Historischer Umzug beim Schlossfest

Historischer Umzug beim Schlossfest Weißenfels: Geschichte im Zeitraffer

Weißenfels - Der historische Umzug lockt viele Schaulustige auf die Straßen. Wie zwei Weißenfelser das traditionelle Spektakel erlebt haben.

Von Andreas Richter 27.08.2018, 06:39

Wolfram Ilisch hat wohl die beste Sicht. Rechtzeitig ist er mit seinem Campingstuhl auf den kleinen Hang an der Zeitzer Straße gestiegen und hat es sich bequem gemacht. „Ich lasse mir keinen Umzug entgehen“, erzählt der gebürtige Weißenfelser - auf dem Kopf eine Schirmmütze mit dem Namen seiner Heimatstadt.

So wie der 74-Jährige säumen an diesem Sonntagvormittag viele die Straßen der Saalestadt, um ein alljährlich beliebtes Spektakel nicht zu verpassen, den historischen Festumzug. Rund 900 Teilnehmer ziehen von der Neustadt aus durch Teile der Innenstadt hinauf zum Schloss. Wenn das Festvolk aus dem Georgenbergtunnel hinaus quillt, hat Lutz Teetzen eine besondere Mission.

Fast 830 Jahre Weißenfelser Geschichte im Zeitraffer

Seit vielen Jahren ist er, der bei den verschiedensten Gelegenheiten den Weißenfelser Schusterjungen verkörpert, einer der Moderatoren, die den Zuschauern die einzelnen Bilder erklären. „Es gab schon die verschiedensten Strecken, der Umzug begann auch schon mal am Stadion“, erzählt er, während er auf dem Parkhaus auf die Spitze des Umzugs wartet. Aufgeregt sei er noch immer, gesteht Teetzen. Für jedes Bild hat er Handzettel mit ein paar Fakten parat.

Wenig später mischt er sich unters Volk. Gut 45 Minuten lang ziehen fast 830 Jahre Weißenfelser Geschichte im Zeitraffer an ihm vorbei. Angeführt vom grün-gelben Fanfarenzug aus Osterfeld spannt sich der Bogen von den ersten Siedlern über die Nonnen des Klosters St. Claren bis zur Darstellung des Leichenzuges, der den gefallenen Schwedenkönig Gustav II. Adolph im Jahr 1632 zur Obduktion ins Weißenfelser Geleitshaus gebracht hat.

Nicht vergessen ist die Weißenfelser Vergangenheit als Standort der Schuhproduktion. Lutz Teetzen rückt alles in den richtigen Zusammenhang, begrüßt auch die zahlreichen Vereine, die das Leben in der Stadt von Heute erst wirklich lebenswert machen. Ganz zum Schluss versprühen Trabis mit ihrem Zweitakt-Gemisch einen Hauch Nostalgie. Ziehen auch an Wolfram Ilisch auf seinem Campingstuhl vorbei hinauf zum Schloss. (mz)