fremdstoffanteil auf ein Prozent gesenkt werden.

Aktion gegen Fremdstoffe in Biotonnen: „Wir sind auf einem guten Weg“

„Wir sind auf einem guten Weg“, schätzt Henrik Otto zur Halbzeit der Aktion ein. Die Zahlen sprechen dafür: Lag der Fremdstoffanteil in den Biotonnen im vierten Quartal 2015 bei rund acht Prozent und ein Jahr später sogar bei besagten rund zehn Prozent, so waren es im letzten Vierteljahr 2017 nur noch fünf Prozent.

Offenbar haben die ersten beiden Stufen der Aufklärungskampagne der Abfallwirtschaft Früchte getragen. Im Herbst hatte man zunächst über die verschiedensten Kanäle versucht, die Bürger für das Thema zu sensibilisieren. Doch weil Appelle allein nicht reichen, begann man im Herbst mit flächendeckenden Kontrollen der braunen Tonnen im Burgenlandkreis.

Aktion gegen Fremdstoffe in Biotonnen: Neue Detektoren an Müllfahrzeugen sorgten für Diskussionen

Drei der sechs Fahrzeuge der Entsorgungsgesellschaft Sachsen-Anhalt Süd GmbH (Egsas) wurden mit Detektoren ausgestattet, die Fremdstoffe in den Biotonnen erkennen. Auf den Touren der anderen drei Fahrzeuge werden sogenannte Sichtkontrollen durchgeführt. Müllbehälter, in denen Fremdstoffe erkannt werden, erhalten eine gelbe Karte mit Hinweisen zur richtigen Mülltrennung.

Für Diskussionsstoff hat dabei in den vergangenen Monaten die Frage nach der Empfindlichkeit der Detektoren gesorgt. „Wenn die Technik reagiert, dann muss eine maßgebliche Menge Fremdstoffe in der Tonne enthalten sein“, versichert Henrik Otto. In einem Test habe man hundert mit Metallklammern versehene Teebeutel in einer Biotonne versenkt - der Detektor habe nicht angeschlagen. Anders sehe das schon bei einem Tetrapak aus.

Aktion gegen Fremdstoffe in Biotonnen: Müllsünder sind überall

Mittlerweile kann jedenfalls auch Holger Kahnt, Geschäftsführer des Weißenfelser Kompostwerkes, bestätigen: „Die Qualität des Bioabfalls hat sich spürbar verbessert“. Henrik Otto sagt: „Gelbe Karten mussten flächendeckend im Landkreis verteilt werden.“ Oder anders: Es gibt keine Gegend ohne Müllsünder. Eine Erfahrung der Aufklärungskampagne kommt nicht ganz überraschend: Die meisten falsch gefüllten Tonnen wurden bisher in jenen Gegenden festgestellt, in denen die Anonymität am größten ist. Vor allem in Wohngebieten der größeren Städte Weißenfels, Zeitz und Naumburg.

Rote Karte für die Biotonne: Womit Müllsünder jetzt rechnen müssen

Weil trotz aller Erfolge immer noch zu viele Fremdstoffe in den braunen Tonnen sind, wird die Abfallwirtschaft nun ab 29. Januar die „Stufe rot“ ihrer Kampagne starten. Wer dann eine rote Karte am Müllbehälter zu hängen hat, der hat zwei Möglichkeiten: Entweder er sortiert die Fremdstoffe aus und stellt die Tonne bei der nächsten Tour wieder hin - oder er lässt seinen „unreinen“ Biomüllbehälter kostenpflichtig als Restabfall entsorgen. (mz)