Lehrermangel in Weißenfels

Lehrermangel in Weißenfels: Grundschule schrumpft auf eine erste Klasse

Burgwerben - An der Freien Grundschule Weißenfels wird in diesem Jahr nur eine erste Klasse eingeschult. Dabei ist der Bedarf deutlich größer.

Von Andrea Hamann-Richter 10.07.2017, 10:22

Der Lehrermangel in Sachsen-Anhalt wird immer größer. Davon sind auch die Schulen im Burgenlandkreis betroffen. Ein aktuelles Beispiel ist die Freie Evangelische Grundschule Weißenfels in Burgwerben. Im kommenden Schuljahr wird es dort nicht zwei, sondern nur noch eine erste Schulklasse geben. Dabei ist der Bedarf viel größer. Eltern musste abgesagt werden. Das findet niemand gut.

„Die Not ist überall so groß“, sagt Thomas Schmidt. Er ist der Geschäftsführer der Schule. Der Mann verweist auf Wittenberg. Dort musste eine Schule vor den großen Ferien tagelang schließen, weil wegen Lehrermangels der Unterricht nicht stattfinden konnte.

Geschäftsführer Schmidt berichtet von ähnlich prekären Verhältnissen an anderen Schulen

Schmidt kennt aber auch Kollegen an staatlichen Schulen. Diese berichten ihm von ähnlichen Verhältnissen. Diese Angestellten scheuten sich aber Angst, an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn sie befürchten, dass ihr Arbeitgeber, das Land, ihnen Schwierigkeiten macht, wenn sie die Zustände öffentlich beklagen. Thomas Schmidt aber macht den Mund auf. Die evangelische Grundschule ist privat und somit gibt es keine Befangenheit zu einem Träger oder Amt.

„Wir mussten Eltern enttäuschen“, sagt er. Denn die Nachfrage auf einen Platz an der Schule ist groß. Es kommen sogar Eltern aus Goseck oder Teuchern, um ihre Kinder in der Einrichtung unterrichten zu lassen, weil sie von diesem Konzept überzeugt sind. Schmidt weiß, wo der Grund für dieses Desaster liegt.

Das sind laut Schmidt die Gründe für den Lehrermangel

Vor etwa zehn Jahren gab es Prognosen über die Schulentwicklung. Die sahen nicht gut aus. Studienplätze und Referendarstellen wurden gekürzt. Außerdem gingen viele Lehrer in Rente. Nun bekommen die Menschen aber wieder mehr Kinder. Doch es gibt jetzt einfach nicht mehr genügend Lehrer für sie.

Außerdem gehen die Fachkräfte lieber in die alten Bundesländer. Es locken attraktivere Gehälter und Beamtenstatus. „Zumindest den will Sachsen-Anhalt wieder erheben“, sagt Schmidt. Aber der Geschäftsführer hat andere Pfunde, mit denen er wirbt. „Wir haben ein tolles Klima und ein tolles Miteinander“, schwärmt er von der Atmosphäre in Burgwerben.

In Burgwerben gab es schon im vergangenen Jahr Engpässe bei der Unterrichtsversorgung

Im vergangenen Jahr hatte es schon Engpässe gegeben. Aber Unterrichtsausfall konnte verhindert werden. „Kollegen haben sich gegenseitig unterstützt“, so Thomas Schmidt. „Ich habe ein wirklich tolles Team“, lobt der Mann.

Aber das löse das Problem des Lehrermangels nicht. Noch mindestens fünf Jahre werde es das geben. „Denn es müssen ja erst wieder Fachleute ausgebildet werden“, erklärt er. Bis dahin werde das Tauziehen um die wenigen Fachkräfte nicht aufhören. Dann greift er in seinen Rucksack. Ein weißer Umschlag kommt hervor. Es ist eine frisch eingegangene Bewerbung. Sie lässt den Mann hoffen.

Landesschulamt Sachsen-Anhalt sucht weiter Lehrer

Das Landesschulamt Sachsen-Anhalt teilt auf MZ-Nachfrage mit, dass mit Hochdruck am Problem gearbeitet wird. Derzeit laufen noch Ausschreibungen für die offenen Stellen.

Landesweit gibt es 350 Einstellungsoptionen an allgemeinbildenden Schulen und 20 an berufsbildenden Schulen. Im Burgenlandkreis sind 22 Stellen ausgeschrieben.

Es werde damit gerechnet, dass es im September dieses Jahres noch Nachausschreibungen geben werde, so die Sprecherin des Landesschulamtes. (mz)