Gute Idee, schlechte Umsetzung

Gute Idee, schlechte Umsetzung: Werden FFP2-Masken im Burgenlandkreis knapp?

Weissenfels/Zeitz - Curt Wenzel, Inhaber der Weißenfelser Marien-Apotheke, kann über den „Schnellschuss des Gesundheitsministers“, wie er es bezeichnet, nur den Kopf schütteln. Denn Jens Spahn hatte am Mittwoch verkündet, dass über 60-Jährige sowie Menschen mit Vorerkrankungen ab dem 15. Dezember drei kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke holen ...

Von Martin Walter und Angelika Andräs

Curt Wenzel, Inhaber der Weißenfelser Marien-Apotheke, kann über den „Schnellschuss des Gesundheitsministers“, wie er es bezeichnet, nur den Kopf schütteln. Denn Jens Spahn hatte am Mittwoch verkündet, dass über 60-Jährige sowie Menschen mit Vorerkrankungen ab dem 15. Dezember drei kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke holen können.

Kostenlose FFP2-Masken: Sorge um Lieferengpässe und Preistreiberei

Die Maßnahme an sich findet Curt Wenzel „total richtig“, das jedoch in einer „Hauruck-Aktion“ bekanntzugeben, sei nicht der richtige Weg gewesen. Die Nachricht sei verbreitet worden, „bevor überhaupt über die Beschaffung nachgedacht wurde“, so der Apotheker.

Derzeit habe er zwar noch genügend FFP2-Masken vorrätig, doch „nun greifen deutschlandweit tausende Apotheken auf die Masken zu.“ Das könne schnell zu Lieferengpässen und Preistreiberei führen. Derzeit biete er die Masken für zwei bis drei Euro an, „aber das kann sich nächste Woche schon wieder ändern“, so Curt Wenzel.

Apotheker geht von einem regelrechten Ansturm auf die Masken aus

Das Interesse an den FFP2-Masken, die als sicherer als herkömmliche Mund-Nasen-Bedeckungen gelten, habe in seiner Apotheke in den vergangenen Wochen spürbar zugenommen. Inzwischen würden sie täglich von der Kundschaft angefragt.

Für kommende Woche geht er von einem regelrechten Ansturm aus. „Wir sind um Lieferungen bemüht“, sagt Curt Wenzel, doch könne er nicht versprechen, dann auch genügend FFP2-Masken auf Lager zu haben. „Wir stehen dann an der Front und sind der Buhmann“, befürchtet er.

Kritik: Zu wenig Zeit um sich auf Nachfrage vorzubereiten

Auch die Zeitzer Apotheker fühlen sich überrumpelt. „Genaues wissen wir natürlich auch noch nicht“, sagt beispielsweise Eva-Maria Jacob, Mitarbeiterin in der Nord-Apotheke in der Weißenfelser Straße in Zeitz. „Die Verordnung gilt ja frühestens ab 15. Dezember.“ Aber man bereitet sich natürlich darauf vor und bestellt erst einmal Masken.

Welche FFP-2-Masken sind zertifiziert? Eine Leserin war verunsichert, weil sie nur mit „KN 95“ gekennzeichnete Masken in Zeitz bekommen hatte, die aber laut Medienberichten kein FFP-2-Standard sein sollen.

FFP 2, KN 95 und N 95 sind Schutzklassen-Bezeichnungen für Masken aus verschiedenen Ländern. N 95-Masken erfüllen den Standard in den USA, KN 95 in China und gelten als funktional gleichwertig mit FFP-2-Masken, die der Europäischen Norm entsprechen. In verschiedenen Fachveröffentlichungen (Medical Research, Apothekerzeitung, Dekra) wird darauf hingewiesen, dass „die Filterleistung der N 95- oder KN 95-Masken minimal besser“ sei, als bei FFP 2.

Auf der FFP-Maske und/oder an der Packung muss gut lesbar sein, damit sie als sicher und „legal im Handel zugelassen“ gilt: CE-Kennzeichnung mit Nummer, Name/Warenzeichen des Herstellers, Norm: EN 149:2001+A1:2009 oder englische Fassung EN 149:2009-08 und die Kennung FFP 2 (1 oder 3) oder N 95/KN 95.

Die CE-Nummer kann unterschiedlich sein, je nachdem, wo die Zertifizierung erfolgt (Europa, Deutschland, USA), zum Beispiel: 2233, 2797 oder GB 2626  

„Es ist ja genau vorgeschrieben, welche Masken es sein müssen, wie sie zertifiziert sein müssen“, erklärt Eva-Maria Jacob, „und diese Masken haben dann in jedem Fall zu 100 Prozent die vom Bund geforderte Qualität“.

Apotheker empfehlen in die Stammapotheke zu gehen

Wie es mit dem Abholen im Detail läuft, das steht noch nicht fest. „Sicher werden sich die Leute ausweisen müssen, wie sonst sollen wir wissen, dass sie wirklich 60 Jahre und älter sind“, meint die Apothekerin. Auch all jene, die zu Risikogruppen gehören, müssen das ja in geeigneter Form glaubhaft nachweisen.

„Am besten ist es natürlich, wenn jeder in seine Stammapotheke geht“, sagt Eva-Maria Jacob, „dort weiß man dann ja auch, ob jemand zu einer Risikogruppe gehört, ob er Diabetiker ist oder beispielsweise an Herzinsuffizienz leidet.“ Das empfiehlt indes auch die Apothekerkammer Sachsen-Anhalts in einer Pressemitteilung. In der Zeitzer Nord-Apotheke richtet man sich auf jeden Fall ab Dienstag auf die zusätzliche Belastung und einen eventuellen Ansturm ein.

Wie die Apotheken zu ihrem Geld kommen, ist ihr auch noch nicht klar

Elke Starke-Kreil, Inhaberin der Mohren-Apotheke in Zeitz sowie der Apotheken in Osterfeld und Droyßig, hat auch zuerst einmal Masken bestellt. „Wir haben entsprechend der Liste, die uns die Apothekenkammer übermittelt hat, erst einmal einen großen Posten Masken, die die Qualitätsanforderungen genau erfüllen, auf eigene Rechnung bestellt“, sagt sie, „sonst wird es ja zu knapp.“

Wobei auch sie den 15. Dezember als frühestmöglichen Termin sieht. Wenn die Verordnung an diesem Freitag wie geplant beschlossen wird, würde sie nach der Veröffentlichung ab Dienstag gelten. Wie die Apotheken zu ihrem Geld kommen, ist ihr auch noch nicht klar. (mz)