Gefährliche Einflugschneise

Gefährliche Einflugschneise: Autos zu schnell - Anwohner geben der Stadt Mitschuld

Burgwerben - Seit einigen Tagen hat sich die Burgwerbener Straße aus Richtung Großkorbetha kommend in eine gefährliche Einflugschneise verwandelt. Dazu waren lediglich zwei Parkverbotsschilder nötig. Sie verbieten nun das Abstellen von Autos. Dadurch haben Raser freie ...

Von Andrea Hamann-Richter 14.06.2016, 06:37

Seit einigen Tagen hat sich die Burgwerbener Straße aus Richtung Großkorbetha kommend in eine gefährliche Einflugschneise verwandelt. Dazu waren lediglich zwei Parkverbotsschilder nötig. Sie verbieten nun das Abstellen von Autos. Dadurch haben Raser freie Bahn.

Darüber hat Klaus Bachmann die MZ informiert. Der Mann steht vor seinem Haus. Das Bild ist selbstredend. Pkw, Motorräder, Lkw, Transporter und Busse fahren mit offensichtlich überhöhter Geschwindigkeit in den kleinen Ort hinein.

„Früher durften auf der Strecke an den Straßenränder Autos parken“, erzählt er. Dadurch war eine freie Fahrt durch die Straße nicht möglich. Die Fahrzeuge waren automatisch langsamer unterwegs.

Dellen mit ohrenbetäubender Wirkung

„Mindestens fünf bis sechs Autos pro Minute habe ich gezählt. Wenn der Berufsverkehr am Vormittag oder am Nachmittag einsetzt, ist es noch schlimmer“, erzählt der 72-Jährige. Damit nicht genug. Die kleinen und größeren Dellen und reparierten Stellen auf dem Asphalt haben nun eine ohrenbetäubende Wirkung. Wenn zum Beispiel Lastwagen darüber fahren, knallt es unglaublich, erzählt der Burgwerbener weiter. Nicht nur er ist als direkter Anwohner betroffen. Gegenüber befindet sich das Haus von Günther Schmidt. „Egal was ist, meine Nacht ist um 6 Uhr zu Ende“, erzählt der Schichtarbeiter.

„Als der Blitzermarathon war, wurde stolz berichtet, das nur 21 Verkehrsteilnehmer im Burgenlandkreis erwischt wurden. Hier stand niemand zum messen. Dass hätten sie in Burgwerben locker erhöhen können“, sagt Günther Schmidt. Das sieht auch Klaus Bachmann so. „21 Überschreitungen in 24 Stunden und mit 200 Beamten zu registrieren, hätten sie mit vier Beamten auf dieser Strecke von 6 bis 18 Uhr geschafft“, ist er sich sicher.

Besser Sicht durchs Parkverbot

Klaus Bachmann hat vom angeblichen Grund der aufgestellten Schilder gehört. Dem Vernehmen nach sollte so den Schülern des Ortes eine freie Sicht gegeben werden. Sie sind durch die nun fehlenden parkenden Autos besser zu sehen und können besser schauen, ob sie über die Straße dürfen. Doch es verhält sich völlig anders. Das ist auf MZ-Nachfrage vom Ortsbürgermeister Hubert Schmoranzer zu erfahren.

Es gab Einwohner, die durch die parkenden Autos mit ihren größeren Fahrzeugen, wie beispielsweise landwirtschaftlichen Maschinen, kaum Sicht hatten. Und zwar, wenn die von Großkorbetha kommend in den Ort hineinfuhren. „Durch die auf der rechten Straßenseite abgestellten Autos war das auch so“, sagt Schmoranzer.

Erhöhte Geschwindigkeit war absehbar

Der Ortsbürgermeister hat das Thema bereits in den Ortschaftsrat eingebracht. Dem folgte eine Vor-Ort-Begehung durch das Gremium, gemeinsam mit dem Landesstraßenamt.

Diese Mitarbeiter wiesen darauf hin, dass durch ein Parkverbot in jedem Fall damit zu rechnen sei, dass sich die Geschwindigkeit im Ort erhöhen wird. Anfangs waren sie aus diesem Grund auch nicht dafür. Der Ortschaftsrat schloss sich dem an. Später entschied das Landesstraßenamt, die beiden Schilder aufzustellen. Warum, weiß der Ortsbürgermeister nicht.

Immerhin, so sagt Schmoranzer, gibt es vor der Ortseinfahrt ein Schild. Mit diesem werden die Verkehrsteilnehmer aufgefordert, freiwillig Tempo 30 zu fahren, weil es viele Schulkinder gibt. Darüber hinaus gibt es noch eine elektronische Hinweistafel, auf der die aktuelle Geschwindigkeit der Fahrzeuge angezeigt wird, die schneller als 50 Kilometer pro Stunde unterwegs sind. Nur schade, dass sie derzeit nicht funktioniert.

Ortseinfahrt als Blitzerschwerpunkt

Klaus Bachmann hatte bereits die Stadt Weißenfels angeschrieben. Darin bat der die Kommune, einen automatischen Blitzer aufzustellen. Die Stadt informierte ihn, dass es verstärkt Geschwindigkeitskontrollen gegeben hatte.

Das bestätigt Katharina Vokoun von der städtischen Pressestelle in Weißenfels. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hätten bereits zehn Geschwindigkeitskontrollen mit dem Blitzerauto stattgefunden. Der Spitzenreiter wurde mit 79 Kilometer pro Stunde gemessen. Die anderen Fahrer lagen im Durchschnitt bei Tempo 66. Am 4. Februar habe es tatsächlich 23 Geschwindigkeitsüberschreitungen gegeben. An anderen Tagen wiederum sei die Zahl der Raser deutlich geringer gewesen.

„Wir werden auch künftig die Stelle als Blitzerschwerpunkt beibehalten“, kündigte Vokoun an. (mz)