Leißlinger Saaleufer

Leißlinger Saaleufer: 16-tonnenschweres Brückenteil schwebt über der Saale

Leissling - Es hatte sich herumgesprochen, dass am Mittwochmittag etwas Besonderes am Leißlinger Saaleufer geschehen würde. Und so tummelten sich rund 100 Schaulustige auf beiden Seiten des Flusses, um einem weiteren Höhepunkt beim Bau der langersehnten Fußgängerbrücke beizuwohnen. Konkret wurde der erste von insgesamt fünf großen Brückenabschnitte errichtet. Ganze 16 Tonnen wiegt das 4,50 Meter breite Brückenteil, an dem bereits das Geländer befestigt ist. „Der erste Abschnitt wird in der Mitte angebracht, damit beide Seiten symmetrisch belastet werden“, erklärte Katharina Vokoun, Sprecherin der Stadt ...

Von Jan Iven 07.07.2016, 10:13

Es hatte sich herumgesprochen, dass am Mittwochmittag etwas Besonderes am Leißlinger Saaleufer geschehen würde. Und so tummelten sich rund 100 Schaulustige auf beiden Seiten des Flusses, um einem weiteren Höhepunkt beim Bau der langersehnten Fußgängerbrücke beizuwohnen. Konkret wurde der erste von insgesamt fünf großen Brückenabschnitte errichtet. Ganze 16 Tonnen wiegt das 4,50 Meter breite Brückenteil, an dem bereits das Geländer befestigt ist. „Der erste Abschnitt wird in der Mitte angebracht, damit beide Seiten symmetrisch belastet werden“, erklärte Katharina Vokoun, Sprecherin der Stadt Weißenfels.

Doch wie beginnt man den Bau einer Brücke über einen Fluss in der Mitte? Soll der erste Abschnitt etwa fliegen? Zumindest bei einer Hängebrücke ist diese Vorgehensweise möglich. Das Ziel: Der erste Abschnitt wird an den Stahlseilen befestigt, die zwischen den beiden Stahlträgern an beiden Ufern in luftiger Höhe gespannt sind.

Anwohner und Medienvertreter verfolgen Spektakel vom Flussufer

Doch zunächst muss das erste Teil in die Mitte der Saale gehievt werden. Bereits in der Nacht war der Brückenabschnitt mit einem Schwerlasttransporter ans Leißlinger Ufer angeliefert worden, wie Stadtsprecherin Katharina Vokoun mitteilte. Gegen 13 Uhr sollte das Stahlgebilde vom Lkw am Ufer auf einen schwimmenden Ponton auf der Saale umgeladen werden. Doch die Bauarbeiter müssen noch einige Vorbereitungen für den Kraftakt treffen und die Stahlseile an der Hängekonstruktion befestigen.

Die vielen Schaulustigen sahen fasziniert zu, zücken ihre Mobiltelefone und fotografieren. Schon seit Jahrzehnten sehnen sich die Anwohner nach einer Brücke. Bisher müssen sie einen Umweg über Weißenfels in Kauf nehmen, wenn sie auf die andere Seite wollen. Medienvertreter von verschiedenen Tageszeitungen und ein Fernsehsender sind an diesem Tag in Leißling, um über den Fortschritt an dem 2,5 Millionen teuren Bauwerk zu berichten.

Auch die beiden ehemaligen Arbeitskollegen Siegfried Coppi und Gottfried Fritzsch aus der Region stehen am Flussufer. „Wir wollten heute eigentlich mit einem Schluck Bier auf die fertigen Arbeiten anstoßen. Aber jetzt scheint es sich doch noch etwas hinzuziehen“, sagte der 65-jährige Leißlinger Siegfried Coppi. Das Bier ist mittlerweile auch schon fast alle.

100-Tonnen-Kran übt sich im Fingerspitzengefühl

Doch nachdem das Brückenteil mit mehreren Seilen gesichert ist, wird es von einem kräftigen 100-Tonne-Kran langsam vom Lkw in die Höhe gezogen. Fast in Zeitlupe schwebt die Stahlkonstruktion vom Lkw über den Fluss auf den schwimmenden Ponton zu.

Beim Abladen lassen sich die Bauarbeiter Zeit, da die Fracht genau auf der schwimmenden Fläche zentriert werden muss. Denn sonst besteht die Gefahr, dass die schwerer Stahlkonstruktion in den Fluss rutschen könnte. Doch schließlich setzt das Brückenteil sicher auf. Geschafft. Das Brückenteil ruht auf dem schwimmenden Ponton am Ufer. Später wird der Ponton in die Mitte des Flusse gefahren und der Abschnitt an den über die Saale hängenden Stahlseilen befestigt.

Touristischer und verkehrstechnischer Fortschritt

Nach rund eineinhalb Stunden ist das Manöver beendet und die Zuschauer verlassen das Saaleufer. Viele von ihnen sind begeistert von dem Baufortschritt, darunter auch Jochen Pfeiffer aus Weißenfels. „Wunderbar, einfach einwandfrei“, sagte der 65-Jährige Rentner über die Ausführung der Bauarbeiten.

Auch auf die Brücke, sofern sie denn hoffentlich planmäßig Ende November diesen Jahres eingeweiht werden kann, freue sich der Weißenfels sehr. „Das ist schon praktisch, wenn man den Fluss bei Leißling mit dem Fahrrad überqueren kann“, sagt Jochen Pfeiffer. Nicht zuletzt für Lobitzsch und Leißling sei die Verbindung eine große Bereicherung, da man sich dann leichter besuchen kann. „Auch touristisch ist die Brücke sinnvoll, weil Besucher nun vom Leißlinger Bahnhof direkt nach Goseck mit dem Rad fahren können“, findet Jochen Pfeiffer. (mz)