Gedenkstätte in Weißenfels

Gedenkstätte in Weißenfels: Schütz-Haus soll in die erste Liga

Weißenfels - Das Weißenfelser Heinrich-Schütz-Haus soll deutschlandweit bekannter werden. Bis zum Sommer nächsten Jahres soll ein Marketingkonzept für das Haus mit seiner neu konzipierten Dauerausstellung zu Leben und Werk des Komponisten auf dem Tisch liegen. Darüber hat Christoph Palmer, Vorsitzender des in diesem Jahr gegründeten Kuratoriums, auf MZ-Anfrage ...

Von Andreas Richter 29.12.2016, 09:30

Das Weißenfelser Heinrich-Schütz-Haus soll deutschlandweit bekannter werden. Bis zum Sommer nächsten Jahres soll ein Marketingkonzept für das Haus mit seiner neu konzipierten Dauerausstellung zu Leben und Werk des Komponisten auf dem Tisch liegen. Darüber hat Christoph Palmer, Vorsitzender des in diesem Jahr gegründeten Kuratoriums, auf MZ-Anfrage informiert.

In einer Telefonkonferenz kurz vor Weihnachten hatten sich Vertreter des Kuratoriums, des Heinrich-Schütz-Hauses, der Stadt und des Landes Sachsen-Anhalt über eine Ausschreibung verständigt, die im Januar/Februar kommenden Jahres auf den Weg gebracht werden soll. Das Kuratorium will deutschlandweit sieben auf Tourismusmarketing spezialisierte Agenturen einbeziehen. Eine davon soll dann den Zuschlag für die Erarbeitung des Marketingkonzepts erhalten. „Wir werden den Agenturen sämtliche bereits vorhandenen Papiere zur Verfügung stellen - vom Leitbild des Heinrich-Schütz-Hauses bis zum Museumskonzept der Stadt“, sagte Palmer.

Genaue Kosten für Studie sind unklar

Die genauen Kosten für eine solche Studie sind derweil noch unklar. Fest steht jedoch bereits, dass sich Stadt Weißenfels, Burgenlandkreis, das Land Sachsen-Anhalt und das Kuratorium dazu bekannt haben, die Kosten zu je einem Viertel zu übernehmen. Die Stadt Weißenfels hat in der Haushaltsdebatte 2016 ihren Anteil zunächst auf etwa 5.000 Euro geschätzt.

Der 54-jährige Stuttgarter ist seit zwölf Jahren als Berater in der freien Wirtschaft tätig. Von 1998 bis 2004 war Palmer als Minister im Staatsministerium Baden-Württemberg die „rechte Hand“ des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU). „Ich hatte in einer Stuttgarter Zeitung davon gelesen, dass zu wenig Besucher in das Schütz-Haus kommen“, berichtete Palmer über den Ursprung seines Engagements für Weißenfels. Der Stuttgarter engagiert sich seit Jahren auf kulturellem Gebiet. Er ist unter anderem Mitglied im Freundeskreis Luther, der sich erfolgreich für die Sanierung der Wittenberger Schlosskirche einsetzt.

„Das Haus ist eine Perle“

Im Herbst 2015 sei er zum ersten Mal überhaupt in Weißenfels und im Heinrich-Schütz-Haus gewesen, blickte Palmer zurück. „Ich war total überrascht. Ich hatte bis dahin selten ein solch schönes Museum gesehen“, so der Stuttgarter. Bald sollte er jedoch auch feststellen: „Das Haus ist eine Perle, die deutlich unter Wert verkauft wird“. Nach Auffassung des Musik- und Kulturfreundes gehört das Weißenfelser Schütz-Haus in die erste Liga mit solchen Anziehungspunkten wie das Bachhaus in Eisenach oder die Gedenkstätten für Komponisten wie Richard Wagner oder Johannes Brahms.

Das Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels ist das einzige original erhaltene Wohnhaus des Komponisten. Das um 1552 erbaute Renaissancehaus wurde von 2010 bis 2012 aufwendig saniert. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die wiederhergestellte Komponierstube, in der zwei im Haus aufgefundene Notenfragmente des Komponisten gezeigt werden. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Das Weißenfelser Heinrich-Schütz-Haus war im Jahr 2012 wiedereröffnet worden. Seitdem haben jedes Jahr rund 5.000 Gäste die Gedenkstätte in der Nikolaistraße besucht. Zu wenig für ein Haus, das mit großem Aufwand saniert und deren Ausstellung vollständig neu konzipiert wurde. Deshalb hatten sich 21 namhafte Persönlichkeiten im Herbst dieses Jahres zu einem Kuratorium zur Unterstützung des Museums zusammengefunden.

Lobby-Instrument ohne jegliches wirtschaftliches Interesse

„Wir sind kein geschlossener Verein, verstehen uns als Lobby-Instrument ohne jegliches wirtschaftliches Interesse“, charakterisierte Palmer ein Kuratorium, zu dessen Mitgliedern regionale Größen wie Landrat Götz Ulrich (CDU) ebenso gehören wie etwa der renommierte Opernsänger Matthias Rexroth oder Sachsen-Anhalts Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU).

Das Heinrich-Schütz-Haus ist seit einem Jahr wieder in städtischer Trägerschaft. Der Musikverein „Heinrich Schütz“ hatte zuvor nach 13 Jahren die Trägerschaft abgegeben. Ein wesentlicher Grund: Die jährlich wiederkehrenden Unsicherheiten bei der Finanzierung des Hauses. (mz)