Löschwasser

Löschwasser: Bahnhof in Großkorbetha für Extremfall nicht gerüstet

Grosskorbetha - Politiker und Fachleute in Sorge: Am Bahnhof in Großkorbetha fehlt leistungsfähiger Löschwasseranschluss.

Von Holger Zimmer 01.06.2017, 07:00

Es kommt zu Explosionen. Gas tritt aus, Feuerbälle steigen in den Himmel. Eine solche Katastrophe könnte es geben, wenn es auf dem Großkorbethaer Bahnhof zu einer Havarie kommt. Kesselwagen könnten in Flammen aufgehen. Anwohner wären gefährdet, weil Gas vom Westwind in Richtung Ortschaft geweht würde. Immerhin stehen hier Hunderte von Waggons mit Gefahrgut, bevor sie nach Leuna rollen.

Das Thema spielte am Dienstagabend im Großkorbethaer Ortschaftsrat eine Rolle. Bürgermeister Johannes Drewitz (parteilos) sieht am Dorfrand nämlich ein immenses Gefahrenpotenzial. Weil das bei der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans nicht ausreichend gewürdigt wurde, hat er Ende vergangenen Jahres im Stadtrat gegen das Papier gestimmt. Nun sagte er: „Wir sehen die Gefahr und müssen etwas tun.“

Nur im Extremfall wird es richtig brenzlig

Großkorbethas Wehrleiter Andreas Benold hatte im Vorfeld weiterer Diskussionen einen Gefahrenabwehrplan ausgearbeitet, den er nun vorstellte. Er sagte: „In den meisten Fällen können unsere Ortsfeuerwehren und die Leunaer Werkfeuerwehr die Lage leicht in den Griff bekommen.“

Nur im eingangs skizzierten Extremfall, der nur in einem Prozent der Fälle vorkommt, würde es richtig brenzlig. „Aber gerade auf den muss man vorbereitet sein“, sagte Manfred Helm. Der ehemalige Mitarbeiter im Amt für Brand- und Katastrophenschutz des Landratsamtes war privat gekommen. Das Thema interessierte ihn, weil es ihn seit 20 Jahren beschäftigt.

Feuerwehren aus Groß- und Kleinkorbetha zwangsläufig als erste vor Ort

Laut Benold werden die Feuerwehren aus Groß- und Kleinkorbetha zwangsläufig als erste vor Ort sein. Ihnen stehen nur wenige tausend Liter Wasser zur Verfügung. Deshalb sollen schnell Schläuche zu Löschteichen und Zisternen verlegt werden. In der Minute brauche man 6.000 Liter Wasser, um einen Waggon zu kühlen und dessen Explosion zu verhindern. Gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk sollen deshalb 2.000 Meter lange Schlauchleitungen zur Saale gelegt werden. Eine Evakuierung soll mit dem Deutschen Roten Kreuz erfolgen.

Laut Helm wird viel mehr Wasser gebraucht, um die Kesselwagen zu kühlen und dann abtransportieren zu können. Das gehe nur in Zusammenarbeit mit Leuna. Von dort müsste - wie in DDR-Zeiten - eine Standleitung für Wasser gebaut werden. Laut Wehrleiter Benold soll demnächst eine Ausbildung gemeinsam mit dem THW stattfinden, aber auch sonst sind Übungen notwendig. Immerhin reicht der potenzielle Gefahrenbereich bis zur Wengelsdorfer Kindereinrichtung, die über einen schmalen Weg schwer zu erreichen ist. (mz)