Heimatnaturgarten

Heimatnaturgarten Weißenfels: Biologe sieht neue Chancen für Tierpark

Weißenfels - Eine Studie hat sich mit einer möglichen Erweiterung befasst. Was im Stadtrat darüber zu hören war.

Von Andreas Richter 10.04.2017, 09:08

Eine deutliche Erweiterung des Heimatnaturgartens auf dem Gelände des ehemaligen Brauereiparks könnte mehr als zwölf Millionen Euro kosten. Mit dieser Schätzung hat Diplom-Biologe Eckhard Wiesenthal die Weißenfelser Stadträte auf ihrer jüngsten Sitzung konfrontiert.

Wiesenthal war von der gemeinnützigen Heimatnaturgarten GmbH mit einer Studie beauftragt worden, die die Machbarkeit eines Umzugs des Tierparks in den ehemaligen Brauereipark untersuchen sollte. Erste Erkenntnisse hat Wiesenthal jetzt im Stadtrat vorgestellt. Seine Kernaussage: Am aktuellen Standort am Werner-Klebb-Weg hat der Tiergarten kaum Chancen, seinen Bestand auf lange Sicht zu sichern. Wiesenthal verwies unter anderem auf die ständig wachsenden Anforderungen an eine zeitgemäße Tierhaltung.

Eine Einrichtung wie der Heimatnaturgarten müsse sich mehr denn je als wirtschaftliches Unternehmen verstehen. „Ein Tiergarten kann heute nicht mehr überleben, wenn er sich mit der Sammelbüchse auf den Weihnachtsmarkt stellt“, sagte der Präsident des Deutschen Wildgehege-Verbandes.

Nach Einschätzung Wiesenthals hat der Weißenfelser Heimatnaturgarten mit seinem gepflegten Tierbestand ein großes Potential als Natur- und Kultureinrichtung, als außerschulischer Lernort und „touristischer Leuchtturm“. Das betreffe vor allem auch die Besucherzahlen. Derzeit kommen jedes Jahr im Durchschnitt 20.000 Gäste.

Der Biologe sieht die Weißenfelser Einrichtung indes auf einer Stufe mit umliegenden Tiergärten in Gera oder Gotha. Bis zu 100.000 Besucher jährlich seien durchaus realistisch, meinte er. Dafür müsste der Heimatnaturgarten jedoch stärker über die Stadt hinaus ausstrahlen. Erfahrungen aus anderen Einrichtungen besagten, dass nur etwa ein Drittel aller Besucher aus der eigenen Stadt stammt.

Angesichts des ausführlichen Vortrags mit beeindruckenden Zahlen hielt sich die Diskussionsfreude der Stadträte in Grenzen. Allein Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) warb dafür, den nunmehr eingeschlagenen langen Weg weiter zu gehen. Er verwies unter anderem darauf, dass auch bei einem Verbleib am derzeitigen Standort mittelfristig rund 3,5 Millionen Euro in eine Sanierung investiert werden müssten. Einer Schätzung aus dem Jahr 2015 zufolge müssten allein etwa 2,5 Millionen Euro in das Gebäude der ehemaligen Musikschule gesteckt werden.

Woher das Geld für eine eventuelle Erweiterung beziehungsweise einen Umzug des Heimatnaturgartens in den nächsten zehn Jahren kommen soll, ist zurzeit jedoch noch völlig unklar. „Wir werden nun nach Wegen für eine Förderung suchen“, sagte Risch.

Als Beispiel führte er gegenüber der MZ den deutlich größeren Bergzoo in Halle ins Feld. Für einen Umbau bis 2031 setzt man dort auf einen Mix aus Fördermitteln, Krediten, die die dortige Zoo-Gesellschaft aufnimmt und den Verkauf von Immobilien. In diesem Jahr, so Risch, wolle man sich in Weißenfels zunächst weiter um die Klärung der Grundstücksfragen im Brauereipark kümmern. Anhand von Bodenproben soll die Eignung des Geländes als Tierpark-Standort erkundet werden. (mz)