Gedenkplatte in Weißenfels gestohlen

Gedenkplatte in Weißenfels gestohlen: Warum Seniorin jetzt hohe Belohnung verspricht

Weissenfels - Tafel mit Namen von Gefallenen des Ersten Weltkrieges bleibt verschwunden. Wer sie zurückgibt, bekommt 250 Euro „Finderlohn“.

Von Holger Zimmer 15.05.2018, 13:22

Die Polizei tappt in Sachen Diebstahl einer Gedenkplatte im Dunkeln. Die Tat war am 23. April am Ratssaal gegenüber dem St.-Claren-Kloster entdeckt worden. Dort stand das steinerne Denkmal mit der Tafel seit 2011. Hilfreich könnte nun sein, dass eine Seniorin, die anonym bleiben möchte, demjenigen 250 Euro zahlt, der die Platte bei der Polizei oder in der MZ-Redaktion übergibt.

Denn sie hat ein persönliches Interesse an einer Lösung, weil ihr Großvater Alfred Schröter ganz oben auf der Gedenktafel steht. Nicht mal 38 Jahre ist er alt geworden und im Mai 1917 in einem Lazarett gestorben. Sein Sohn (17) galt seit Juli 1916 als vermisst. „Es wäre traurig, wenn die Erinnerung mit der Gedenktafel verschwinden sollte“, sagt die 82-Jährige. Den Großvater hatte sie wegen des Krieges nie kennengelernt.

Gedenkplatte in Weißenfels gestohlen - und schon verschrottet?

Thomas Ortmann, Pressesprecher des Polizeireviers Burgenlandkreis, vermutet, dass es den Tätern allein um den Schrottwert gegangen ist. Ansonsten hätten sie ja Kenntnis vom historischen Hintergrund haben müssen. Selbst ihm als Weißenfelser sei das Thema mit den gefallenen Turnern aber nicht geläufig gewesen. Am Tatort hatte man eine Eisenstange gefunden, die von der nahen Baustelle in der Saalstraße stammen könnte. Sie wird derzeit noch beim Landeskriminalamt auf Spuren untersucht.

Gedenkplatte gestohlen: War es eine spontane Tat?

Demnach könnte es eine spontane Tat gewesen sein und keine, die von langer Hand vorbereitet worden ist. Es ging also ums Geld für den Schrott, der mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Kupferlegierung gewesen ist.

Ob er eine Chance sieht, dass die Tafel wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren kann? Nur wenn der oder die Täter sie nicht schon zu Geld gemacht haben. Wenn sie das aber getan haben, dann ist die Gedenkplatte so stark zertrümmert worden, dass sie nicht mehr zu erkennen sein dürfte.

Soldaten war schon vor Jahren Kopf abgeschlagen worden

Museumsmitarbeiter Mike Sachse ist schockiert. Es kann sich nur um einen Diebstahl wegen des Metalles gehandelt haben oder um einen Sammler, der das einmalige Stück haben wollte. „Man müsste eigentlich davon ausgehen, dass sich an Denkmälern für Gefallene niemand vergreift, doch in Weißenfels ist das offenbar anders.“

Denn vor Jahren hatten Unbekannte im Stadtpark schon einen Gedenkstein für Gefallene des Ersten Weltkriegs schwer beschädigt. Da war eine Platte zerschlagen und einem knienden Soldaten der Kopf abgeschlagen worden. Sachse hat den Standort am Ratssaal ansonsten nicht schlecht gefunden. „Auf jeden Fall ist das Verschwinden der Tafel ein Verlust“, sagt er.

Gedenkstein in Weißenfels war mehrfach umgezogen

Ursprünglich hatte der Gedenkstein an der Holländer-Mühle neben einem Denkmal für den Begründer der Turnbewegung, Friedrich Ludwig Jahn, gestanden. Letzteres war 1907 von den Germania-Turnern vor der Mühle aufgestellt worden, wo sie ihr Vereins-Domizil hatten. Wiederholt habe Jahn seinen Freund Wilhelm Harnisch, den Rektor des Lehrerseminars, besucht, und sei hier eingekehrt.

2007 musste dieses und das später aufgestellte Denkmal für die Gefallenen von dem Privatgelände auf den Friedhof beziehungsweise an die Schwimmhalle in Weißenfels- West umziehen. Unpassende Standorte, wie Klein seinerzeit fand. 2010 beantragte die Stadtratsfraktion Bürger für Weißenfels, die Denkmäler im Zentrum gegenüber dem Kloster aufzustellen.

Der Kulturausschuss stimmte zu und auch der Stadtrat bekannte sich mehrheitlich zum neuen Standort. Otto Klein spricht nun von einer Schande. Man habe seinerzeit gewollt, dass die Denkmäler verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. „Nun ist es wichtig, dass die Tafel gefunden und wieder angebracht werden kann.“

Stadt hat Anzeige erstattet und Schrotthändler informiert

Andreas Bischoff, Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, hatte in der damaligen Diskussion darauf verwiesen, dass die beiden Denkmäler auf eingezäunten Flächen stehen würden, die einen gewissen Schutz gewährleisten. Nun sagt er: „Heute ist nichts mehr sicher.“

Da sei aber auch ein Zaun nur ein relativer Schutz vor Schrottsammlern oder Souvenirjägern. Katharina Vokoun, Pressesprecherin der Weißenfelser Stadtverwaltung, betont, dass die Gedenktafel mit Dübeln befestigt, also vor Diebstahl geschützt gewesen sei. Sie denkt, dass die Tat geplant worden ist. Insofern hätten sich Diebe auch nicht von einem Zaun abhalten lassen. Die Stadt hat Anzeige erstattet und Schrotthändler und Wertstoffhöfe informiert. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung. (mz)