Klinkerbau am Güterbahnhof

Klinkerbau am Güterbahnhof: Verfallene Ruine in Weißenfels wird zur Theaterbühne

Weißenfels - Ein riesiger Klinkerbau am Güterbahnhof verfällt vor den Augen der Weißenfelser. Nun soll dort wenigstens für kurze Zeit wieder Leben einziehen.

Von Andreas Richter 13.02.2019, 11:01

Für all jene, die mit der Bahn nach Weißenfels kommen, ist sie der erste prägende Eindruck: die mächtige Ruine des ehemaligen Versorgungskontors Industrietextilien in der Straße Am Güterbahnhof. Doch nun gibt es Hoffnung, dass das völlig heruntergekommene Gebäude mit seinen drei markanten Giebeln zumindest vorübergehend zu neuem Leben erwacht.

Theatergruppe will Geschichte des Klinkerbaus auf die Bühne bringen

Der Plan: Das Theater „Das letzte Kleinod“ aus Geestenseth in Niedersachsen zieht es mit seiner neuen Auflage des „Theaterspaziergangs“ an die Saale. „Ende März wird der ozeanblaue Zug des Theaters auf einem Gleis direkt am Güterbahnhof halten“, kündigt Ulrike Marski als Sprecherin des Theaters schon mal an.

Viel mehr will sie derzeit jedoch noch nicht verraten. Nur so weit: Ende März beginnen sechs Schauspieler mit den Proben für Szenen aus der Geschichte des gewaltigen Klinkerbaus, die in Form eines Stationentheaters erzählt wird.

Theaterprojekt in Weißenfels: Fassadenkletterer, Bodybuilder, Feuerwehrkameraden gesucht

Die Texte des Stückes beruhen auf Berichten von Zeitzeugen. Im Netz hat das Theater freiwillige Mitwirkende gesucht. Die Liste liest sich spannend: Neben Tänzern, Sängern und Instrumentalisten sind da auch Fassadenkletterer, Pferdebegeisterte, Bodybuilder, Feuerwehrfrauen und -männer gefragt.

Mit der Reise nach Weißenfels verschlägt es ein renommiertes Theaterprojekt in die Saalestadt. Denn „Das letzte Kleinod“ nutzt keine feste Bühne, sondern inszeniert an ungewöhnlichen Orten deren Geschichte. Das Theater hat bisher schon zahlreiche Projekte in Deutschland, Europa und Übersee verwirklicht. Als Produktionsstätte nutzt das Theater den historischen Bahnhof von Geestenseth. Ein Zug besteht aus neun Eisenbahnwaggons mit Werkstätten, Büros und Unterkünften für die Mitwirkenden.

Stadt Weißenfels unterstützt das Theaterprojekt finanziell

„Das wird eine absolut spannende Sache“, freut sich Robert Brückner, Leiter des städtischen Kulturamtes, über die bevorstehende Ankunft des Theaterzuges. Das Theater habe einen Vertrag mit dem Eigentümer der Immobilie abgeschlossen. Die Stadt unterstützte das Projekt mit 5.000 Euro.

In der vergangenen Woche konnten Passanten die ersten Arbeiten in der Straße Am Güterbahnhof beobachten. Bäume und Kletterpflanzen wurden beseitigt, um überhaupt erst einmal einen gefahrlosen Zugang zu der in Privateigentum befindlichen Ruine zu schaffen.

Die geplante Inszenierung ist eine Kooperation zwischen dem Stadttheater Naumburg und dem Theater „Das letzte Kleinod“. Ende April/Anfang Mai sind Abendvorstellungen und an zwei Vormittagen Aufführungen für Schulklassen vorgesehen.

Brand durch Silvesterrakete zerstörte einst das Gebäude

Dann werden die Darsteller an mehreren Stationen im Gebäude Szenen aus seiner wechselvollen Geschichte zeigen. Immerhin hat das Haus, in dem heute der Verfall allgegenwärtig ist, zahlreichen Unternehmen in der Vergangenheit als Domizil gedient.

Historische Unterlagen belegen, dass sich dort Anfang des 20. Jahrhunderts eines der größten Getreidegeschäfte der Umgebung befand. 1950 mietete das Versorgungskontor Industrietextilien das Gebäude vom Eigentümer an. Von hier aus wurden Arbeitskleidung, Filze und Textilien für Schuhe verschickt.

Im Jahr 1982 zerstörte den Unterlagen zufolge dann ein durch eine Silvesterrakete ausgelöster Brand das Gebäude. Nach der Wende wurde der Betrieb liquidiert. Ein Konzept für eine dauerhafte Nutzung des riesigen Baus ist bis heute nicht bekannt.

››Informationen über das Theater aus Niedersachsen gibt es im Netz unter www.das-letzte-kleinod.de. (mz)