Frust gegen Weißenfels

Frust gegen Weißenfels: Schmeißen Uichteritzer Ortschaftsräte alles hin?

Weißenfels - Die Räte in der Weißenfelser Ortschaft Uichteritz denken darüber nach, ihr Mandat vorzeitig niederzulegen. Was sie der Stadtverwaltung vorwerfen.

Von Andreas Richter 16.10.2018, 07:17

Dicke Luft auf dem Land: Weil sie sich von der Stadtverwaltung nicht ernst genommen fühlen, haben Ortschaftsräte in Uichteritz jetzt darüber diskutiert, ob sie frühzeitig alles hinwerfen. Im Mai kommenden Jahres werden auch Ortschaftsräte neu gewählt, doch einige Räte denken darüber nach, bereits zum Jahresende ihr Mandat niederzulegen.

„Ich hab’, ehrlich gesagt, die Nase voll“, meinte der Uichteritzer Ortsbürgermeister Wolfgang Kurtze auf der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates. Da hat sich offenbar jede Menge Frust angestaut. Anfragen würden im Rathaus zumeist nur unzureichend beantwortet, Hinweise aus dem Ort nicht ernst genommen, klagt der Ortsbürgermeister. Zudem gebe die Stadt den Ortschaftsräten immer wieder zu verstehen, dass sie eigentlich nichts zu sagen hätten.

Frust in Uichteritz: Ortsbürgermeister wendet sich an Innenminister

Dabei hatten die Uichteritzer in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Anlass zur Kritik gegenüber der Stadt. Sei es während des Ausbaus der Lobitzscher Straße oder gerade in den vergangenen Wochen wegen der Sperrung landwirtschaftlicher Wege für den Autoverkehr in der Lobitzscher Flur.

Schon im August hatte sich Kurtze in einem Brief an den Innenminister über die schlechte Zusammenarbeit mit der Stadt beklagt. „Die Antwort hat mich nicht befriedigt. Das waren nur warme Worte“, sagt Kurtze und bleibt hartnäckig. Vor wenigen Tagen hat er sich erneut an den Minister gewandt mit der Bitte, er solle doch beim Landesverwaltungsamt einen Gesprächspartner vermitteln, mit dem man über die Situation in Weißenfels reden kann.

Rücktrittsdrohung im Ortschaftsrat: Räte sind sich noch nicht einig

Derweil ist man sich im Uichteritzer Rat nicht einig, ob man wirklich hinschmeißen soll. „Wir sollten nicht zeigen, dass wir aufgeben“, meinte etwa Margret Hempel. Auch Gerhard Pinkny und Rolf Haage wollen bis zum Ende der Legislaturperiode weitermachen.

Joachim Hornickel, der interessanterweise erst vor wenigen Wochen beim Schlossfest die Ehrennadel der Stadt Weißenfels erhalten hat, meinte hingegen auf der jüngsten Sitzung: „Wir sollten ein Zeichen setzen und geschlossen zurücktreten.“ Schließlich einigte man sich darauf, dass man sich noch nicht einigt. Die Uichteritzer Ortschaftsräte wollen nun zunächst einmal noch die Antwort aus dem Innenministerium auf den Brief des Ortsbürgermeisters abwarten. Je nachdem wie diese Antwort ausfällt, wollen sie Anfang Dezember über eine vorzeitige Niederlegung ihres Mandats entscheiden.

Was OB Robby Risch zu den Vorwürfen aus Uichteritz sagt

Er würde es sehr bedauern, wenn sich der Ortschaftsrat jetzt auflösen würde, meinte hingegen der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos). „Wir haben in Uichteritz viele Investitionen vorgenommen und auch für die Zukunft stehen die Kita und die Grundschule schon auf unserer Agenda“, sagte er.

Es wäre erfreulich, wenn man dabei auch auf den Sachverstand der Bürger vor Ort zählen könnte. Bislang seien die Ortschaftsräte an allem, für das sie zuständig sind, beteiligt worden, so Risch. „Aber es gibt auch Grenzen der Zuständigkeit“, so der Weißenfelser OB.

Kurtze hofft nun auf eine Vermittlung des Innenministeriums. Damit wird der 74-Jährige, der seit 2001 Bürgermeister in Uichteritz ist, bestenfalls den Boden für seinen Nachfolger bereiten. Denn für Kurtze steht fest: Im nächsten Jahr ist Schluss.

Uichteritz gehört mit seinen rund 900 Einwohnern seit 1. Januar 2010 zur Stadt Weißenfels. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Gemeinden im Umfeld hatte sich Uichteritz seinerzeit auf der Grundlage eines Vertrages freiwillig eingemeinden lassen und sich damit einen größeren Gestaltungsspielraum beim Zusammenschluss mit der Stadt erhofft. (mz)