Lärmschutz in Borau

Lärmschutz in Borau: Aufhebung von Parkverbot soll jetzt Lkw ausbremsen

Borau - Die Bemühungen der Anwohner der Selauer Straße in Borau um eine Verminderung der Verkehrsbelastung scheinen erste Früchte zu tragen. Wie auf der Sitzung des Ortschaftsrates am Mittwochabend informiert wurde, hat die Stadt der Aufhebung des Parkverbots in der Straße zugestimmt. Die Anwohner hoffen, dass parkende Fahrzeuge entlang der Straße diese vor allem für Lkw weniger attraktiv machen beziehungsweise die Transporter zu einer langsameren Durchfahrt ...

Von Andreas Richter 27.05.2016, 05:00

Die Bemühungen der Anwohner der Selauer Straße in Borau um eine Verminderung der Verkehrsbelastung scheinen erste Früchte zu tragen. Wie auf der Sitzung des Ortschaftsrates am Mittwochabend informiert wurde, hat die Stadt der Aufhebung des Parkverbots in der Straße zugestimmt. Die Anwohner hoffen, dass parkende Fahrzeuge entlang der Straße diese vor allem für Lkw weniger attraktiv machen beziehungsweise die Transporter zu einer langsameren Durchfahrt zwingen.

Risch zweifelt an Parkverbot-Vorhaben

Nachdem die Entscheidung zur Aufhebung des Parkverbots bereits vor vier Wochen gefallen sein soll, sind die Parkverbotsschilder jedoch bis Donnerstag noch nicht abgebaut worden. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) begründete den Zeitverzug mit personellen Engpässen in der Verwaltung. Eine Firma sei mit Arbeiten zur Änderung der Verkehrsführung in Weißenfels beauftragt worden. Dazu zähle neben der Selauer Straße unter anderem auch die angekündigte Aufhebung der Einbahnstraßenregelung in einem kurzen Abschnitt der Saalstraße. Risch meldete zudem Zweifel an, ob die Aufhebung des Parkverbots tatsächlich die erhoffte Wirkung bringt. „Die Lkw werden nur häufiger bremsen und wieder anfahren“, glaubt er.

Tonnagebegrenzung und Tempolimit

Die geplante Änderung ist allerdings nur ein kleiner Teil eines ganzen Maßnahmepakets, das die Anwohner zur Minderung der Verkehrsbelastung in der Durchfahrtsstraße im Weißenfelser Ortsteil verlangen. Ihre wichtigsten Forderungen: Eine Tonnagebegrenzung für Lkw und ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Derzeit sind 50 erlaubt. Vor allem Lkw, die mit dieser oder noch höherer Geschwindigkeit von und zur Autobahn fahren, rauben den Anwohnern die Ruhe. In dieser Hinsicht konnte Risch die Borauer auf der Sitzung des Ortschaftsrates allerdings nur um Geduld bitten. Derzeit liege kein „belastbares Zahlenmaterial“ vor, auf dessen Grundlage solche Maßnahmen durchgesetzt werden könnten. Die letzten Daten zum Verkehrsaufkommen in der Selauer Straße stammen aus dem Jahr 2010. Seinerzeit, so erinnerte Risch, hätten die Zahlen keine Grundlage für verkehrsberuhigende Maßnahmen ergeben.

1.000 Lkw in 24 Stunden

Im dritten Quartal des vergangenen Jahres hatte allerdings eine neue Verkehrszählung auf der Landesstraße stattgefunden. Die Ergebnisse liegen jedoch bis heute nicht vor. „Vor der Sommerpause bekommen wir keine Zahlen“, sagte Risch. Er habe die Auskunft erhalten, dass das Land erst dann eine Gesamtübersicht zur Verkehrsbelastung in verschiedenen Gebieten herausgebe. Teilergebnisse würden vorher nicht veröffentlicht.

Im Herbst 2015 hatten Anwohner selbst die Lkw-Durchfahrten durch ihren Ort gezählt. Dabei kamen sie auf mehr als 1.000 in 24 Stunden. Diese Zahlen allerdings, so betonte der Verwaltungschef nochmals, würden nicht als Grundlage für verkehrsberuhigende Maßnahmen auf der Strecke angesehen.

Wenngleich ein wenig Bewegung in die Angelegenheit gekommen ist, so wollen die Borauer nicht nachlassen. Im Februar dieses Jahres hatten sie mit einer kurzzeitigen Blockade der Selauer Straße auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht. „Wir bleiben dran“, sagt Anwohnerin Adelheid Pricha. So wollen einige Bürger alsbald Transparente an ihren Grundstücken anbringen, an denen sie dem Rest der Welt verkünden, dass sie vom Verkehrslärm die Nase voll haben. (mz)