Grabungen in Weißenfels

Grabungen in Weißenfels: Was Archäologen spannendes zu berichten haben

Weißenfels - Ein Rundgang zu den Grabungen auf dem zentralen Platz stößt bei den Weißenfelsern auf reges Interesse. Was die Archäologen zu berichten haben.

Von Andreas Richter 02.08.2017, 07:41

Dass vor mehr als 450 Jahren noch Enten und Gänse über den zentralen Platz mit einem Teich in der Mitte stolzierten, mag manchem angesichts der riesigen Baustelle in der Gegenwart schwer vorstellbar. Doch genau so soll es im Mittelalter auf dem heutigen Weißenfelser Markt gewesen sein, wie Matthias Becker vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Montagabend berichtete.

Mehr als 40 interessierte Bürger hatten bei sengender Hitze den Weg ins Zentrum gefunden und wollten sich Informationen aus erster Hand über die archäologischen Grabungen holen. Seinen kurzen Vortrag begann Becker dann im Jahr 1550, als der Markt - bis dahin eben eine dörfliche Idylle mit Teich und allerlei Getier - zum ersten Mal gepflastert wurde. Jeder, der in die Ansiedlung kam, soll seinerzeit angehalten worden sein, einen Pflasterstein mitzubringen.

Überbleibsel des mittelalterlichen Pflasters in Weißenfels

Mittlerweile liegt die alte Befestigung, deren Reste die Archäologen jetzt zutage gefördert haben, etwa 1,50 Meter bis 0,90 Meter tiefer als die heutige Marktoberfläche. „Die Stadt hat sich über die Jahrhunderte nach oben gewohnt“, sagte Becker, sichtlich erfreut über das rege Interesse der Weißenfelser an den Grabungen.

Dabei waren die Überbleibsel des mittelalterlichen Pflasters bei Weitem nicht der einzige Befund der Archäologen auf dem Markt. Die Funde reichen von einer hölzernen Wasserleitung bis hin zu den Resten eines alten Brunnens an der Nordseite der Baustelle. Die Besucher erfuhren auch, dass die Standorte von zwei Brunnen bereits auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1741 mit kleinen schwarzen Punkten markiert sind.

Die Krönung der bisherigen Grabungen in Weißenfels

Die Krönung der bisherigen Grabungen: Die aus dem im Jahr 1897 gelegten Fundament des Kaiser-Wilhelm-Denkmals geborgene Zeitkapsel mit verschiedenen historischen Dokumenten. In den nächsten Monaten werden die archäologischen Untersuchungen auf dem Weißenfelser Markt fortgesetzt. „Wir passen uns dem Baufortschritt an“, blickte Becker voraus. Und er konnte manch neugierigen Bürger beruhigen, dass eine solche Führung über die Baustelle durchaus keine Eintagsfliege bleiben muss.

Unter den Teilnehmern des aufschlussreichen Rundgangs waren am Montag auch die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung des Stadtrates, die sich zu ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause getroffen hatten. Der Vorsitzende Manfred Rauner (CDU/FDP-Fraktion) sprach dabei am Ende aus, was wohl vielen Weißenfelsern angesichts der wertvollen Befunde aus der Vergangenheit durch den Kopf ging: „Wir brauchen einen Plan, wie wir die Ergebnisse der Grabungen später öffentlichkeitswirksam präsentieren können.“ Ein Vorhaben, zu dem Archäologe Matthias Becker die Stadt jedenfalls ausdrücklich ermutigte.

Zum Ende der Sitzung, die dann im frisch sanierten Ratssaal am Kloster stattfand, gab Rauner der Verwaltung gleich einen sportlichen Auftrag mit auf den Weg. Bis Ende August soll sie erste Vorstellungen unterbreiten, wie eine Präsentation der Grabungsergebnisse künftig aussehen könnte. (mz)