Herrscher im Streit

Herrscher im Streit : Weißenfels bereitet Sonderschau zum Reformations-Jubiläum vor

Weißenfels - Die Stadt Weißenfels hat mit den Vorbereitungen auf eine Sonderausstellung zum 500. Jahrestag der Reformation im kommenden Jahr begonnen. Die Schau soll unter dem reizvollen Titel „Dynastiegewitter“ stehen. „Es geht um den Streit zwischen August dem Starken und Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels um Bekenntnis und Konfession“, deutet Robert Brückner, Leiter des städtischen Kulturamtes, das Thema der Ausstellung an. Im Zentrum der Exposition stehe einer der Orte, in dem seit 1680 neben Dresden Repräsentanten des Kurhauses Sachsen lebten und regierten - nämlich ...

Von Andreas Richter 29.07.2016, 07:00

Die Stadt Weißenfels hat mit den Vorbereitungen auf eine Sonderausstellung zum 500. Jahrestag der Reformation im kommenden Jahr begonnen. Die Schau soll unter dem reizvollen Titel „Dynastiegewitter“ stehen. „Es geht um den Streit zwischen August dem Starken und Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels um Bekenntnis und Konfession“, deutet Robert Brückner, Leiter des städtischen Kulturamtes, das Thema der Ausstellung an. Im Zentrum der Exposition stehe einer der Orte, in dem seit 1680 neben Dresden Repräsentanten des Kurhauses Sachsen lebten und regierten - nämlich Weißenfels.

Finanzielle Unterstützung vom Land

Dass die Stadt mit dem Thema der Schau nicht ganz falsch liegen kann, zeigt die Unterstützung des Landes. Immerhin stellt Sachsen-Anhalt für das über zwei Jahre angelegte Projekt „Dynastiegewitter“ in diesem Jahr 20.000 Euro und im kommenden Jahr noch einmal 32.500 Euro Fördergeld zur Verfügung. Hinzu kommt eine Unterstützung in Höhe von 5.000 Euro von Lotto Sachsen-Anhalt.

Um die Ausstellung gemeinsam mit den Mitarbeitern des Museums zu konzipieren, soll der Historiker Joachim Säckl einbezogen werden, der sich seit vielen Jahren mit der sächsischen Geschichte beschäftigt. Im Wesentlichen soll in der thematischen Sonderschau auf Exponate aus dem Bestand des Weißenfelser Museums zurückgegriffen werden. Ein Ankauf von Ausstellungsstücken ist laut Brückner nach dem jetzigen Stand nicht vorgesehen. Denkbar wäre jedoch, besondere Exponate von anderen Museen zu leihen. So etwa Stücke, die die Jagdleidenschaft von Herzog Christian veranschaulichen.

Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels (1682-1736) war der vierte Herzog der kursächsischen Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels. Er war leidenschaftlicher Jäger. Aus Anlass seines 31. Geburtstages 1713 komponierte Johann Sebastian Bach für den Herrscher die berühmte Jagdkantate. Gemeinsam mit seiner Gattin gab sich der Weißenfelser Herzog einem verschwenderischen Leben hin, während die finanzielle Lage in seinem Fürstentum immer schwieriger wurde.

Während Kurfürst Friedrich August der Starke (1670-1733) im Jahr 1697 zum katholischen Glauben konvertierte, war der Weißenfelser Repräsentant des Fürstenhauses, Herzog Christian, Protestant. Die unterschiedlichen religiösen Auffassungen weiteten sich bis zum Bruch, eben zum „Gewitter“ in der Dynastie, aus.  (ari)

Noch ein gutes Jahr bleibt den Akteuren für die Vorbereitung der Ausstellung zum Reformationsjubiläum. Am 19. August kommenden Jahres soll die Sonderschau eröffnet werden. In der zweiten Etage wird sie zu sehen sein. In jenen Räumen, in denen zurzeit die Sonderausstellung „Ein Hauch von Hollywood“ gezeigt wird.

Museumsstandort soll aufgewertet werden

Im Sog der Sonderschau will die Stadt zugleich den Museumsstandort auf dem Schloss aufwerten. Knackpunkt ist hier vor allem der Kassenbereich, jene Holz/Glas-Konstruktion, die zurzeit eher den Charme der 70er Jahre atmet. „Wir werden noch in diesem Jahr einen zeitgemäßen Kassenbereich errichten“, versichert Brückner. Das Ganze soll einem modernen Messestand ähneln. „Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der sich der Besucher wirklich willkommen fühlt“, so der Chef des städtischen Kulturamtes. Immerhin 13.000 Euro sind im Weißenfelser Haushalt dieses Jahres für das Vorhaben eingeplant.

Mit der Sonderausstellung will Weißenfels zugleich das bereits seit 2007 laufende Projekt „Barocke Fürstenresidenzen an Saale, Unstrut und Elster“ fortführen, bei dem sie mit ähnlich gelagerten Burgen und Schlössern, wie etwa Schloss Moritzburg in Zeitz oder der Neuenburg in Freyburg, zusammenarbeitet.

Neben der Vorbereitung einer Sonderschau zum Reformationsjubiläum arbeitet das Weißenfelser Museum weiter an einer Neukonzeption der ständigen Schuhausstellung. Die vom Stadtrat beschlossene Museumskonzeption sieht vor, dass die Schuhausstellung mittelfristig in den Westflügel von Schloss Neu-Augustusburg umzieht. Derzeit fehlen dafür jedoch die baulichen Voraussetzungen. (mz)