Kreissportbund

Kreissportbund : Stadt Weißenfels will Betriebskosten auf Vereine abwälzen

Weißenfels - Weißenfelser Eigenbetrieb will die Vereine stärker an den Betriebskosten beteiligen. Warum der Kreissportbund das sehr skeptisch sieht.

Von Birger Zenter 25.09.2016, 18:57

Beim Kreissportbund schrillen die Alarmglocken. Die Stadt Weißenfels will die Betriebskosten für die Nutzung von Sportstätten bis zu einhundert Prozent auf die Sportvereine abwälzen.

So wird es im Moment von einigen Sportvereinen dargestellt. „Bei uns haben sich bereits einige Vereine bitterlich beklagt“, sagt Rayk Peiser, Geschäftsführer des Kreissportbundes. Namen will er nicht nennen. „Die Vereinsvertreter befürchten, wenn sie ihren Protest laut kundtun, dann könnten sie vielleicht bei der Vergabe von Hallenzeiten künftig den Kürzeren ziehen“, sagt Peiser.

Klausurtagung für Dienstag angesetzt

Das sei Unsinn, kontert die Leiterin des städtischen Sport- und Freizeitbetriebes Viola Schikorr. Es gebe zwar tatsächlich Vorschläge zur Veränderung der Beteiligung an den Betriebskosten, aber „wir wollen das gerade mit den Vereinen diskutieren“, erklärt sie.

Am Dienstag wird es eine Klausurtagung des Betriebsausschusses geben, zu dem alle Vorsitzenden von Weißenfelser Sportvereinen eingeladen sind.

Peiser dagegen traut dem Frieden nicht so recht. „Kommt es zu Erhöhungen, dann geht es grundsätzlich an die Schmerzgrenzen der Vereine“, sagt er. Und er führt das Sportfördergesetz des Landes an, nach dem maximal 50 Prozent der Betriebskosten überhaupt den Sportvereinen aufgetragen werden dürfen.

Bis zu 100 Prozent der Betriebskosten

Einer der Vorschläge des städtischen Eigenbetriebes, der die Sportstätten sowie das Kulturhaus verwaltet, läuft tatsächlich auf eine drastische Neuerung hinaus. Vereine, denen Sportstätten zur vorrangig alleinigen Nutzung überlassen werden, sollen demnach die Betriebskosten zu 100 Prozent übernehmen.

Das könnte vor allem Vereine in den eingemeindeten Ortsteilen treffen. Daraus macht Schikorr auch keinen Hehl. „Wir wollen eine Gleichbehandlung der Sportvereine“, sagt sie. Und gerade in Ortsteilen habe mancher Verein bis zu 25 Jahre geltende Verträge über betriebskostenfreie Nutzung der Sportstätten. „Das gibt es in der Kernstadt nicht“, argumentiert Schikorr.

Ein zweiter Vorschlag des Eigenbetriebs ist, die bisher von den Vereinen erhobene Pauschale von fünf Euro pro erwachsenem Mitglied auf zehn Euro zu erhöhen und für Vereinsmitglieder von vier bis unter 18 Jahren einen Euro zu fordern. „Das sind zwar nur fünf Euro, die mehr gezahlt werden sollen, aber für die Vereine wird das schmerzlich“, hält Peiser dagegen.

Für einen Verein mit 150 Mitgliedern wären das 750 Euro pro Jahr mehr. Das würde sich auf die Mitgliedsbeiträge auswirken, die derzeit im Schnitt bei 80 bis 100 Euro liegen. „Denn die Vereine haben ja eine Vielzahl von Ausgaben, zum Beispiel für die Übungsleiterausbildung“, erklärt Peiser. Das sei alles sehr knapp kalkuliert.

Und schließlich will der Eigenbetrieb bei Wettspielen, zu denen mehr als 500 Zuschauer kommen, mit zehn Prozent an den Zuschauereinnahmen beteiligt werden.

Im Moment generieren lediglich der Mitteldeutsche Basketball Club sowie der Floorballclub UHC Weißenfels regelmäßig solche Zuschauerzahlen, die allerdings gesonderte Verträge mit der Stadt haben.

Schikorr verweist aber auch auf den Tanzsportclub, der bei seinen Veranstaltungen durchaus in die Größenordnung vorstoße. „Und wenn es solche Fußballspiele gibt wie im Pokalduell zwischen den 1. FC Weißenfels und dem HFC, dann würde das in der Zukunft auch auf diese Veranstaltungen zutreffen.“

Kreissportbund hält Vorschlag für nicht hinnehmbar

Für Peiser sind alle Vorschläge aufgrund der Finanzen von Sportvereinen problembehaftet. „Ohnehin haben sie kaum Geld übrig, um zum Beispiel Eigenmittel aufzubringen, wenn sie per Fördermittel Investitionen vornehmen wollen.“

Die Kommunen sollten sich immer wieder vor Augen halten, was sie an den Vereinen haben, welche soziale Rolle sie spielen. Es sei eine Umverteilung von Geld der Bürger oder von Sponsoren an die Stadt. Aus Sicht des Kreissportbundes demzufolge keinen gute Idee.

Schikorr verweist andererseits darauf, dass der Eigenbetrieb mit seine 28 Sportstätten jährlich 1,2 Millionen Euro Betriebskosten habe. Insgesamt betrage das Jahresdefizit 1,7 Millionen Euro.

Der Ausgleich komme vor allem aus der Gewinnausschüttung der Stadtwerke. „Wir haben uns keine Vorgaben gemacht, wieviel Geld reinkommen soll“, sagt Schikorr, „aber wir wollen das mit den Vereinen diskutieren.“ Am Dienstag könne bei der Klausurberatung jeder Vereinsvorsitzende seinen Probleme und Schmerzgrenzen deutlich machen. Erst danach gebe es Beschlussvorschläge. (mz)