Kritik nach Umbau

Kritik nach Umbau: Bremsen Busse in Zeitzer Straße den Verkehr aus?

Weißenfels - Bushaltestellen müssen schon bald barrierefrei sein. Doch der Umbau ruft in Weißenfels auch Kritiker auf den Plan. Und das nicht nur wegen der Kosten.

Von Alexander Kempf 22.11.2018, 08:18

Mit der neugestalteten Bushaltestelle in der Zeitzer Straße hadert Peter Kungl. Dem CDU-Stadtrat erschließt sich nicht, warum auf der sonst so breiten Straße ein Nadelöhr geschaffen worden ist.

„Wenn da ein Bus hält, ist Ende Gelände“, sagt er verstimmt. Bisher hätte die Zeitzer Straße, auch wenn ein Bus hält, mühelos Platz für Verkehr und Gegenverkehr geboten. Da die neue Bushaltestelle nun aber so weit in die Straße hineinragt, kann es vorkommen, dass sich Autofahrer hinter einem haltenden Bus gedulden müssen. Für Peter Kungl ist das ein Ärgernis. „Wollen wir jetzt die ganze Stadt zur verkehrsberuhigten Zone machen?“, mosert er.

Zu breite Bushaltestelle?: „Das ist der Lauf der Dinge“

Doch der Weißenfelser Bauamtsleiter Andreas Bischoff verteidigt die neu gestaltete Bushaltestelle, welche genau so umgesetzt wurde, wie zuvor auch geplant. Er erachtet es nicht als Problem, dass Peter Kungl und andere Autofahrer nun mitunter hinter einem haltenden Bus warten müssen. „Das ist der Lauf der Dinge“, kommentiert der Bauamtsleiter die Kritik.

Zugleich erinnert er daran, dass alle Kommunen dazu verpflichtet sind, die Barrierefreiheit von Bushaltestellen zu gewährleisten. So verlangt es ein Bundesgesetz. Bis 2021 haben die Städten und Gemeinden noch Zeit, die Haltestellen zu erneuern. „Falls das nicht eingehalten wird, kann es sein, dass Bushaltestellen geschlossen werden. Das wollen wir nicht“, erläutert Andreas Bischoff.

Umbau der Bushaltestellen in Weißenfels ist für die Stadt teuer

Für die Kommune stellt die Erneuerung der Bushaltestellen eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Laut Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) belaufen sich die Kosten für jede Bushaltestelle zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Das Land hat ein Förderprogramm in Aussicht gestellt. Noch gibt es das nicht. Dabei verfügt allein die Weißenfelser Kernstadt über 120 Haltestellen. Die Verwaltung geht von Gesamtkosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro aus, um alle zu ertüchtigen.

Wie bei den Bushaltestellen nachgerüstet wurde

Zunächst werden nun jene Haltestellen erneuert, so Bauamtsleiter Andreas Bischoff, bei denen die Aussichten auf Zuschüsse schlecht stehen. Nachgerüstet werden je nach der bisherigen Ausstattung der Haltepunkte abgesenkte Bordsteine, rutschfeste Oberfläche oder auch ein Leitsystem für Sehgeschädigte. Das alles kostet Geld. Allein in diesem Haushaltsjahr hat die Stadt 240.000 Euro für den barrierefreien Ausbau vorgesehen.

Angesichts solcher Kosten gibt es auch kritische Stimmen. „Behinderte vor und zurück. Wir müssen aber auch ein bisschen auf unser Geld achten“, sagt etwa CDU-Stadtrat Kungl.

In Schönburg muss die Bushaltestelle verlegt werden

Der Burgenlandkreis hat im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr 160.000 Euro eingeplant, um neue Bushaltestellen zu bauen, beispielsweise in Schönburg. Dort muss der bisherige Haltepunkt verlegt werden. Denn um die Barrierefreiheit an einer Bushaltestelle zu gewährleisten, braucht es einen Gehweg von mindestens 2,5 Meter Breite, erklärt Lutz Däumler, Chef der Personenverkehrsgesellschaft Burgenlandkreis. „Das ist aber nicht überall gegeben“, so Däumler. Also muss zuweilen wie etwa im Fall Schönburg auf andere Standorte ausgewichen werden. (mz)