Lesung in Weißenfels

Lesung in Weißenfels: Stephan Ludwig lässt Zorn und Schröder wieder ermitteln

Weißenfels - Den sechsten Fall löst Hauptkommissar Claudius Zorn mit dem dicken Schröder im neuesten Band von Stephan Ludwig „Zorn - Wie du mir“. Doch wie, das bleibt im Dunkeln bei der Lesung im Fürstenhaus in Weißenfels am Mittwochabend. Verraten wird nur, dass er sich um die Leiche eines jungen Mannes dreht, die an einem Baum am Fluss festgebunden und -genagelt ist. Und dass auf deren Telefon eine Zorn bekannte Nummer als letzte gewählt wurde und das den Kriminalisten vor ein schier unlösbares moralisches Dilemma ...

Von Heike Riedel 11.11.2016, 17:00

Den sechsten Fall löst Hauptkommissar Claudius Zorn mit dem dicken Schröder im neuesten Band von Stephan Ludwig „Zorn - Wie du mir“. Doch wie, das bleibt im Dunkeln bei der Lesung im Fürstenhaus in Weißenfels am Mittwochabend. Verraten wird nur, dass er sich um die Leiche eines jungen Mannes dreht, die an einem Baum am Fluss festgebunden und -genagelt ist. Und dass auf deren Telefon eine Zorn bekannte Nummer als letzte gewählt wurde und das den Kriminalisten vor ein schier unlösbares moralisches Dilemma stellt.

Statt die Auflösung des Falls stellt der Autor aus Halle sich selbst als guter Live-Unterhalter vor, der sein sechstes im Fischer-Taschenbuch-Verlag erschienenes Buch in eine gute Verkaufsposition bringen kann. Es muss gar nicht unbedingt um den Fall gehen, sondern auch die ausgewählten Textpassagen um das freundschaftliche Verhältnis von Zorn, dessen Chef mittlerweile ja Schröder ist, machen Lust auf mehr.

Einblicke in Zorns Männerwirtschaft

Ob es Essgewohnheiten sind, der Umgang mit Edgar, Zorns zweijährigem Sohn, Einblicke in Zorns Männerwirtschaft - es entsteht ein breit gefächertes Bild von den Ermittlern und ihrem scheinbar alltäglichen Leben. Ludwig erweist sich als Künstler der detaillierten Beobachtung und vermag diese auch anregend in seinen Geschichten an die Leser weiterzugeben. Und um ganz sicher zu gehen, dass seine Zuhörer bei ihm bleiben und sich immer wieder erwartungsvoll fragen, wohin sie die Lesung führen soll, baut er Überraschungsmomente in sein Programm ein.

So legt er das Smartphone auf den Tisch neben sich, weil es geklingelt haben soll - vermutlich wohl aber, um die Zeit im Blick zu behalten. Immer wieder spricht er das Publikum an. Zwischendurch lässt er ein oder gar zwei einzelne Töne mal auf dem Klavier spielen.

Als Theatertechniker, Musiker und Rundfunkproduzent von Comedys hat Ludwig berufliche Erfahrungen. Das Vatersein für drei Töchter und einen Sohn hält ihn jung. Das Querdenken und den Humor pflegt er unter anderem in seiner Freundschaft mit Olaf Schubert. Der Bühnenmann mit dem Pullunder ist irgendwie auch beteilt gewesen, als der Hallenser vor sechs Jahren zufällig zum Schreiben kam. Und möglicherweise auch daran, dass Ludwig die Mütze als Markenzeichen pflegt. (mz)