Instrumentenbauer hat Interesse

Instrumentenbauer hat Interesse: Ein Hoffnungsschimmer für Ladegastorgel

Weißenfels - Instrumentenbauer hat Interesse, die Arbeiten in der Weißenfelser Laurentiuskirche weiterzuführen. Doch erst müssen wichtige Unterlagen her.

Von Andrea Hamann-Richter 08.01.2019, 17:00

Gisela Bevier vom Förderverein Ladegastorgel der Weißenfelser Laurentiuskirche hat neue Hoffnung für das auseinandergebaute Instrument geschöpft. Es gibt mittlerweile eine Firma, die Interesse bekundet hat, die Ladegastorgel wieder aufzubauen. Das ist nötig, da Orgelbauer Stefan Pilz, der sie zerlegt hat, auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Im November des vergangenen Jahres war der Leipziger bei einem Autounfall tödlich verunglückt.

Die Firma, welche die zerlegte Orgel nun retten könnte, kommt aus Bad Liebenwerda. Bei ihr hat der verstorbene Stefan Pilz bis zu seiner Selbstständigkeit gearbeitet und dort auch seinen Meister gemacht hat. Doch dass seine ehemalige Firma aus Bad Liebenwerda die Arbeiten in Weißenfels fortführt, ist noch nicht sicher. „Wir müssen jetzt die Dokumentation abwarten“, erklärt der Betrieb auf Nachfrage.

Gisela Bevier hat auf die Dringlichkeit aufmerksam gemacht

Erst wenn die Unterlagen von Stefan Pilz dem Unternehmen vorliegen, soll anschließend die auseinandergebaute Ladegastorgel in der Laurentiuskirche begutachtet werden. Dann entscheidet sich, ob die Fachleute helfen können oder nicht. Das Interesse besteht aber, signalisiert der Betrieb. Zudem zeigt man sich in Bad Liebenwerda zuversichtlich, dass der ehemalige Mitarbeiter die Arbeiten sehr sorgfältig dokumentiert hat. Sei dies nicht der Fall, würde es ungleich zeitaufwendiger und teurer werden, die Sanierung erfolgreich abzuschließen.

„Ich habe Frau Pilz bereits angeschrieben und auf die Dringlichkeit aufmerksam gemacht“, sagt Gisela Bevier. Bernadette Pilz ist die Witwe des verstorbenen Orgelbauers und regelt derzeit den Nachlass ihres Mannes. Der umfasst auch die Aufzeichnungen und Fotografien, die er akribisch angefertigt hatte. Denn ihm ist stets bewusst gewesen, dass eigentlich nur er den Klangkörper wieder zusammenbauen kann, da er ihn auch zerlegt hat.

Verein hat 10.000 Euro an Spenden gesammelt

Gisela Bevier, die von 1994 bis 2001 Oberbürgermeisterin der Stadt Weißenfels war, setzt sich mit dem Förderverein schon seit Jahren dafür ein, dass das Musikinstrument eine Frischekur erhält. Sie beschäftigt nun auch die Frage, ob der Finanzierungsplan für die Restaurierung aufgeht. Fördermittel in Höhe von 54.000 Euro hatte das Land für die Sanierung der Orgel bereitgestellt, die dafür notwendigen Eigenmittel in Höhe von 10.000 Euro sammelte der Verein als Spenden ein.

Bei der Ausschreibung für die Sanierung hatte Stefan Pilz den Zuschlag erhalten. „Aber es war ein Ein-Mann-Betrieb“, sagt Gisela Bevier. Nun weiß sie nicht, ob das Unternehmen in Bad Liebenwerda, welches größer ist als jenes von Stefan Pilz, womöglich mehr Geld verlangt. Dann nämlich müsste die Ausschreibung wiederholt werden und die Kosten könnten den Rahmen sprengen, fürchtet Gisela Bevier. Gerade wenn das Land nicht mehr finanziell nachlegen könnte.

Noch aber sei es zu früh, Trübsal zu blasen. „Wir geben nicht auf“, sagt die ehemalige Oberbürgermeisterin kämpferisch. Alle Hoffnungen würden jetzt erst einmal auf einer guten Dokumentation ruhen. Bis dahin haben nicht nur die ausgebauten Orgelpfeifen, sondern auch die Vereinsmitglieder eine unfreiwillige Pause. Dabei sollte die Orgel eigentlich schon am 30. Juni dieses Jahres das erste Mal neu erklingen. „Aber das ist nicht zu schaffen“, so Gisela Bevier. Denn die wenigen verfügbaren Orgelbauer sind Fachkräfte und haben in der Regel gut gefüllte Auftragsbücher.

Hoffnung macht dennoch auch die letzte Einschätzung von Stefan Pilz. Der bescheinigte der Ladegastorgel nämlich einen super Zustand. Größtenteils müssten nur Verschleißteile ausgewechselt werden, lautete sein Fazit. (mz)