Jägerschaft Weißenfels

Jägerschaft Weißenfels: Warum 79-Jähriger auf den Chefposten zurückkehrt

Weißenfels - Günter Scheidung hat die Jägerschaft Weißenfels nach der Wiedervereinigung gegründet. Jetzt muss der 79-Jährige noch einmal den Vorsitz übernehmen.

Von Jan Iven 11.11.2017, 15:00

Eines war Günter Scheidung bei der Jahreshauptversammlung der Weißenfelser Waidmänner im März sofort klar: „Ich wollte auf keinen Fall zulassen, dass die Jägerschaft aufgelöst wird. Schließlich habe ich den Verein 1991 gegründet“, erzählt der 79-jährige Leißlinger.

Doch Anfang des Jahres wollte niemand mehr den Vorsitz übernehmen. Amtsvorgänger Steffen Hoffmann hatte nach 15 Jahre keine Muße mehr, der Vorstand war ausgedünnt, der Schatzmeister erkrankt. Mehrere Mitglieder plädierten für die Auflösung der Weißenfelser Jägerschaft mit rund 100 Mitgliedern.

Jägerschaft Weißenfels: Günter Scheidung warf noch einmal seinen Hut in den Ring

Und so warf Günter Scheidung noch einmal seinen Hut in den Ring. „Ich habe mit mehreren Jägern gesprochen und konnte sie überzeugen, mich im Vorstand zu unterstützen“, sagt er. Manche von ihnen hatten sich vorher noch selbst für die Auflösung ausgesprochen.

Nun wählten die Jäger bei ihrer jüngsten Versammlung in Leißling ihren neuen Vorsitzenden. Zum Stellvertreter wurde Stadtjäger Armin Deubel bestimmt. Vier weitere Vorstandsmitglieder übernehmen die Aufgaben des Schatzmeisters und des Schriftführers.

Nach der Wiedervereinigung musste das Bundesjagdgesetz umgesetzt werden

Günter Scheidung hat die Jägerschaft bereits bei ihrer Gründung vier Jahre lang geleitet. Nach der Wiedervereinigung musste zunächst einmal das Bundesjagdgesetz umgesetzt werden. „Dann wurde ich Kreisjägermeister und habe das Amt daher abgegeben“, sagt der ehemalige Ingenieur, der sein Leben lang bei Leuna gearbeitet hat. Schon als er noch berufstätig war, konnte er im Wald am besten abschalten.

„Wenn man stundenlang auf dem Hochsitz wartet, wird man eins mit der Natur“, sagt Günter Scheidung. Oft beobachtet er die Rehkitze oder Wildschweine auch einfach nur. „Das Schießen macht noch den kleinsten Teil es Jägerdaseins aus“, sagt er. Am wichtigsten sei die Hege und Pflege des Waldes. Dazu gehören auch die Wildfütterung in Notzeiten oder die Einrichtung von Äsungsflächen im Wald.

Gejagt werden unter anderem Schädlinge wie Waschbären oder Marder

Gejagt werden unter anderem Schädlinge wie Waschbären oder Marder. Doch auch das Rehwild und die Wildschweine müssen kontrolliert werden. „Ohne Jäger wären die Wälder von den Rehen vermutlich schon komplett aufgefressen worden“, sagt er. Seine Beute bereitet er am liebsten selbst als Braten oder Gulasch zu. Der Rest wird verkauft.

Zur Jagd gekommen ist Günter Scheidung nach Ausbildung und Studium im Alter von 28 Jahren. „Die Jagdbläser wurden gerade neu aufgebaut. Und da ich musiziert habe, wurde ich eingeladen“, erzählt er. Allerdings kam er nicht nur wegen der Musik. „Die Jagd wurde mir in die Wiege gelegt, weil meine Familie schon in der vierten Generation dabei ist“, sagt er. Bereits im Alter von sechs Jahren war er mit seinem Großvater auf der Pirsch.

Jägerschaft Weißenfels: Günter Scheidung nun mit großer Mehrheit gewählt

Zum Vorsitzenden der Jägerschaft Weißenfels ist Günter Scheidung nun mit großer Mehrheit gewählt worden. „Wir haben auch einige etwas jüngere Leute im Vorstand, die die Arbeit später noch weiterführen können“, sagt er zufrieden. Insgesamt bedauere er allerdings die geringe Bereitschaft für die Vereinsarbeit unter den Weißenfelser Jägern.

„Manche Jüngeren trauen sich offenbar noch nicht so richtig, Verantwortung zu übernehmen. Deswegen müssen wir sie an die Arbeit heranführen und sie ermutigen“, sagt Günther Scheidung.

Vorsitzender legt Wert auf mehr Flexibilität

Bei der Versammlung wurde auch die 26 Jahre alte Vereinssatzung auf den neusten Stand gebracht. Dabei hat der Vorsitzende Wert auf mehr Flexibilität gelegt. So soll es den Mitgliedern selbst überlassen sein, ob sie zusätzlich im Landesjagdverband organisiert oder in welcher Versicherung sie sein möchten.

Die wichtigste Aufgabe in den kommenden vier Jahren seiner Amtszeit sieht Günter Scheidung darin, einen Nachfolger für den Vorsitz zu finden. „Ich habe da zwar noch niemanden konkretes im Auge. Aber ich bin zuversichtlich, dass es einen Kandidaten geben wird“, sagt er. Zwar könnten sich die Weißenfelser zur Not auch anderen Vereinen in der Region anschließen. Doch dass die Jägergemeinschaft fortbesteht, ist für Günter Scheidung immer noch eine Herzensangelegenheit. (mz)