Integration ins Arbeitsleben

Integration ins Arbeitsleben: Der Lange Weg zur Arbeit nach Leuna

Weißenfels - Eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland beginnt der Dev Panchal eine Lehre als Mechatroniker.

Von Heike Riedel 20.10.2016, 10:00

Dev Panchal steht um vier Uhr auf, damit er pünktlich um 7 Uhr in seiner Schule in Leuna ist. Gegen 18 Uhr ist er zurück in Weißenfels bei Frau und Kind in der Gemeinschaftsunterkunft. Denn er hat im August eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen. Danach will der 27-jährige Inder richtig auf dem deutschen Arbeitsmarkt ankommen und so für sich und seine Familie eine Lebensperspektive erhalten.

Fünf Jahre, schneller ist für ihn die Integration ins Arbeitsleben kaum zu schaffen, obwohl er in Indien bereits als Elektriker gearbeitet hat und hochmotiviert seit seiner Ankunft in Deutschland im März 2015 lernt. Erst die Sprache und nun für einen hier anerkannten Berufsabschluss.

Flucht in ein modernes Land

Zu Hause hat ihm das tief im gesellschaftlichen Bewusstsein sitzende Kastensystem die Liebe verwehrt. Dort musste das Paar Repressalien befürchten, weil es sich nicht trennen wollte. Deshalb flüchtete es in ein modernes Land. Der vom Landkreis angebotene Einstiegskurs und die Ratschläge einer Sozialarbeiterin in der Hohenmölsener Gemeinschaftsunterkunft halfen ihm, sich im Alltag zurechtzufinden. Eine sogenannte Aufenthaltsgestattung sichert ihm nun erst einmal das Bleiben in Deutschland.

Mittlerweile bimst Dev Panchal manche Nacht Begriffe, die ihm in der Ausbildung begegnen. Denn er hat von der Servicegesellschaft Sachsen-Anhalt Süd in Weißenfels die Chance erhalten, eine dreieinhalbjährige Ausbildung anzutreten. Das Unternehmen übernimmt für die Stadtwerke in Weißenfels, Merseburg und Naumburg technische und kaufmännische Aufgaben. „Wir brauchen Nachwuchs im Unternehmen, die Zahl der Bewerber für unsere Ausbildungsplätze ist deutlich zurückgegangen, auch die Leistungen, mit denen sie sich bewerben“, beschreibt Geschäftsführer Kay Lehmann eine Situation, wie sie immer mehr Betriebe erleben. Die Fachkräftelücke zu schließen, ist allerdings nur ein Grund, warum die Wirtschaft sich der Berufsausbildung von Flüchtlinge widmen sollte. Die Unternehmen können damit auch einen Beitrag leisten, dass sich Flüchtlinge in die Gesellschaft eingliedern, macht er bewusst.

Projekt Berufliches Integrationszentrum im Burgenlandkreis

Die BVU GmbH in Weißenfels, ein Bildungs-, Qualifizierungs- und Personaldienstleistungsunternehmen, hat Dev Panchal die Brücke ins Unternehmen gebaut. Sie ist gemeinsam mit Bildungsunternehmen aus Naumburg und Zeitz Träger des Projekts Berufliches Integrationszentrum für Ausbildung und Arbeit für Asylbewerber und Flüchtlinge im Burgenlandkreis. Dafür stellt sie zunächst die Kompetenzen der Teilnehmer fest.

20 bis 30 hat sie stets in ihrer maximal ein halbes Jahr dauernden Betreuung, um sie auf einen gezielten Weg in den Arbeitsmarkt zu bringen. Wie bei vielen hat auch Panchal keine Abschlüsse vorlegen können. Und es ist auch unklar, was er nach zwölf Schuljahren in Indien eigentlich gelernt hat. Der junge Mann hat aber mit praktischen Grundkenntnissen überzeugt, mit seiner Lernbereitschaft und gutem Erfolg beim Erlernen der deutschen Sprache.

Damit ist er beim Praktikum positiv aufgefallen. Bei dem zweiten Praktikanten in der Servicegesellschaft reichten die Sprachkenntnisse noch nicht, um eine Ausbildung beginnen zu können. Sein Weg in den Arbeitsmarkt muss zunächst erst noch um eine Sprachrunde verlängert werden. Doch dem jungen Inder wird ein erfolgreicher Abschluss innerhalb der gewöhnlichen Lehrzeit zugetraut, wenn er seinen Weg so zielstrebig weitergeht.

Die Ausbildung fordert die Servicegesellschaft auch auf ungewöhnliche Art, gibt Torsten Menzel, Meister für die Prozessleittechnik, zu. Denn er muss in der Arbeit mit Dev Panchal mehr erklären und nachfragen, um sicher zu sein, dass der junge Mann alles verstanden hat. Fehler könnten schlimme Folgen haben. Bis zum zweiten Lehrjahr, in dem Panchal dann regelmäßig in der Servicegesellschaft arbeitet, werden sich nicht nur dessen Fachkenntnisse, sondern auch die Sprachkenntnisse weiter verbessert haben, ist Menzel aber zuversichtlich.

Nur wenige Ausländer haben Arbeit

1.228 Asylbewerber, 256 geduldete Ausländer und 1.135 Personen als anerkannter Flüchtling oder Asylberechtigter leben derzeit im Landkreis. Nur wenige sind bislang auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Kay Senius, Vorsitzender der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit, sagt, dass die Integration ins Arbeitsleben einem Langstreckenlauf ähnelt.

Um den Ausländern die nötigen Sprachkenntnisse beizubringen, hat der Landkreis seine eigene Volkshochschule eingesetzt. Dort waren bisher etwa 4.000 Menschen in Sprachkursen.

Zur Agentur für Arbeit kann bereits während des Asylverfahrens kontaktiert werden. Sie fördert Sprachkurse, bringt sich in das Projekt Perspektiven für Flüchtlinge und die Vermittlung berufsbezogener Deutschkurse ein. Von ihr werden 136 Flüchtlinge betreut, die meisten 18 bis 35 Jahre alt. (mz)