Jobabbau bei der Mibrag

Jobabbau bei Mibrag: Bis März 2019 müssen 330 ältere Arbeitnehmer gehen

Weißenfels - Unter den 330 Mitarbeitern, welche die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft, kurz Mibrag, in den kommenden Monaten verlassen werden, ist auch der amtierende Betriebsratsvorsitzende. „Ich bin dann auch nicht mehr da“, sagt Frank Frenzel gelassen. Er sei Jahrgang 1955 und zählt somit zu jenen, die sich vorzeitig in die Altersteilzeit ...

Von Alexander Kempf 08.02.2018, 06:00

Unter den 330 Mitarbeitern, welche die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft, kurz Mibrag, in den kommenden Monaten verlassen werden, ist auch der amtierende Betriebsratsvorsitzende. „Ich bin dann auch nicht mehr da“, sagt Frank Frenzel gelassen. Er sei Jahrgang 1955 und zählt somit zu jenen, die sich vorzeitig in die Altersteilzeit verabschieden.

Die Regelung sei der richtige Weg, argumentiert der Betriebsratsvorsitzende, um auch dem Unternehmensnachwuchs eine Festanstellung und somit eine Perspektive zu bieten. „Als wir die Lösung aufgerufen haben, war uns bewusst, dass wir in Lebensplanungen eingreifen“, sagt Frank Frenzel. Doch die ausgehandelten Konditionen für die Ausscheidenden seien gut. „Es fällt niemand in einen luftleeren Raum“, versichert der Betriebsratsvorsitzende.

So habe die Arbeitgeberseite Zahlungen zugesagt, damit es zu keinen hohen Rentenverlusten kommt. Auch ist die Regelung sehr solidarisch. Betroffen seien die Jahrgänge 1957 und älter. Und zwar ohne Ausnahme. Dafür sei es im Gegenzug gelungen, auch im Vorjahr wieder vier Dutzend Lehrlinge zu übernehmen. „Das ist ja kein reiner Stellenabbau. Wir besetzen ja auch nach“, sagt Frank Frenzel daher.

Unterm Strich sinkt die Mitarbeiterzahl beim Bergbauunternehmen dennoch. Dass die Mibrag 2016 einen Verlust von 43,7 Millionen eingefahren hat, sorgte im Unternehmen nun für Unruhe. Nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung über das schlechte Ergebnis, verwies das Unternehmen auf verschiedene Ursachen für das Abrutschen in die Verlustzone. Einer sei der dramatische Preisverfall bei Großhandelspreisen für Strom in Folge der Energiewende.

Gewerkschaft sieht Altersteilzeitmodell der Mibrag als einen Erfolg

Schon im Jahr 2016 ist deswegen ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt worden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben sich nach Aussage des Betriebsrates damals darauf verständigt, dass es bis 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

Im Gegenzug sei das Altersteilzeitprogramm aufgelegt worden, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Frank Frenzel. Im Unternehmen würden das viele ältere Mitarbeiter begrüßen. Auch weil Bergmann ein körperlich anstrengender Beruf ist.

Auch Bezirksleiter Jürgen Mehnert von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie wertet das Altersteilzeitmodell der Mibrag als einen Erfolg für alle Beteiligten. „Wir sind stolz, dass wir das sozialverträglich abfedern konnten“, sagt er. Wenngleich den Mitarbeitern auch viel abverlangt worden ist. Die Einigung aber scheint auf einen breiten Konsens zu stoßen. Immerhin rund drei Viertel der Mitarbeiter des Bergbauunternehmens sollen Gewerkschaftsmitglied sein.

Mibrag fordert stabile Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Politik

Die Altersteilzeitregelung erachtet Jürgen Mehnert als richtigen und wichtigen Schritt für die Zukunft des Unternehmens. In der Öffentlichkeit, kritisiert er, werde zuweilen ein falsches Bild der Mibrag gezeichnet. „Das ist ja kein Verlust aufgrund schlechten Managements gewesen“, sagt Jürgen Mehnert. Auch seien die Unternehmenszahlen für 2017 schon wieder positiv gewesen.

Genau wie die Mibrag selbst hat auch die Gewerkschaft ein Interesse am Erhalt gut bezahlter Industriearbeitsplätze. Das Unternehmen hat daher auch seine Forderung nach stabilen Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Politik erneuert. „Wir haben nur mit höchsten Anstrengungen und dem konsequenten Miteinander unserer Mannschaft diese gewaltige Herausforderung geschafft“, teilt der kaufmännische Geschäftsführer Kai Steinbach mit. Um weiter auf Erfolgskurs steuern zu können, müsse die Mibrag ihrerseits Prozesse weiter optimieren und benötige andererseits Planungssicherheit. (mz)

Mibrag steht für Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft.
Mibrag steht für Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft.
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