Strukturwandel

Kohleausstieg und Strukturwandel: Gewerbegebiet Weißenfels steht an erster Stelle der Projektliste

Weißenfels - Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hat ihren abschließenden Bericht vorgelegt. Was er über die Region aussagt.

Von Andreas Richter und Torsten Gerbank 05.02.2019, 15:56

Die Entwicklung eines rund 100 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebietes in Weißenfels steht an erster Stelle einer Projektliste zur Strukturentwicklung im mitteldeutschen Braunkohlerevier in Sachsen-Anhalt. Das ist ganz im Sinne der Stadt, die sich seit vielen Jahren um die Ansiedlung eines Gewerbegebietes an der A9 bemüht. „Wir haben in der laufenden Diskussion um den Strukturwandel diesen Standort vorgeschlagen und hoffen nach der Empfehlung der Kohlekommission auf entsprechende Entscheidungen des Landes und des Bundes“, sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos).

Die Kommune müsse Ansiedlungswilligen ein erschlossenes Grundstück anbieten, so Risch. Die Gesamtkosten für die Erschließung des Areals an der Autobahn werden auf rund sieben Millionen Euro geschätzt. Weil die Kommune dieses Geld nicht aufbringen kann, habe er erst vor kurzem erneut Gespräche mit dem Land über die Möglichkeiten einer hundertprozentigen Finanzierung, etwa ein tilgungsfreies Darlehen, gesprochen.

Abschlussbericht der Kohlekommission ist vollgepackt mit Vorschlägen und Empfehlungen

Gut 300 Seiten stark ist der Abschlussbericht der Kohlekommission, der vor gut einer Woche auf den Tisch gelegt worden ist. Er ist vollgepackt mit Vorschlägen und Empfehlungen, wie der Ausstieg aus der Kohleverstromung und der damit verbundene Strukturwandel in den Kohleregionen gelingen soll. Und er sieht vor, dass die betroffenen Länder über 20 Jahre hinweg insgesamt 40 Milliarden Euro vom Bund bekommen, um Projekte für den Strukturwandel zu finanzieren und neue Jobs zu schaffen.

Sucht man auf elektronischem Wege im Papier nach dem Begriff „Weißenfels“, so spuckt der Computer 34 Treffer aus. Die Saalestadt könnte also zu den Gewinnern gehören, auch wenn sie nicht unmittelbar im Revier liegt. Zum Vergleich: Der Name „Hohenmölsen“ wird 35 mal erwähnt, „Zeitz“ liefert sogar 69 Treffer.

Modell- und Laborregion Deutschlands und Europas

Was aber steht drin über die Region in dem Papier, dessen Umsetzung sich auf das Leben so vieler Menschen auswirkt? Die Rede ist unter anderem davon, im Dreieck um Zeitz, Naumburg und den Raum Leipzig, einschließlich Borna, eine Modell- und Laborregion Deutschlands und Europas entstehen zu lassen.

Es sollen „neue Technologien, Produkte und Dienstleistungen für das Leben von morgen entwickelt und erprobt werden“, heißt es. Mit einem Zukunftsinstitut Zeitz, von dem jüngst schon Sachsen-Anhalts Innenstaatssekretärin Tamara Zieschang (CDU) sprach, solle ein Ort geschaffen werden, „in dem das Leben von morgen neu gedacht und entwickelt werden soll.

Gute Anbindung an den Ballungsraum Halle-Leipzig mit kurzen Taktzeiten wichtig

Eingeschätzt wird im Bericht, dass für die Attraktivität des Mitteldeutschen Reviers eine gute Anbindung an den Ballungsraum Halle-Leipzig mit kurzen Taktzeiten wichtig sei. Für bedeutsam hält die Kommission die Sicherung des Schienenpersonennahverkehrs. Als Beispiel wird die Strecke Zeitz-Weißenfels benannt. Wichtig sei zudem der Ausbau des Systems „PlusBus“, mit dem Anschlüsse an die S-Bahn und an andere Züge geschaffen werden und der Ausbau des Rufbussystems vor allem abends und zu Schichtwechselzeiten.

Der Abschlussbericht der Kohlekommission umfasst insgesamt 336 Seiten. Für die Region Weißenfels und Hohenmölsen sind insbesondere jene 25 Seiten des Dokumentes interessant, in denen die Vorschläge für den Strukturwandel in Sachsen-Anhalt vorgestellt werden. Ein Großteil der Maßnahmen ist im Burgenlandkreis verortet, der deutlich präsenter ist als der benachbarte Saalekreis.
Die möglichen Maßnahmen sind in sieben Bereiche gegliedert. Darunter befinden sich zentrale Themen wie beispielsweise Wirtschaftsentwicklung, Infrastrukturausbau oder Wissenschaftsförderung. Auch die zuständigen Ministerien für die Vorhaben werden von der Kohlekommission schon benannt. (mz)

Die Elektrifizierung unter anderem der Bahnverbindungen Leipzig-Zeitz-Gera und Zeitz-Weißenfels-Halle würde laut Kommission die Anbindung von sogenannten Grund- und Mittelzentren in Mitteldeutschland an die Oberzentren wie Halle und Leipzig verbessern. In Betracht gezogen wird der Einsatz von Wasserstoffzügen zwischen Leipzig und Zeitz.

Projektvorschlag ist die verbesserte Anbindung des Standortes über die B2 an Leipzig

Für unabdingbar hält die Kommission eine verbesserte Anbindung des Chemie- und Industrieparks Zeitz durch eine Verbindung der Autobahn A38 mit der A4. Ein Projektvorschlag ist die verbesserte Anbindung des Standortes über die B2 an Leipzig. Das Angebot an Industrieflächen soll erweitert werden.

Ein Projekt, das in die Rubrik Handlungsschwerpunkt eingeordnet ist, ist die Einrichtung einer zentral gelegenen Busschnittstelle nahe Schleinitz am Gewerbegebiet an der Autobahn A9. Dabei geht es um die Verbindungen Zeitz-Naumburg, Hohenmölsen-Teuchern-Osterfeld, Zeitz-Droyßig-Osterfeld und Weißenfels-Osterfeld. Dazu kommen örtliche Rufbusse. Der Knoten soll über sechs Bussteige mit Übergängen verfügen. (mz)