„Man müsste viel in die Infrastruktur investieren“

„Man müsste viel in die Infrastruktur investieren“: Offenbar kein Campen an der Saale

Weissenfels - Warum sich das Vorhaben an dieser Stelle nicht verwirklichen lässt.

Von Andreas Richter 24.04.2019, 05:00
Seit zwanzig Jahren gibt es einen Plan für die Einrichtung eines Zeltplatzes in Leißling. Doch ist das nun offenbar vom Tisch.
Seit zwanzig Jahren gibt es einen Plan für die Einrichtung eines Zeltplatzes in Leißling. Doch ist das nun offenbar vom Tisch. imago stock&people

Die Idee von einem Natur- und Erlebniscamp am Saaleufer in Leißling ist offenbar vom Tisch. Diesen Schluss lässt die jüngste Debatte im Kulturausschuss des Weißenfelser Stadtrates zu. Der Rat hatte die Stadt auf Antrag der CDU/FDP-Fraktion vor gut einem Jahr damit beauftragt, die Errichtung eines solchen Camps zu prüfen. Die Anregung für den Vorstoß kam von einem Vorhaben in der Nachbarkommune Bad Dürrenberg (Saalekreis). Dort wollen private Investoren ein Natur- und Erlebniscamp an der Saale errichten.

Biwakplatzes für Bootstouristen als Zeltplatz

In Leißling gibt es einen zwanzig Jahre alten rechtskräftigen Bebauungsplan für den Ausbau eines Biwakplatzes für Bootstouristen als Zeltplatz. Der Plan wurde jedoch nie umgesetzt. Nach dem Vorstoß im Stadtrat hatte sich die Kommune um eine unabhängige Einschätzung für das Vorhaben eines Zeltplatzes an der Fährbrücke bemüht. Im August 2018 war schließlich sogar der Präsident des Verbandes der Camping- und Freizeitwirtschaft Sachsen-Anhalt, Peter Ahrens, vor Ort. Das Ergebnis, über das jetzt im Kulturausschuss informiert wurde: Zwar sei der Standort an sich optimal für Radfahrer und Wasserwanderer, doch die vor zwanzig Jahren ausgewiesene Größe der Standplätze für Zelte und Caravans sei deutlich zu gering.

In dem alten Plan sind jeweils 35 Quadratmeter für ein Zelt vorgesehen. In der aktuell gültigen Verordnung über Campingplätze und Wochenendplätze ist jedoch ein Minimum von 70 Quadratmetern pro Stellplatz vorgeschrieben. Empfohlen werden 100 Quadratmeter. Das Fazit: Auf der derzeit zur Verfügung stehenden Fläche von 7.000 Quadratmetern ist „ein wirtschaftliches Betreiben mittel- und langfristig nicht möglich“.

„Da müsste man viel in die Infrastruktur investieren“

Die Errichtung eines Natur- und Erlebniscamps an der Saale hält auch Leißlings Bürgermeister Bernd Ringmayer für sehr schwierig. „Da müsste man viel in die Infrastruktur investieren“, meint er. Für viel realistischer hält er da den Ausbau des bereits vorhandenen Bootsanlegers an der Fährbrücke.

Der Kreistag hatte im Februar dieses Jahres ein Investitionsprogramm für den Ausbau des Wassertourismus beschlossen. Das Programm umfasst Investitionen in einem Umfang von insgesamt rund 1,5 Millionen Euro. Zehn Prozent davon will der Burgenlandkreis beisteuern. Im März hat der Landkreis bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt einen Fördermittelantrag gestellt. Dieser wird derzeit geprüft. Die Ertüchtigung des Bootsanlegers an der Saale in Leißling ist Bestandteil des Investplans des Kreises.

Alternative Standorte suchen

Die Stadt Weißenfels will die Vision eines Natur- und Erlebniscamps indes nicht völlig zu den Akten legen. Vielmehr will man nach einem alternativen Standort suchen. Dabei könnte auch der Ortsteil Uichteritz am anderen Saaleufer ins Blickfeld geraten. „Wir werden im Herbst über das Tourismuskonzept der Stadt beraten, dann wird auch ein Campingplatz weiter ein Thema sein“, kündigte Robert Brückner, Leiter des städtischen Kulturamtes, an. (mz)