Landrat verzeichnet Entspannung

Landrat verzeichnet Entspannung: Weniger Flüchtlinge in der Region

Weißenfels - Integration ist im Burgenlandkreis kaum noch ein Aufreger, bleibt aber Herausforderung.

Von Jan Iven 27.10.2017, 08:01

Vor zwei Jahren war der Andrang groß, als in der Sporthalle am Weißenfelser Südring über die Flüchtlinge diskutiert wurde. Bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend im Goethegymnasium zum selben Thema war das Interesse mit 40 Zuhörern hingegen überschaubar.

„Wir hätten wohl berücksichtigen sollen, dass heute RB Leipzig gegen Bayern München spielt“, sagte Landrat Götz Ulrich (CDU) nicht ganz ernst gemeint. Wie der Verlauf des Abends zeigte, polarisieren die Flüchtlinge offenbar längst nicht mehr so sehr wie früher.

2.000 Menschen aus sogenannten Drittstaaten im Burgenlandkreis

Die Zahlen, die der Landrat mitgebracht hatte, zeugten von einer gewissen Entspannung. Lebten Anfang 2016 noch über 3.000 Menschen aus sogenannten Drittstaaten im Burgenlandkreis, sind es heute noch 2.000. War die Mehrheit von ihnen damals Asylbewerber, wurden viele inzwischen als Flüchtling anerkannt. „Wer kein Bleiberecht hat, muss aber auch in seine Heimat zurückkehren“, sagte der Landrat. So wurden seit 2015 mehr als 280 Migranten aus dem Kreis abgeschoben. Zu einer freiwilligen Ausreise konnten demnach 550 Menschen ohne Aufenthaltsstatus bewegt werden.

Jedoch räumte auch der Landrat ein, dass nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen“, sei. Ein älterer Zuhörer berichtete etwa, dass er auf der Straße von einem Ausländer als „Nazi“ beschimpft worden sei. Solche Fälle gebe es, bestätigte der Landrat, sie seien jedoch eher die Ausnahmen: „Es ist aber nachvollziehbar, dass solche Erlebnisse leider einen prägenden Eindruck hinterlassen.“

Burgenlandkreis sucht neuen Bildungskoordinator für Neuzugewanderte

Um die Integration zu unterstützen, sucht der Burgenlandkreis einen neuen Bildungskoordinator für Neuzugewanderte. Das Problem: Es müssen Bildungsangebote für Flüchtlinge geschaffen werden, die zum Teil über sehr unterschiedliche Voraussetzungen verfügen.

Weißenfels kommt im Burgenlandkreis eine Sonderrolle zu. Von den rund 5 100 Ausländern in der Stadt stammen 4 000 aus EU-Staaten. Darunter sind viel Osteuropäer, die bei Tönnies arbeiten. „Die Stadt Weißenfels hat für sie schon vor einiger Zeit eine polnische Muttersprachlerin als Ansprechpartnerin angestellt“, sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos). Ein Schritt, für den es vom Landrat viel Lob gab. „Weißenfels ist bei der Integration im Burgenlandkreis beispielhaft“, sagt Götz Ulrich.

Bei der Bürgerversammlung wurde ein kurzer Film über Flüchtlinge in Weißenfels gezeigt. „Ein Problem bei der Integration ist, dass Flüchtlinge und Deutsche lieber unter sich bleiben“, sagt darin ein junger Syrer im mittlerweile fast schon perfekten Deutsch. Es bleibt also offenbar noch einiges zu tun. (mz)