„Mir wird ab jetzt etwas fehlen“

„Mir wird ab jetzt etwas fehlen“: Ältestes Stadtrats-Mitglied nimmt Abschied

Weißenfels - „Mir wird ab jetzt etwas fehlen“, weiß Siegfried Hanke. Immerhin: Wenn der 78-Jährige am Donnerstag zur letzten Sitzung des alten Weißenfelser Stadtrates kommt, dann vollendet sich für ihn ein Vierteljahrhundert als Volksvertreter. 25 Jahre lang saß Hanke als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat seiner Heimatstadt. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode war er dort der ...

Von Andreas Richter 27.06.2019, 13:00

„Mir wird ab jetzt etwas fehlen“, weiß Siegfried Hanke. Immerhin: Wenn der 78-Jährige am Donnerstag zur letzten Sitzung des alten Weißenfelser Stadtrates kommt, dann vollendet sich für ihn ein Vierteljahrhundert als Volksvertreter. 25 Jahre lang saß Hanke als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat seiner Heimatstadt. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode war er dort der Älteste.

SPD-Stadtratsmitglied: Keine halben Sachen

Nun aber ist Schluss. Um einen Sitz im neuen Stadtrat hat sich Hanke nicht mehr beworben. Dabei hat er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn immerhin standen die Chancen nicht schlecht, dass er bei den Kommunalwahlen als Zugpferd für seine gerade arg gebeutelte Partei viele Stimmen holt. Doch ob er angesichts gesundheitlicher Probleme noch einmal fünf Jahre durchgehalten hätte? Da ist sich Hanke nicht sicher. Und halbe Sachen mag er nun mal nicht. Deshalb jetzt der Schlussstrich. Im Weißenfelser Stadtrat und nach 15 Jahren auch im Kreistag.

Welche Spuren aber hat der „bekennende Weißenfelser“ in seiner Heimatstadt hinterlassen? Da ist das sanierte Fürstenhaus in der Leipziger Straße. „Das Denkmal wäre irgendwann zusammengefallen“, erinnert sich Hanke. Doch ohne Nutzungskonzept keine Fördermittel. Gemeinsam mit anderen Stadträten hat Hanke deshalb um die Idee gekämpft, das barocke Gebäude als zweiten Standort der Stadtverwaltung auszubauen. Längst strahlt das Haus heute in alter Pracht. Das Hintergebäude ist während der Sanierung des Rathauses Sitz des Oberbürgermeisters.

Weißenfelser Stadtrat: 25 Jahre lang im Aufsichtsrat der Stadtwerke

Da sind die Weißenfelser Stadtwerke. Heute kann Hanke von Zeiten Mitte der 2000er Jahre erzählen, da hinter den Kulissen ein Verkauf des kommunalen Versorgers erwogen wurde, um Geld in die klamme Stadtkasse zu spülen. „Das wäre damals eine Kurzschluss-Reaktion gewesen. Ich war strikt dagegen, unser letztes Tafelsilber zu verkaufen“, blickt Hanke, der 25 Jahre lang im Aufsichtsrat der Stadtwerke saß, zurück. Miterlebt hat er auch die gefühlt endlose Geschichte rund um die Sanierung des Marktplatzes.

Das Vorhaben damals um Jahre zu verschieben, um erst einmal die Häuser rund um den zentralen Platz auf Vordermann zu bringen, hält er auch heute noch für die richtige Entscheidung. Nicht immer allerdings konnte sich Hanke mit seiner Fraktion durchsetzen. So fand der SPD-Vorschlag, das ehemalige Heizhaus in der Neustadt als Standort der Feuerwehr auszubauen, keine Mehrheit im Rat.

Weißenfelser Stadtrat nimmt Abschied

Auch beruflich hat der Diplom-Chemiker seine Spuren in Stadt und Landkreis hinterlassen. Als technischer Leiter des Zweckverbands hat er die heutigen Strukturen der Abfallentsorgung maßgeblich mit aufgebaut. „Das ist so etwas wie ein Lebenswerk“, meint er. Durchsetzungsvermögen und klare Entscheidungen gehörten dazu.

Nun hat sich Hanke, den es nach dem Krieg als Sudetendeutscher nach Weißenfels verschlagen hatte, für den Rückzug entschieden. Seiner Partei, deren Eintritt in die Große Koalition in Berlin er nach wie vor für einen Fehler hält, will er aber weiterhin treu bleiben. Nun bleibt mehr Zeit für sich und seine Frau. Und für den 600 Quadratmeter großen Garten. Auch wenn es nach einem Vierteljahrhundert noch schwerfällt loszulassen. (mz)