Kommen bald die Leipziger?

Kommen bald die Leipziger?: Was Weißenfels dem Zuzug aus Sachsen bieten kann

Weissenfels - Mancher erinnert sich vielleicht noch an den Werbespruch Leipzigs in den Neunzigern. „Leipzig kommt“, hieß es da selbstbewusst auf Stickern und Plakaten. Tatsächlich war das wohl mehr Wunsch als Wirklichkeit. Denn bis zur pulsierenden Boomtown, die jährlich um Tausende Einwohner wächst, war es da für die sächsische Metropole noch ein weiter Weg. Mittlerweile entwickelt sich die Stadt so dynamisch, dass angesichts steigender Mieten auch das Umland für Leipziger immer attraktiver wird. Heißt es also bald nicht mehr „Leipzig kommt“, sondern „Die Leipziger ...

Von Alexander Kempf 02.08.2019, 05:00
Reicht dieser Trend des Zuzugs aus Leipzig auch bis nach Weißenfels?
Reicht dieser Trend des Zuzugs aus Leipzig auch bis nach Weißenfels? imago stock&people

Mancher erinnert sich vielleicht noch an den Werbespruch Leipzigs in den Neunzigern. „Leipzig kommt“, hieß es da selbstbewusst auf Stickern und Plakaten. Tatsächlich war das wohl mehr Wunsch als Wirklichkeit. Denn bis zur pulsierenden Boomtown, die jährlich um Tausende Einwohner wächst, war es da für die sächsische Metropole noch ein weiter Weg. Mittlerweile entwickelt sich die Stadt so dynamisch, dass angesichts steigender Mieten auch das Umland für Leipziger immer attraktiver wird. Heißt es also bald nicht mehr „Leipzig kommt“, sondern „Die Leipziger kommen“?

Leipziger Umland verzeichnet Zuwachs beim Zuzug in zweistelliger Höhe

Auf sächsischer Seite ist schon jetzt zu beobachten, dass die große Mehrheit der Gemeinden ringsum Leipzig mehr Zuzüge aus der Messestadt als Fortzüge in diese verzeichnen. Und zwar unabhängig von der Himmelsrichtung. Am stärksten vom Zuzug aus der Großstadt profitieren im Jahr 2018 Delitzsch im Norden, Taucha im Osten, Markkleeberg im Süden und Markranstädt im Südwesten. Sie konnten jeweils über einhundert mehr Neubürger aus Leipzig begrüßen, als dorthin abwanderten.

Das westlich von Leipzig gelegene Schkeuditz gehörte 2018 indes nicht zu den Gewinnern und verlor Bürger an Leipzig. Eine Erklärung dafür könnte der wachsende Flugverkehr sein. Im Süden der Großstadt gibt es hingegen fast ausnahmslos Gewinner. Ob Pegau, Groitzsch oder Zwenkau - sie alle verzeichnen im Wettbewerb mit Leipzig Zuwachs in zweistelliger Höhe. Das jedenfalls legen Zahlen des Amtes für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig nahe.

Höhenmölsen interessant für jüngere Menschen aus Leipzig

Doch reicht dieser Trend auch bis nach Sachsen-Anhalt? In Hohenmölsen gibt es dafür erste Anzeichen. Laut der Stadtverwaltung sind dort 2018 immerhin 29 Menschen von Leipzig nach Hohenmölsen gezogen. In die andere Richtung waren es in der gleichen Zeit nur 22 Menschen. Damit konnte die Kleinstadt im Wettbewerb mit der Großstadt punkten, wenn auch nur im niedrigen einstelligen Bereich.

Interessant ist Hohenmölsen dabei offenbar vor allen Dingen für jüngere Menschen. „Der weit überwiegende Teil der Zuzüge sind junge Leute und junge Familien“, erklärt Luisa Beyer von der Stadtverwaltung auf Nachfrage. Die meisten Zugezogenen aus Leipzig sind in den Achtzigern und Neunzigern geboren worden. Mit den Eltern sind auch junge Kinder nach Hohenmölsen gezogen. Dass die Stadt diese Entwicklung weiter fördern will, zeigt wie sehr sie sich für eine schnellere Straßenanbindung nach Leipzig einsetzt. Beim Bau des neuen Zubringers ist Hohenmölsen die treibende Kraft.

Mehr Weißenfelser ziehen nach Leipzig als umgekehrt

Profitieren wird von der schnelleren Anbindung auch Lützen. Das hat laut des Leipziger Amtes für Statistik und Wahlen im vergangenen Jahr 73 Leipziger für sich gewinnen können. Da im gleichen Zeitraum nur 41 Lützener in die Großstadt zogen, gehört die Kleinstadt also auch zu den Gewinnern. Und das ist keine Momentaufnahme, sondern schon im dritten Jahr in Folge so. Wobei der Zuwachs aus Leipzig 2018 noch einmal gestiegen ist.

Was Lützen und Hohenmölsen gelungen ist, schafft Weißenfels noch nicht. Denn hier weisen die Zahlen des Leipziger Amtes für Statistik und Wahlen bei der Bevölkerungswanderung die Großstadt als Gewinner aus. 114 Weißenfelser verabschiedeten sich 2018 nach Leipzig. Im Gegenzug verlagerten nur 76 Leipziger ihren Wohnsitz von der Pleiße an die Saale. Unterm Strich steht für Weißenfels somit ein Minus von 38 Personen. Im Jahr zuvor waren es nur 14 Abgänge.

Weißenfels die perfekte Mischung: Ärtze, Kita und gute Bahnanbindung

Die Weißenfelser Stadtverwaltung kann aufgrund ihrer Verwaltungssoftware nicht genau benennen, wie viele Abgänge und Fortzüge sie mit Leipzig oder anderen Städten verbindet. Das manuell zu prüfen wäre laut Stadtsprecherin Katharina Vokoun zwar möglich, aber ein zu großer Aufwand. Was die Saalestadt Leipzigern bieten kann, das lässt sich viel leichter benennen. „Wer vom Großstadttrubel genug hat, aber auch nicht gleich die Einsamkeit auf dem Land sucht, findet in Weißenfels die perfekte Mischung“, sagt die Stadtsprecherin. Ob Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Kitas, Schulen – alles sei in Weißenfels ausreichend vorhanden.

Auch die gute Bahnanbindung sollte eigentlich für Weißenfels sprechen. In der Praxis bevorzugen aber offenbar viele, lieber nach Weißenfels zu pendeln, als hierher zu ziehen. Etwa 6500 Weißenfelser pendeln täglich ins Ballungsgebiet Leipzig-Halle aus, schätzt die Stadtverwaltung. Umgekehrt pendeln genauso viele nach Weißenfels, um hier zu arbeiten, darunter auch Leipziger. Um diese Pendler zu Einwohnern zu machen, müssten die vorhandenen „weichen Standortfaktoren“ ausgebaut werden, heißt es aus dem Rathaus. Vermisst würden seitens der Pendler etwa ein Hallenbad, ein Kino oder ein Indoor-Spielplatz, erläutert Katharina Vokoun. (mz)