Grabungen am Markt

Grabungen am Markt in Weißenfels: Dem Rathaus auf den Grund

Weißenfels - Archäologen untersuchen die Kellerräume des Barockbaus am Weißenfelser Markt. Welche Aufschlüsse sie sich davon erhoffen.

Von Andreas Richter 01.05.2017, 10:00

„Vermutlich wird in den nächsten hundert Jahren niemand mehr in diese Regionen vordringen“, sagt Matthias Becker vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Was er meint, das sind die Kellerräume im Weißenfelser Rathaus. Umso gründlicher gehen jetzt die Archäologen dem markanten Bauwerk am Weißenfelser Marktplatz auf den Grund.

Seit vier Jahren steht das Gebäude am Markt leer. Bis Herbst 2015 wurde dort unter anderem am Dach gearbeitet. Nun soll die Sanierung im Herbst fortgesetzt werden. Doch ehe es soweit ist, gehört das Rathaus in diesen Wochen den Archäologen. „Bevor ein neuer Fußboden eingezogen wird, schauen wir unten hinein, um weitere Aufschlüsse über die Bau- und Nutzungsgeschichte des Rathauses zu erhalten“, erklärt Madeleine Fröhlich, die die Grabungen in Weißenfels leitet.

Grabungen in Weißenfels: In diesem Rathaus, das mehrfach umgebaut wurde, steckt ein alter Kern

Jener Raum, in dem einst der Pförtner des Rathauses die Besucher empfing, ist längst verwaist. Durch den Raum führt der Weg an kleinen Schuttbergen entlang in die Kellerräume, die nun gründlich inspiziert werden. Bei zehn bis zwölf Grad ein eher kühler Arbeitsplatz. „In diesem Rathaus, das mehrfach umgebaut wurde, steckt ein alter Kern“, erklärt Matthias Becker beim Rundgang durch die Kellerräume. Diesen alten Kern aus dem 15. Jahrhundert erforschen nun Madeleine Fröhlich und ihre Mitstreiter.

Mit Schaufel, Spaten, Spitzkelle und Pinsel legen sie Schicht für Schicht frei. Je tiefer sie vordringen, umso älter die Schichten. Die ältesten Fundamentreste stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie liegen heute 80 bis 90 Zentimeter unterhalb der Oberfläche des Marktes. „Die Generationen haben sich immer weiter nach oben gebaut“, erklärt Matthias Becker.

Archäologen im Rathaus Weißenfels: Je mehr wir aufmachen, umso mehr Fragen haben wir

Mit sogenannten Suchschnitten in verschiedenen Räumen hatten sich die Archäologen im Rathaus zunächst ans Werk gemacht. Dort, wo sie Aufschlussreiches vermuten, gehen sie der Sache näher auf den Grund. „Je mehr wir aufmachen, umso mehr Fragen haben wir“, erklärt Madeleine Fröhlich das Ganze aus Sicht der Fachfrau.

Entdeckt haben sie unter anderem unterschiedliche Schichten, die Rückschlüsse auf die verschiedenen Brände in der Geschichte des Rathauses zulassen. „Die Ergebnisse der Grabungen werden fotografiert, per Hand gezeichnet und digital vermessen“, erklärt Madeleine Fröhlich das Vorgehen der Archäologen. Schließlich wird alles in eine Dokumentation münden, die einen weiteren Baustein zur Erforschung eines Bauwerkes liefern soll, das in seiner heutigen Gestalt 1722 eingeweiht wurde.

Archäologen im Rathaus Weißenfels: Akribische wissenschaftliche Kleinarbeit

Es ist vor allem akribische wissenschaftliche Kleinarbeit, die hier unten abseits des Sichtfeldes der Öffentlichkeit geleistet wird. Wer Spektakuläres auf dem Grund des Rathauses erwartet, der dürfte eher enttäuscht werden. „Ja, wir haben einiges gefunden, Keramik zum Beispiel. Zur Bedeutung können wir jedoch noch keine weiteren Aussagen treffen. Die Funde werden zunächst in unserem Amt gereinigt und dann näher untersucht“, gibt sich Matthias Becker wissenschaftlich zurückhaltend.

Spätestens im Herbst sollen die Grabungen im Weißenfelser Rathaus abgeschlossen sein. Dann werden umfangreiche Bauarbeiten in der ersten und zweiten Etage beginnen. Erst im April hatte das Land knapp zwei Millionen Euro für den Fortgang der Sanierung des historischen Bauwerks freigegeben.

Die Archäologen werden allerdings in Weißenfels auch außerhalb des Rathauses weiter ein umfangreiches Betätigungsfeld vorfinden. Marktplatz, Saalstraße - Überall dort, wo gebaut wird, gehen sie voran, um Zeugen der Vergangenheit für die Nachwelt festzuhalten. (mz)