Grabungen im Zentrum von Weißenfels

Grabungen im Zentrum von Weißenfels: Auf welche großen Funde die Archäologen hoffen

Weissenfels - Das Stück grüne Kachel glänzt matt im Sonnenlicht. „Das ist vermutlich der Rest eines prunkvoll verzierten Ofens“, erklärt Archäologe Peter Hiptmair und hält das gute Stück auf seiner ausgestreckten Hand. Gut zu erkennen sind ein Wappen, ein Greifvogel, das stilisierte Porträt eines ...

Von Andreas Richter 04.07.2018, 08:28

Das Stück grüne Kachel glänzt matt im Sonnenlicht. „Das ist vermutlich der Rest eines prunkvoll verzierten Ofens“, erklärt Archäologe Peter Hiptmair und hält das gute Stück auf seiner ausgestreckten Hand. Gut zu erkennen sind ein Wappen, ein Greifvogel, das stilisierte Porträt eines Menschen.

Die Kachelreste aus dem 16. oder 17. Jahrhundert sind einer der Funde, die Archäologen und Grabungshelfer bislang auf dem rund 2.000 Quadratmeter großen Areal hinter dem alten Sparkassengebäude am Niemöllerplatz geborgen haben. Keine Weltsensation, doch allemal ein aufschlussreiches Puzzlestück, um nach und nach Erkenntnisse darüber zu gelangen, wie man vor Jahrhunderten auf diesem Weißenfelser Stück Erde unweit der Saale gelebt hat.

Bis Ende 2018 sollen Grabungen abgeschlossen sein

Nach dem späten Winter im März sind die Archäologen auf das Feld im Dreieck zwischen Friedrichstraße und Saalstraße gezogen. Sie sind so etwas wie die Vorboten für ein ehrgeiziges Projekt des Burgenlandkreises - den Neubau des Jobcenters in Weißenfels.

„Wir liegen im Plan“, versichert Thomas Jähnel, Leiter des Bauamtes beim Landkreis - trotz des witterungsbedingt verspäteten Starts der Archäologen. Bis zum Jahresende sollen die Grabungen und die Auswertung der Funde im Wesentlichen abgeschlossen sein. Was den Baubeginn für das neue Jobcenter betrifft, da hält sich Jähnel noch bedeckt. Hier sei noch einiges abzustimmen zwischen Stadt, Landkreis und Fördermittelgebern.

Jetzt also erst einmal die Archäologie. Ein spannendes Feld allemal. „Wir haben bereits verschiedene Scherben, Münzen, Murmeln aus Ton oder aus Knochen gefertigte Kämme gefunden“, zählt Peter Hiptmair auf, der seit mehr als zwanzig Jahren auf mitteldeutschen Grabungsfeldern unterwegs ist. So hat er unter anderem bei den archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Baus des Leipziger Citytunnels mitgewirkt. In Weißenfels hat er bereits die Grabungen vor der Neugestaltung des Schlossvorplatzes geleitet.

Archäologen hoffen auf Aufschluss über Geschichte von Weißenfels

An der alten Sparkasse sind es nicht nur einzelne Fundstücke, die das Interesse der Archäologen wecken. „Wir erhoffen uns unter anderem genauere Aufschlüsse über den Verlauf der Stadtmauer“, erklärt Hiptmair und hält einen alten Plan der Stadt aus dem Jahr 1746 in den Händen. Eingeteilt ist das Areal in verschiedene Parzellen, die nach und nach erschlossen werden. Maximal 1,20 Meter tief wollen sie in das Erdreich vordringen.

„Die Stadt ist in den vergangenen Jahrhunderten um etwa 80 Zentimeter nach oben gewachsen“, erklärt Hiptmaier. Davon zeugen auch die deutlich erkennbaren Reste einer Pflasterung aus dem späten Mittelalter, die die Archäologen in eben dieser Tiefe freigelegt haben. Am Pflaster in einer Parzelle nebenan lässt sich laut Hiptmair erkennen, dass hier einmal eine Fleischerei gewesen sein muss. Zahlreiche Spuren deuteten ebenso darauf hin, dass es im Laufe der Jahrhunderte in diesem Bereich der Stadt zahlreiche Brände gegeben hat.

Wenn Archäologen und Grabungshelfer alle Parzellen freigelegt und die Funde geborgen haben, dann ist die Arbeit längst nicht getan. Dann wird das Ganze im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wissenschaftlich ausgewertet. Erst dann könnten auch die einzelnen Funde endgültig bewertet werden, sagt Matthias Becker.

Der Mann vom Landesamt vergleicht das Ganze gern mit einem Puzzle: „Wir müssen erst genügend Teile haben, um das Bild erkennen zu können.“ Und so werden sie in den nächsten Monaten weiter fleißig Puzzleteile zusammentragen. Dabei hoffen sie, dass es nicht zu heiß wird. „Bewölkt, nachts ein bisschen feucht und tags nicht zu warm“, so beschreibt Becker das Wunschwetter für die Archäologen im Weißenfelser Zentrum. (mz)